Die wundersame Welt der Sinti und Roma

Von Karolina Dankow. Aktualisiert am 03.03.2009

Der schwedische Fotograf Joakim Eskildsen hat während sechs Jahren Sinti und Roma begleitet und meisterhafte Dokumente geschaffen.

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Joakim Eskildsen
Die langen Zöpfe, Tirnaveni, Rumänien
Bild: © Joakim Eskildsen

   

Die Ausstellung

Joakim Eskildsen – Die Romareisen. Fotomuseum Winterthur, bis 17. Mai.
www.fotomuseum.ch

Buch: Joakim Eskildsen: Die Romareisen. Mit einem Vorwort von Günter Grass und Texten von Cia Rinne und Joakim Eskild­sen. Steidl, 416 S., 274 Farbfotos, 75 Fr. (im Museum) bzw. ca. 109 Fr. (Buchhandel).

Roma, Sinti, Calé und andere Gruppen, die unter dem Überbegriff «Fahrende» zusammenge­fasst werden, sind Europas grösste ethni­sche Minorität, die – in verschiedenen Ländern zerstreut – innerhalb einer frem­den Kultur ihre eigene Identität aufrecht­erhalten muss. Dieser andersartige Status, der im Verlauf der etwa 700-jährigen Geschichte der Fahrenden immer wieder zu Verfolgung und Versklavung führte, schlägt sich bis heute in Diskriminierung, Ausschluss und Misstrauen, manchmal auch gewaltsamen Übergriffen nieder.

Der 35-jährige schwedische Fotograf Joakim Eskildsen besuchte zwischen 2000 und 2006 sieben verschiedene Län­der von Indien über Rumänien und Russland bis Finnland und suchte dort die Gebiete auf, in denen die «Gipsies» hausen. Das Er­gebnis dieser Reisen ist aktuell im Foto- museum Winterthur zu sehen. «The Roma Journeys» zeigt Fotografien von malerischer Qualität. Die magischen Lichteffekte sind ohne technische Hilfs­mittel entstanden und verdanken ihre Tiefe der natürlichen Morgen- oder Abendsonne. Die Farben sind leuchtend und kräftig. Auf diese Weise vereint Eskildsen gestochen scharfe Dokumentatio­nen mit poetischer Interpretation. Zuwei­len lebte der Fotograf über längere Perioden mit den Porträtierten unter einem Dach, gewann ihr Vertrauen und die Möglichkeit, persönliche Einblicke in ih­ren Alltag zu erhalten.

Meisterwerke – trotz Klischees

Seine Arbeiten bieten dadurch einen substanziellen Einblick in eine fremde Welt. Auch wenn die Motive teilweise klischiert wirken mögen – das zerzauste Kleinkind mit schmutzigen Kleidern, die alte Frau mit wildem Blick und Zigarette, die jungen Männer mit entblösstem Oberkörper im zerbeulten Sportwagen –, sind sie kleine fotografische Meister­werke. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.03.2009, 13:52 Uhr

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