Kritik am Kritiker
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 12.11.2010 6 Kommentare
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Vom 02.10. - 18.12. sind Werke von Ai Weiwei in der Galerie Urs Meile in Luzern ausgestellt.
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Ai Weiwei ist einer der bekanntesten Künstler Chinas. Am Freitag stellten ihn die Behörden in Peking unter Hausarrest. Er sollte so für eine Einladung bestraft werden; via Twitter hatte er zum Verspeisen von 10'000 Krebsen in sein Atelier in Schanghai geladen, um gegen dessen geplante Demolierung zu protestieren. Weil «Krebs» im chinesischen mit dem Wort «Zensur» verwandt ist, fühlten sich die Behörden provoziert.
Ai gilt als Kritiker der kommunistischen Führung. Die Zerstörung seines Ateliers musste er als Strafe für seine Aktionen, die Kunst und Kritik mischen, hinnehmen. So sammelte Ai die Namen tausender Kinder, die beim Erdbeben in Sichuan 2008 getötet wurden, viele davon wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen der Behörden. Bei einem Polizeiverhör wurde Ai daraufhin verprügelt. Dies und der Hausarrest hat im Westen für einen Aufschrei der Empörung gesorgt.
Kritik an Ai
Während andere Regimekritiker wie der eben mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Autor Liu Xiaobo im Gefängnis sitzen, wird Ai Weiwei nicht weggesperrt. «Ai weiss genau, wo die Provokationsgrenze liegt», sagt Li Zhenhua gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Der Multimediakünstler und Kurator, der sich gerade in der Schweiz aufhält, kennt Ai Weiwei persönlich und schätzt vor allem dessen frühere Arbeiten.
Trotzdem findet Li kritische Worte für die Lichtfigur der chinesischen Kunstszene: «Natürlich liegen Ai Reformen am Herzen, und das ist gut. Aber man kann nicht darüber hinweg sehen, dass seine Karriere als Künstler auch auf der westlichen Bewunderung für seine Provokationen beruht.» Laut Li bewegen sich diese Provokationen allerdings stets in einem gemässigten Rahmen. «Künstlerisch wagt sich Ai Weiwei nicht aus dem Fenster. Sonst wäre er mit Arbeitsverbot belegt worden – wie jüngst der Regisseur Lou Ye wegens seines kritischen Films ‹Summerpalace›».
Kritik an Ai übte kürzlich auch die Künstlerin Yu Gao. In ihrem Blog schrieb sie, dass Ai ein «künstlicher Gott» sei, der bei jeder Gelegenheit direkt auf 180 gehe und Öl ins Feuer giesse. Auslöser für ihre Rüge war eine von Ai Weiwei gestartete Demonstration gegen den Abriss eines Künstlerateliers in Peking. Statt friedlichem Dialog habe er damals eine Radikalisierung der Probleme bevorzugt, damit ihn die ausländischen Medien als Anführer einer Demokratie-Bewegung zum Schutz des Ateliers darstellen konnten.
Ais Einfluss
Während des Hausarrests, dessen Bilder um die Welt gingen, machte Ai einen höchst entspannten Eindruck, und inzwischen ist er wieder auf freiem Fuss. Laut Li kann sich Ai solche Auftritte leisten, weil er nicht der arme, schikanierte Künstler sei, als den ihn das Ausland gerne feiert. «Sein Vater war ein bekannter Poet – dadurch hat er gute Kontakte.» Inzwischen sei er ein wohlhabender und einflussreicher Mann, von dem viele chinesische Künstler abhängig seien. «Darin», so Li, «kann man durchaus eine gewisse Ironie zu Ais Forderungen nach Öffnung erkennen.» Li sieht denn auch keinen Zusammenhang zwischen Ais Hausarrest und dem Friedensnobelpreis für den inhaftierten Bürgerrechtler Liu Xiaobo: «Liu kämpft für die Demokratie. Ai Weiwei ist vor allem ‹anti›. Eine klare politische Richtung ist oft nicht erkennbar. »
Eine Parallele zwischen Liu Xiabo und Ai Weiwei sieht Li allerdings in ihrer Rezeption im Westen. Beide würden hier nicht nicht immer wegen ihrer Kunst, sondern auch aufgrund der politischen Äusserungen gefeiert. Will heissen: Die Kunstszene wird von der Politik beeinflusst. Das, so Li, sei gefährlich. Und erinnert ihn wohl an seine Heimat. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.11.2010, 13:32 Uhr
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6 Kommentare
@Reitter: Wer also Chinese ist und sich kritisch äussern will, soll auch gefälligst gefoltert und eingesperrt werden? Das teile ich nicht. Da ist es mir lieber, einer schafft es mit Mitteln der Post-Pop-Art, China zum Thema zu machen, als dass alle Unterdrückten still zuhause bleiben. Antworten
@müller: es stellt sich doch die frage weshalb er erfolgreich ist. wenn etwa ai weiwei sich als dissident aufspielt, dadurch aber eigentlich nur seine karriere als künstler boosten will, ist das schon fragwürdig. zumal andere chinesen wirklich ihren kopf hinhalten. Antworten
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