Kultur

Psychedelisches Minarett: Behörden dagegen, Imam dafür

Ein Hamburger Künstler will ein Minarett bemalen - die islamische Gemeinde ist begeistert - die Behörden und die Öffentlichkeit allerdings weniger.

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So soll die Centrumsmoschee in Hamburg dereinst aussehen.

   

Kunst und Religion waren sich schon immer Freund. Doch dass ein Künstler zwei Minarette mit psychedelischer westlicher Kunst verschönert, scheint doch aussergewöhnlich. So geschieht es derzeit in der Hamburger Centrum-Moschee. Im Rahmen eines künstlerischen Projektes mit dem Ziel, das Umfeld in den Strassen von St. Georg aufzuwerten fiel dem Künstler auf, dass der nördliche Turm der Moschee einen ziemlich schäbigen Eindruck machte: voller Risse und grauer Flecken, wie von einem Pilz befallen. Burchhardt beschloss also, das Minarett mit Farbe zu bemalen und stiess damit bei der Moschee-Gemeinschaft auf grossen Zuspruch. Insbesondere der Imam Ramazan Ucar fand Gefallen an der Idee, die Minarette künstlerisch aufzuladen. Seine Begeisterung entflammte erst richtig, als er in der Präsentationsmappe des Künstlers eine Arbeit mit einem grün-weissen Sechseckmuster entdeckte. Burchhardt, so beschloss der Imam, solle am liebsten gleich beide Türme so bemalen.

Was für westliche Augen reichlich psychedelisch wirkt, identifizierte der Imam als eine dem Islam wohlbekannte Bildsprache. Das Sechseck ist eine beliebte Form in der islamischen Kunst, das Grün sei zudem die heilige Farbe des Propheten Mohammed. Aber auch in anderer Hinsicht konnte sich der Imam mit Farbe und Muster identifizieren: Die Form erinnere an Honigwaben und somit daran, dass in der Moschee Honig und kein Hass gepredigt werde. Und nicht zuletzt sind Grün und Weiss zufälligerweise auch die Farben vom Lieblings-Fussballclub des Imams in Anatolien.

Dass die Gemeinde ihr Wahrzeichen derart dem künstlerischen Spiel überlassen würde, damit hatte auch der Künstler, selber Halbtürke, nicht gerechnet. Komplizierter war es da schon, die Bewilligung der Stadt zu bekommen, die sich zunächst dagegen aussprach. Erst nachdem der Künstler und der Imam zusammenspannten, gegen die öffentliche Kritik antraten und zahlreiche Genehmigungen und Gutachten eingeholt haben, sollen die Minarette nun Anfang August per Schwertransporter in eine Werft gebracht und dort vom Künstler und einigen Gemeindemitgliedern beschichtet werden.

Bezahlt wird das ganze übrigens von der Glaubensgemeinschaft. (mcb)

Erstellt: 25.06.2009, 14:36 Uhr

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