Kultur

Mona Lisas schöne Stiefschwester ist der heimliche Star

Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 03.02.2012 2 Kommentare

Madrids Kunstmuseum Prado meldet eine Sensation – aus Leonardo da Vincis Atelier. Von der berühmten Mona Lisa ist eine Kopie aufgetaucht.

Plötzlich ist die Schwester noch schöner: Das Original von da Vinci (links), die Kopie vor der Restauration (rechts) und die Kopie nach der Restauration (Mitte).

Plötzlich ist die Schwester noch schöner: Das Original von da Vinci (links), die Kopie vor der Restauration (rechts) und die Kopie nach der Restauration (Mitte).
Bild: Keystone / Reuters

Mona Lisas Schwester: Das Gemälde soll in Leonardos Werkstatt entstanden sein. (Video: Reuters )

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Jahrzehntelang hing sie unbeachtet und vor allem ungeachtet im Prado, als wär sie eine von vielen: eine Kopie wie Dutzende andere auch, eine Replik des wohl weltberühmtesten Gemäldes – irgendeine nachgemalte Mona Lisa eben. Sie schien nicht einmal sehr gelungen: Dunkel war sie, ohne Szenerie im Hintergrund.

Nun, nach zweijähriger Restauration und nach einigen erstaunlichen Erkenntnissen der Forscher, ist die Kopie plötzlich spannender als das Original, ja sogar noch schöner, frischer, klarer als die Wunderschöne im Pariser Louvre. Sie bewegt die Kunstwelt. Im Madrider Prado hängt nämlich eine Schwester, genauer: eine Stiefschwester von Mona Lisa. Gemalt hat die Replik des Werkes wohl nicht der Meister selbst, Leonardo da Vinci also, sondern einer seiner Lehrlinge. Vielleicht war es Francesco Melzi, dem man nachsagt, er sei da Vincis Liebhaber gewesen.

Identische Korrekturen

Das wollen die spanischen Experten daran erkannt haben, dass die Strichführung der Kopie nicht dieselbe Leichtigkeit aufweist wie jene des Maestros. Verblüffend aber schien ihnen, dass an der Kopie im Arbeitsprozess die exakt gleichen Korrekturen angebracht worden waren wie am Original. Sie nehmen darum an, dass «Mona Lisa» II. zur selben Zeit entstanden sein könnte wie «Mona Lisa» I., um 1505, im Atelier von Leonardo da Vinci in Florenz. Es könnte gar sein, dass der Lehrling parallel zum Meister malte, in Präsenz des Modells Lisa Gherardini, einer Schönheit der florentinischen Renaissance.

Für «El País» ist das nicht weniger als eine Bombe, eine Sensation eben – im Zufall geboren. Vor zwei Jahren fragte das Musée du Louvre den Prado an, ob es die Kopie ausstellen dürfe. Das veranlasste die Madrilenen erst, die Replik zu restaurieren und sie bei der Gelegenheit mal ernsthaft zu studieren. Da merkte man, dass der dunkle Hintergrund in Wahrheit eine Lackschicht war, die dieselbe Küstenlandschaft verdeckte, wie sie das Original hat.

Die Stiefschwester mit den Augenbrauen

Nach der Entfernung der Schicht leuchtet die Szenerie hinter der Mona Lisa des Prado nun hell und klar. Die gestochene Schärfe der Felsen kontrastiert merklich mit dem Sfumato des Originals, dieser Verwedelungstechnik Leonardo da Vincis. Und noch etwas zeigt der Vergleich: Die Stiefschwester mit der späten Prominenz hat richtige Augenbrauen, bei der wahren Mona Lisa aber sind sie nur angedeutet, es sind nur Schatten im Stil da Vincis.

Es ist wie beim Ratespiel «Finden Sie fünf Unterschiede». Und dieses Spiel wird nun bald den Besuchern des Louvre geboten. Ende März werden die Schwestern nämlich zusammengeführt – für drei Monate. Die Replik hätte neben dem Original nur eine Nebenrolle spielen sollen, wie sich das für eine Kopie ja auch gehört. Nun wird sie der heimliche Star der Ausstellung in Paris sein. Ist nicht auch ihr Lächeln etwas lieblicher? Eine Nuance? Oder da: Umspielt ihren Mund nicht eine jugendlichere Frische? Ein bisschen vielleicht? (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.02.2012, 11:40 Uhr

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2 Kommentare

Robert Passavant

03.02.2012, 12:38 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Die Schönheit der Paiserin liegt in ihrem schüchternen Stolz und in der Andeutung eines leidenschaftlichen Innenlebens. Die Spanierin ist direkter, weniger spannend, dafür erotischer und leicht schalkhaft. Beide beherrschen die Kunst des Verführens auf ihre je eigene Art und Weise. Faszinierend! Antworten


Matthias Meier

03.02.2012, 13:00 Uhr
Melden

Für mich hat das Original eine viel positivere und wärmere Ausstrahlung. Antworten




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