Nackt im Sektglas gezeichnet

Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 05.10.2009

Eine deutsche Grafikerin zeichnet ihre Twitter-Follower. Was als Spass begann, hat sich inzwischen zum grossen Kunst-Projekt entwickelt.

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Die Zeichnungen Aichbergers sind alle nummeriert und sind mit einem kleinen Kommentar versehen, den wir hier wiedergeben: #immf 200 widme ich @Paradiesvogel und ihrer genialen Biografie-Zeile!

   

Das Projekt trägt den geheimnisvollen Namen «immf» und dahinter steht nicht minder geheimnisvoll @frauenfuss. Doch übersetzt man das Ganze von Twitter-Kürzestsprache in normales Hochdeutsch, klärt sich die Sache rasch auf. «Immf» heisst nichts anderes als «Ich male meine Follower». Und genau das tut die Künstlerin und Grafikerin Michaela von Aichberger, deren Twittername eben @frauenfuss lautet.

Es begann am 10. Juli 2009. Aichberger war schon mehrere Monate bei Twitter, vom Nutzen des Kurznachrichtendienstes aber noch wenig überzeugt – vielleicht weil ihr Medium, wie sie von sich selbst sagt, weniger der Text als das Bild ist. An diesem zehnten Juli aber regte sie ein bestimmter Twitter-Nutzer namens Häkelschwein dazu an, einen Stift zur Hand zu nehmen und den Nutzer, den sie noch nie gesehen hatte, in einer schnell hingeworfenen Skizze zu zeichnen. Dann veröffentlichte sie das Bild auf Twitter. Und «immf» war geboren.

Denn das Echo auf das Bild war riesig, weshalb Aichberger immer mehr ihrer Follower zu zeichnen begann. Als Inspiration dienen ihr die höchstens 140 Zeichen umfassenden Tweets ihrer Follower, Kleinsttexte in SMS-Länge, auf deren Basis sie ein Bild der dahinter steckenden Menschen entwirft.

Aufträge dank Tweeten

Mit Erfolg. In kürzester Zeit verbreitete sich die Nachricht über «immf» auf Twitter und die Zahl von Aichbergs Followers explodierte innerhalb von drei Monaten von 110 auf 3500. Alle wollten von Aichberger gezeichnet werden. Etwa zweihundert hat die Grafikerin bis heute verewigt, etwa drei schafft sie pro Tag, meint sie, zumal sie ihre Brötchen als Grafikerin im Büro verdient und «immf» nur nebenher betreibt. Es sind kurze, charmante Skizzen, schnell wie der Twitter selbst – aber deutlich langlebiger. Darunter befindet sich beispielsweise auch der Zürcher Verlag «Kein&Aber».

Zunächst habe ihr der Büropartner das Tweeten am Arbeitsplatz verbieten wollen, aber inzwischen profitiert auch das Grafik-Geschäft von Aichbergers Hobby. Sie erhält Anfragen, um Logos, Firmendesigns oder Buchillustrationen zu entwerfen, ihre Zeichnungen sollen als Buch herauskommen, Ausstellung stehen ebenfalls auf dem Programm. Und Aichberger will weitermachen, so lange sie Zuspruch erhält. Das könnte noch eine Weile dauern. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.10.2009, 14:48 Uhr

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