Kunst-Millionen für Knastis

165 Millionen US-Dollar erhält die New Yorker Kunstsammlerin und Philanthropin Agnes Gund für Roy Lichtensteins «Masterpiece». Der Erlös kommt Häftlingen zugute.

War 1963 Teil von Roy Lichtensteins erster Ausstellung: Das Bild «Masterpiece» von 1962 © 2017 ProLitteris, Zürich

War 1963 Teil von Roy Lichtensteins erster Ausstellung: Das Bild «Masterpiece» von 1962 © 2017 ProLitteris, Zürich

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Schon im Januar hatte man darüber gemunkelt, nun wurde es bestätigt: Die New Yorker Kunstsammlerin und Philanthropin Agnes Gund hat «Masterpiece» von Roy Lichtenstein für 165 Millionen US-Dollar (160 Millionen Schweizer Franken) verkauft. Dies berichtet die «New York Times». Das Bild von 1962 erzielte somit einen der höchsten Preise im Kunsthandel der vergangenen Jahre.

Gund hat das Gemälde für wohltätige Zwecke verkauft. Aus dem Erlös fliessen 100 Millionen US-Dollar in eine neue Stiftung, die sich der Reform des amerikanischen Justizsystems widmen wird. Ziel ist es, die hohe Anzahl von Häftlingen zu reduzieren und ehemaligen Insassen Ausbildungs- und Jobmöglichkeiten zu bieten. Dafür will Gund in den kommenden fünf Jahren weitere 100 Millionen Dollar sammeln. Erste New Yorker Mäzene sind offenbar bereits dem Aufruf der Philanthropin gefolgt.

Einer von drei Schwarzen landet im Gefängnis

Gunds Stiftung wird bereits bestehende Institutionen unterstützen. Etwa die Equal Justice Initiative, wo man sich über Gunds Engagement erfreut zeigt. Deren Gründer Bryan Stevenson sagte der «New York Times», das Thema Justizreform habe bisher unter Philanthropen keinen sehr hohen Stellenwert gehabt. «Aber die Armut in den USA ist sehr hoch; in vielen Communities scheint die Situation aussichtslos.» Es sei deshalb kein Wunder, dass die USA eine der höchsten Inhaftierungsraten der Welt hätten. Einer von drei männlichen Schwarzen, die heute in den USA zur Welt kämen, so Stevenson, lande im Verlauf seines Lebens im Gefängnis.

Agnes Gund mit dem Künstler Chuck Close.

Gund engagiert sich aus persönlichen Gründen. Sechs ihrer zwölf Grosskinder sind afroamerikanisch, Gund macht sich nach dem Schicksal von Trayvon Martin offenbar auch Sorgen um deren Zukunft. Die 78-Jährige stammt aus einer bedeutenden Bankiersfamilie. Sie studierte Geschichte und Kunstgeschichte, war Präsidentin des Museum of Modern Art in New York und besitzt eine Sammlung von rund 2000 Kunstwerken und Möbeln. Gund engagiert sich seit Jahrzehnten wohltätig für Ausbildung, Gleichstellung und Naturschutz. (kpn)

Erstellt: 12.06.2017, 12:04 Uhr

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