Früheste Ansichten der Schweiz
Von Guido Kalberer. Aktualisiert am 08.01.2009
Die Ausstellung
Silberne Spiegel - Daguerreotypien von Girault de Prangey. Musée Gruérien, Bulle, bis 29. März.
www.musee-gruerien.ch
Die Bilder, die der französische Adlige in den Jahren zwischen 1845 und 1850 auf seinen Reisen durch die Schweiz gemacht hat, sind die ältesten Aufnahmen, die vom Jura und vom Berner Oberland, aber auch von den Städten Basel, Bern und Vevey erhalten sind.
Wer die übersichtliche Ausstellung «Silberne Spiegel» im Untergeschoss des nicht eben attraktiven Museumsbaus in Bulle besucht, wird von einer eigentümlichen Stille, ja Ehrfurcht erfasst. Das mag einerseits daran liegen, dass der erste fotografische Blick auf einen Ort diesen gleichsam erst erzeugt, andererseits daran, dass sich dem Betrachter kein Gegenüber zeigt, mit dem er Augenkontakt aufnehmen könnte.
Menschenleere Bilder
Fast keine Menschen sind auf den Bildern zu sehen, sondern meist stattliche Häuser und einsame Landschaften, dunkle Bergmassive und Stadtansichten – schweigende Materie. So bleibt der Besucher allein mit den 150 dazwischen liegenden Jahren und der Frage, wie die Menschen damals wohl gewesen sein mögen. Die mangelhafte technische Qualität der Bilder aus der Pionierzeit der Fotografie verlangt zudem eine hohe Konzentrationsfähigkeit: Die Konturen der Bilder verschwinden regelmässig an den Rändern.
Zusätzlich zu diesen neu entdeckten Fotografien werden in einem grösseren Raum bereits bekannte Daguerreotypien von Joseph-Philibert Girault de Prangey von seinen Forschungsreisen rund ums Mittelmeer gezeigt: In Athen und Istanbul, in Jerusalem und Kairo hat der unermüdlich Suchende antike Kunstwerke und Bauten aufgenommen, um sie später als Vorlagen für seine Lithografien und Aquarelle zu benutzen. Dem Maler war die von Louis Jacques Mandé Daguerre 1837 entwickelte Fototechnik mit versilberten Kupferplatten stets Mittel zum künstlerischen Zweck. So wird aus der Reise in die Schweiz des 19. Jahrhunderts auch eine Reise in die Geschichte der Fotografie. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.01.2009, 21:57 Uhr
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