Prominente zeigen ihre andere Seite

Ein Bildband versammelt Porträts des Fotografen Oliver Mark. Sie sind raffiniert inszeniert und erzählen persönliche Geschichten ihrer Protagonisten.

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Heute werden so viele Bilder gemacht wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Alle knipsen überall. Klick, klick, klick. Aber lösen diese Fotografen wirklich (etwas) aus? Bin ich bereit, einzutauchen in ihr Bild, oder blättere ich nur gelangweilt im Fotoband? Habe ich mir vorher die Hände gewaschen? Bin ich aufmerksam und interessiert? Bei Oliver Mark schon.

Er schafft es, die Elektrizität des Augenblicks im Bild festzuhalten. Zu seinen Talenten gehört die Sensibilität für jene Schwingungen, mit denen sich eine Persönlichkeit stabilisiert. Wenn er zum Beispiel einen Getränkewagen ins Bild schiebt oder probehalber auf das Dach eines Vaporetto steigt, wenn die Sphäre des Fotos sich konstituiert, dann passiert etwas mit den Fotografierten – sie tasten nach einer Balance. Und nun offenbaren sie sich: Da sind die Schönen mit der bezeichnenden Pose, die harten Männer, die sich an ihrem Technospielzeug festhalten, die Künstler, die sich an ihr Werk anlehnen.

Erstaunliche Nähe zur Person

Oliver Mark, 1963 in Gelsenkirchen geboren, hat in den letzten 15 Jahren unzählige Schauspieler, Künstler, Musiker, Politiker, Sportler und andere Persönlichkeiten mit der Kamera festgehalten – für Zeitschriften und Magazine wie «Time Magazine», «Architectural Digest», «Vogue» oder das «Zeit-Magazin». Seine Bilder sind zum Teil stark inszeniert, und dennoch gelingt ihm eine erstaunliche Nähe zur Person.

Als Kind einen Buddha verschluckt

Dabei hat er eine Schwäche für allegorische Szenen – und für gespenstische Komik. So steht Theaterintendant Claus Peymann in seinem Garten in Berlin-Pankow als grotesker König Ubu roi mit einer Pappkrone auf dem Kopf und dem derangierten Gestus eines Napoleon. Oder der lange Zeit glücklose Christoph Daum, der mit nacktem Oberkörper bei trübem Himmel bis zur Brust im Wasser steckt und uns verletzt und trotzig fixiert. Bilder, die einem im Kopf bleiben. Wie schafft Oliver Mark das?

«Mit einem ruhigen Wesen und mildem Lächeln», sagt der Redaktionsleiter des «Zeit-Magazins», Christoph Amend, der Oliver Mark gut kennt. In seinem Begleittext schreibt Amend: «Manchmal denke ich, dass Oliver Mark in seiner Kindheit einen Buddha verschluckt hat.» (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 27.01.2010, 14:51 Uhr)

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