«Geistige Offenheit ist ein Merkmal von uns»
Interview: Philippe Zweifel. Aktualisiert am 09.06.2011 11 Kommentare
International Radio Festival
Das erste Internationale Radio Festival feiert während sechs Tagen die globale Vielfalt der Musikradios und zeigt, welche Shows und Sounds in Metropolen wie London, Berlin, Nairobi, New York, Ibiza oder Shanghai zurzeit angesagt sind.
Über 20 renommierte FM-Sender, DAB- und Internet Radios nehmen am Festival teil. Einige der populärsten Radio-DJs und witzigsten Moderatoren werden nach Zürich eingeflogen, um ihre Radio-Shows authentisch in eigener Sprache zu präsentieren.
Das Festival sendet live aus dem Papiersaal Zürich (Sihlcity) und wird im Grossraum Zürich 24/7 über den hauseigenen FM-Sender (FM 88.2 MHz / FM 95.7 MHz), über Kabel, sowie das Internet übertragen.
Melchior Imboden: Innerschweizer Gesichter. Benteli Verlag. Herausgegeben von Peter von Matt und Rolf Sachsse. Mit Texten von den Herausgebern. 192 Seiten, 140 Abbildungen. ISBN 978-3-7165-1601-0.
Ausstellung vom 28. Mai bis zum 19. Juni in der Sust am Dorfplatz Stansstad.
Melchior Imboden wurde 1956 in Stans geboren. Studium an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern. Seit 1992
arbeitet er als freischaffender Grafiker und Fotograf. Besonders seine Plakate wurden vielfach international ausgezeichnet. Auch als Gastprofessor für Grafikdesign und Fotografie ist er weltweit an Hochschulen tätig. Unter anderem veröffentlichte er die Bücher «Nidwaldner Gesichter» und «Designer Portraits». Imboden lebt in Buochs in der Innerschweiz. (Bild: Ahn Sang-Soo)
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Herr Imboden, wieso haben Sie sich für Innerschweizer Gesichter entschieden – und nicht etwa für Walliser?
Weil ich selber ein Innerschweizer bin und bereits andere Projekte über Innerschweizer Menschen gemacht habe. Die Idee und erstes Material zum Buch hatte ich schon vor Jahren. Als sich dann noch Peter von Matt, auch ein Nidwaldner, dazugesellte, war der Fall klar.
Bärte, Pfeifen, Trachten: In Ihren Porträts schwingt eine Art ethnische Erkennbarkeit mit. Entspricht das der Realität, oder sind das bewusste Klischees?
Es ist eine Realität, die verschwindet. Früher war die Zentralschweiz abgeschottet, heute ziehen tiefe Steuern und die Autobahn zunehmend Auswärtige an. Das Urchige, die bärtigen Typen, die im Buch vorkommen, habe ich teilweise bereits vor 20 Jahren aufgenommen. Viele von ihnen sind inzwischen verstorben.
Trauern Sie dieser Zeit nach?
Natürlich ist es immer schade, wenn alte Bräuche verschwinden. Aber der Bildband bricht ja auch bewusst die Innerschweizer Klischees, indem etwa Bilder von Teenagern in modischen Kleidern oder Migrantinnen vorkommen. Mir ist es wichtig, dass man offen gegenüber Neuem ist. Gerade mit Ausländerfeindlichkeit habe ich grosse Mühe.
Ist die Ausländerfeindlichkeit nicht gerade in der Innerschweiz hoch? Oder ist das auch ein Klischee?
Zumindest in Nidwalden, wo ich wohne, habe ich dieses Gefühl nicht. Die Menschen sind hier vielleicht konservativer als in anderen Gegenden der Schweiz. Ich würde dennoch sagen, dass geistige Offenheit ein Merkmal von uns ist. Nidwalden brachte etwa aber schon immer viele Künstler hervor. Und unsere Älpler mögen wortkarg sein, sie sind allerdings auch direkt und schlagfertig. Das imponiert mir.
Wie haben Sie ihre Modelle ausgewählt?
Es ist eine subjektive Mischung. Viele habe ich vor langer Zeit zufällig getroffen. Zum Beispiel die Kinder, die im Buch vorkommen. Inzwischen sind sie erwachsen – ihre Namen für die Bildlegende herauszufinden, war gar nicht so einfach. Andere Porträtierte sind bekannte Leute, die ich bewusst ausgewählt habe. Ich bin aber auch an Trachten- oder Schwingerfeste und Älplerchilbis oder Landsgemeinden gegangen.
Im Bildband finden sich auffallend viele hübsche Frauen.
(lacht) Davon gibt es auch viele bei uns. Aber man hätte die Fotos natürlich auch anders auswählen können. Ich traf die Auswahl übrigens nicht allein, sondern mit meinem Herausgeber und ehemaligen Studenten.
Wie lange brauchen Sie für ein Porträt?
Das ist völlig unterschiedlich. Es kommt auf die Situation an, ob die Leute Zeit haben zum Beispiel. Bei Personen, die man nicht kennt, muss man auch zuerst Vertrauen herstellen.
Wie stellt man ein solches Vertrauen her?
Über ein Gespräch. Und natürlich hilft es, dass ich in der Region ziemlich bekannt bin.
Aber Sie haben sicher auch Absagen kassiert – gerade die Bergler stelle ich mir nicht als geborene Fotomodels vor.
Ja, das ist schon so. Aber wenn einer nicht will, respektiere ich das so. Vor allem ältere Frauen lassen sich nicht gerne porträtieren. Letztlich geht es aber, wie gesagt, um Vertrauen. Da war etwa einer, ein Wortkarger, den ich über die Jahre viele Male fotografiert habe. Irgendwann entwickelte sich so etwas wie eine Beziehung zwischen uns. Am Ende hatte er Freude an den Fotos, obwohl er das natürlich nicht zugeben würde.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.06.2011, 11:16 Uhr
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