Die Kunst, Überwachungskameras anzuzapfen

Die Polizei publiziert Bilder von Überwachungskameras zu Fahndungszwecken. Auch die Künstlergruppe Bitnik veröffentlicht solche Bilder – von fremden Überwachungskameras abgefangen.

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Bekannt wurde die Künstlergruppe Bitnik mit ihrem Projekt «Opera Calling», bei dem sie Wanzen im Zürcher Opernhaus versteckte und die Opern live per Telefon übertrug. Jetzt zapfen die Künstler fremde Überwachungskameras an und veröffentlichen zum Teil auch die Bilder.

Seitdem die Polizei Bilder von Überwachungskameras für die Fahndung publiziert, hat das Projekt an Brisanz gewonnen. Carmen Weisskopf, ein Mitglied der Gruppe, spricht über das Projekt.

Sie gehen durch Städte und zapfen Überwachungskameras an. Wie geht das?
Grundsätzlich gibt es zwei Systeme von Überwachungskameras. Jene, die das Signal über Kabel übertragen und jene, bei denen das über Funk geschieht. Wir widmen uns den Funksystemen. Und zwar ganz einfach, ohne irgendetwas zu hacken: Indem wir mit einem mobilen Empfänger durch die Strassen gehen und schauen, was wir alles so empfangen. Das ist eine ganze Menge.

Was sieht man denn da so?
Je nach Stadt und Kultur werden Überwachungskameras für andere Dinge eingesetzt. In London zum Beispiel hat man keinerlei Berührungsängste mit der Überwachung, entsprechend oft werden solche Kameras in Privaträumen eingesetzt. Da fühlt man sich schon sehr als Voyeur, wenn man mit einem Empfangsgerät durch die Stadt läuft. In Rotterdam wird die Technik als Baby-Überwachungssystem verkauft, also als Babyfon mit Bild.

Was machen Sie mit den abgefangenen Bildern?
Einerseits veranstalten wir «Walks», bei denen wir mit Publikum durch eine Stadt spazieren, Überwachungsbilder abfangen und eine neue Sicht auf die eigene Stadt ermöglichen. Livemedien, Kanäle, Signale und deren Umnutzungsmöglichkeiten interessieren uns. Im Moment projizieren wir in einer Galerie in Zürich das abgefangene Livesignal der Überwachungskamera eines benachbarten Polizeipostens. Dort geht es auch um das Gefühl, dass immer etwas passieren könnte, natürlich passiert aber nie etwas. Diese Leere und Langsamkeit fanden wir spannend.

Glauben Sie, der Überwachungswahn hat negative Auswirkungen auf die Gesellschaft?
Wir sehen uns nicht als Kulturkritiker. Wir stellen einfach fest, dass diese Signale vorhanden sind und wollen künstlerisch damit arbeiten.

Die Veröffentlichung von Überwachungskamerabildern ist nach dem Fall der Schläger von Kreuzlingen in aller Munde, von Datenschützern wird das Vorgehen auch kritisiert. Sie veröffentlichen auch solche Bilder. Haben Sie keine Probleme damit?
Vor allem bei den Walks ist genau dies ein grosses Thema. Die Teilnehmer machen sich dauernd Gedanken wie «Darf ich das überhaupt sehen?» oder «Sind wir da nicht zu weit gegangen?». Jeder hat da seine eigenen Grenzen.

Ist dieses Anzapfen von Signalen überhaupt legal?
Wir kennen keine Rechtsprechung zu dem Thema. Wir umgehen keine Sicherheitsschranken, sondern lauschen einem unverschlüsseltem Signal welches nach Aussen dringt - ähnlich wie wenn man mit einem mobilen Empfänger Radio hört. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Erstellt: 05.06.2009, 14:05 Uhr

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9 KOMMENTARE

Martin Fischer

08.06.2009, 08:32 Uhr

@ralf bürge: wäre das Ganze mit Ölfarbe, wäre es vielleicht besser als Kuntz zu erkennen. Und schon für 10.- kriegt man ein paar Tuben in der Migros, .. da kann man sich die staatlichen Supvenzionen schenken!


Arthur Brunner

05.06.2009, 17:39 Uhr

was man braucht hier ist ein sog. video sniffer. es gibt ein gutes geraet von hunter fuer ca 500 dollar. alle diese geraete sniffen funk signale. also verkabelte cameras sind nicht anzapfbar. was das alles mit kunst zu tun hat kann ich mir nicht so recht erklaeren.


Eduard van Langshe

05.06.2009, 17:24 Uhr

Absolut genial! Wir werden ja selber Opfer von unserer Neugierde. Kult, ich dabei wann ist der nächste Walk!


Hans Müller

05.06.2009, 16:02 Uhr

@Hans Gmür Das abgebildete Gerät dürfte ein Casio EV-510(S?) von ~1998 sein. afaik stellt Casio heute keine tragbaren Fernseher mehr her. @Cedric Gehrer Ich denke die Künstler können die Kritik getrost dem Betrachter überlassen. Stoff ist genug da. Siehe Kommentar von Ronnie König @Ralf Bürge Das Treiben ist allemal so sinnig wie spazieren, Fusballspielen ..oder News kommentieren.


Ralf Bürge

05.06.2009, 15:41 Uhr

Was die Leute den ganzen Tag so treiben... Müssen die denn alle nicht arbeiten? Wahrscheinlich handelts es sich um staatlich supvenzionierte Künstler.


Cedric Gehrer

05.06.2009, 15:25 Uhr

Was hat Kunst für einen Sinn, wenn sie nicht auch irgendwo Kulturkritik sein soll? Ok, ganz vergessen, heute macht ja die 20-Minuten-Generation Kunst... Hauptsache ich hab meinen Fun, der Rest ist mir egal.


Hans Gmür

05.06.2009, 15:18 Uhr

Kann mir jemand sagen, wo ich so ein Casio-Gerät herbekomme ?


Ronnie König

05.06.2009, 14:38 Uhr

Also der erste Schritt ist Bilder anzusehen, der nächste wohl Bilder zu stören und der dritte wird sein, dass echte Bilder durch falsche ersetzt werden. Schöne neue Welt! Am Ende passiert fast das gleiche mit den neuen Pässen! Und wer schützt uns vor Missbrauch? Mir schwant Übles!


Thomas Bruderer

05.06.2009, 14:05 Uhr

Sehr gute Sache! Wo kann man sich für diese "Walks" anmelden?



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