Die Millionen sitzen locker

Von Michèle Binswanger, Basel. Aktualisiert am 17.06.2010 6 Kommentare

Bei der Art Basel laufen die Geschäfte bombig und die Prominenz lässt sich blicken. Doch an der wichtigsten Kunstmesse der Welt sind die angeblichen Boommärkte der Zukunft kaum vertreten.

1/9 Krise? Davon ist bei der Art nichts zu spüren. Aley Hanimann in der Skopia Galerie, Genf.

   

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Die Art 41 Basel

Die Art 41 Basel
Ab Dienstag strömen die Kunstbegeisterten nach Basel an die 41. Ausgabe der Kunstmesse «Art Basel». Der exklusive Preview wurde auch dieses Jahr von einem Hollywood-Star besucht.

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Rundum zufriedene Gesichter zeigen sich in den Kojen der Galeristen bei der Art Basel. Die Geschäfte laufen bombig, wie zu den besten Zeiten, so der Tenor bei allen Galerien – und das schon am ersten Verkaufstag.

Natürlich haben die Galerien kein Interesse daran, schlechte Verkäufe zuzugeben – aber tatsächlich scheint der erwartete grosse Einbruch des seit Jahren leicht überhitzten Kunstmarkts auch dieses Jahr auszubleiben. Nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, verzeichneten die Kunsthändler zwar eine leichte Baisse. Doch die Unsicherheit scheint vorüber, das Vertrauen in den Kunstmarkt ist so ungebrochen, wie die Freude an der Kunst. Galeristen sprechen in Basel von einer Energie wie zu Zeiten des Kunst-Hypes. «Die Sammler setzen nicht nur auf Klassiker – aber sie wollen Qualität, solide Werke», heisst es bei der Zürcher Galerie «Mai 36». Bei der Galerie Eva Presenhuber will man sich nicht im Einzelnen äussern, ist aber ebenfalls äusserst zufrieden.

Einseitiger Monolog

Die meisten Galerien geben keine Auskunft darüber, was und vor allem für wie viel sie schon verkauft haben. Einige aber schon. Ein Picasso wechselte bereits in den ersten fünf Minuten nach der Eröffnung der Preview am Dienstag für 15 Millionen den Besitzer. Die an einen Troll erinnernde Skulptur des Chinesen Zhang Huan aus Holz, Polyester, Eisen und Tierfellen ging etwa für 1,8 Millionen Dollar an einen Japaner.

Bei der Galerie Hauser und Wirth vermeldet man den Verkauf der ganzen Installationsgruppe «White Snow Dwarf» des amerikanischen Kunst-Shooting-Stars Paul McCarthey. Dabei handelt es sich um fünf etwas desorganisiert wirkende Zwerge aus Silikon zu je 750'000 Dollar. Die Galerie hat gleich die gesamte Gruppe in eine private Sammlung verkauft. McCarthey war denn auch einer der grossen Stargäste der Art und plauderte im Rahmen des Diskussionsforums «Art Conversations» über seine zuweilen ziemlich verstörenden Arbeiten, beispielsweise «Pig Island». Allerdings versäumte der Interviewer, mit Fragen nachzuhaken, weshalb das «Gespräch» ein etwas einseitiger Monolog wurde.

Qualitätssicherung vor Hype

Immer wieder wird in Kunstkreisen verkündet, dass das Zentrum des Kunstmarkts sich Richtung Osten verschiebe – und tatsächlich sind gerade die chinesischen Künstler an der Art Basel gut vertreten. Allerdings widerspiegelt sich der Aufbruch gen Osten noch nicht in der Auswahl der zur Messe zugelassenen Galerien. Russland und Indien sind noch immer einigermassen spärlich vertreten. Von den Verantwortlichen der Art Basel wollte niemand dazu Stellung nehmen. Erfahrene Galeristen aber erklären, dass dies mit Qualitätssicherung zu tun habe, welche das wichtigste Kriterium für die Messe sei. Man nehme sich, trotz der Dynamik der Entwicklung, also lieber Zeit.

Eine türkische Galeristin ortet die Gründe für die verzögerte Ausrichtung gen Osten noch woanders: Bei der Art laufe alles über Beziehungen. Die Schweiz pflege relativ gute Verbindungen zur chinesischen Kunstwelt, mit Russland und Indien sei man aber noch nicht so weit. Und nicht zuletzt stehen dahinter natürlich auch heikle kunstpolitische Fragen, denn für jede Galerie, die bei der Art aufgenommen wird, fliegt eine andere raus. Verständlich, dass man solche Entscheidungen nicht leichtfertig trifft.

Ansonsten kann man bei der Art Basel bereits jetzt eine erfreuliche Bilanz ziehen. Nicht nur liefen die Geschäfte bombig, auch liess sich dieses Jahr wieder internationale Prominenz blicken, woran sich das gemeine Volk dann ergötzt. So besuchte die Sängerin Björk beispielsweise die Ausstellung ihres Gatten Matthew Barney im Basler Schaulager, wo auch die Schauspielerin Vanessa Paradis auftauchte. Bei der Preview der Art streifte der Schauspieler Val Kilmer durch die Galerie-Kojen, zur Vernissage schliesslich marschierte weitere Prominenz von Rapper Smudo bis zu Melanie Winiger auf. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.06.2010, 15:03 Uhr

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6 Kommentare

Peter Schmutz

17.06.2010, 17:31 Uhr
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Die Gierigen verlegen sich auf die Kunst! Anstatt mit Wertpapieren zu handeln kauft man heute Kunst zu masslos überhöhen Preisen. Die Vermögensverwalter werden damit beauftragt, Kunst zu kaufen - als Wertanlage. Wie die Bilder aussehen ist nicht von grosser Bedeutung. Hauptsache das Geld ist sicher angelegt. Es ist unappetitlich, dass die Malerei für Spekulationen missbraucht wird. Antworten


Felix Held

17.06.2010, 19:55 Uhr
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Es ist falsch den 65jährigenPaul McCarthy (ohne e) als 'Kunst-Shooting-Star' zu bezeichnen. Bitte 'Qualitätssicherung vor Hype' selbst befolgen. Es ist auch nicht so, dass Björk 'beispielsweise die Ausstellung ihres Gatten' besucht, es ist eher ,beispielsweise Björk, die...'. Dass die Geschäfte 'bombig' laufen, daran kann man sich als LESER nun wirklich nicht 'ergötzen'. Antworten



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