Kultur

Starfotografin muss ihr Lebenswerk verpfänden

Die Schuldenspirale zieht immer häufi­ger auch die Prominenz mit in die Tiefe. Annie Leibovitz, die verehrte Fotografin von Rockmusikern, Film­stars und Politikern, hat es bös erwischt.

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Vor ihrem berühmten Bild mit der schwangeren Schauspielerin Demi Moore (1991): Annie Leibovitz im Juni 2009 bei einer Ausstellungseröffnung in Madrid.
Bild: Keystone

   

Ausstellung

Annie Leibovitz. A Photographer’s Life. 1990 - 2005, c/o Berlin, bis 24.05.09
www.co-berlin.info

Leibowitz hat ihr gesamtes Lebenswerk verpfändet, und zwar nicht nur die ausgeführten Arbeiten, sondern auch alle künftigen Projekte. Eine zu teure Hausrenovation, Schulden für Studio­ausrüstungen und Hilfspersonal, Steuerversäumnisse – Leibovitz lebte den amerikanischen Albtraum.

Gerüchte um finanzielle Probleme der Fotografin hatten im letzten Herbst zu kursieren begonnen, nach­dem sie bei einem auf Kunst speziali­sierten Pfandhaus ein Darlehen von fünf Millionen Dollar aufgenommen hatte. Was zunächst unklar blieb, war die Art des hinterlegten Pfandes. Vor kurzem stockte Leibo­vitz das Darlehen auf 10,5 Millionen Dollar auf – und die «New York Times» fand heraus, was sie dafür als Sicherheit hinterlegte. Zwei Stadthäuser im Greenwich Village sowie einen Landsitz un­weit New Yorks am Hudson River; und darüber hinaus die Rechte an sämtlichen Fotografien.

Leicht an­stössige, traumartige Fotos

Diese Rechte reichen zurück in die Frühzeiten des Musikmagazins «Rolling Stone», bei dem An­nie Leibowitz ab 1973 zehn Jahre lang Chef-Foto­grafin war. Ihre intimen, provokativen, ins Letzte inszenierten Bilder prägten das Image des Magazins zu einem erhebli­chen Teil. Der grösste Coup gelang ihr im Dezember 1980. Sie sollte ein Foto von John Lennon für die Frontseite liefern; doch auch Yoko Ono war zu­gegen; und so kam es zu einem Bild des Paares, das in seiner Offenheit schockierte. Der nackte Lennon kuschelt sich an die unbeteiligt daliegende Ehefrau; ein perfektes Bild einer schwierigen Beziehung. Nur fünf Stunden nach der Aufnahme wurde Lennon vor seinem Haus in Manhattan erschossen.

Seit 25 Jahren ist Leibowitz zudem die Hof­fotografin des Hochglanzmagazins «Vanity Fair». Ihre zunehmend pompösen, oft leicht an­stössigen und traumartigen Fotos aus der Welt der Schönen, Reichen und Möchtegerne sorgten zu­nehmend für kontroverse Reaktionen. So setzte sie das erst 15-jährige Popsternchen Miley Cyrus halbnackt in Szene. Und sie machte eine Reihe von Aufnahmen ihrer todkranken Freundin öffentlich, der Schriftstellerin Susan Sontag. Ihre letzte grosse, im Januar ausgeführte Auftragsarbeit zeigt eine Serie von Disney-Märchenfiguren, darge­stellt von Prominenten wie Scarlett Johansson (als Aschenbrödel), Rachel Weisz (als Schneewitt­chen) und Roger Federer (als König Arthur).

Unbezahlte Rechnungen

In die Schuldenspirale war sie in klassischer Art durch eine Serie unbezahlter Rechnungen geraten. Nach einer Steuernachforderung von 1,4 Millionen Dollar setzte es Klagen von über 500'000 Dollar von Makeup-Künstlern ab, dann verlangte ein Kameraverleih 220'000 Dollar we­gen unbezahlter Mietverträge. Hinzu kamen auf­wendige Renovationen an einem der Stadthäuser in New York. Auch ihre Haushaltrechnung stieg: Als 51-Jährige brachte sie 2001 ihr erstes Kind zur Welt; zwei weitere Kinder liess sie vor drei Jah­ren von Leihmüttern austragen.

Ihr Einkommen von geschätzten zwei Millionen Dollar im Jahr ist damit offenbar überfordert. Für das Pfandhaus ist die Not der Fotografin ein gutes Geschäft. In der Regel werden die Werke der Künstler mit höchs­tens 40 Prozent des geschätzten Wertes belehnt. «Wir sind geehrt, sie als Kundin zu haben», sagte der Chef des Pfandhauses Art Capital, Ian Peck. «Wir sind wohl die Einzigen, die ihr Lebenswerk echt schätzen können.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.02.2009, 11:26 Uhr

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5 Kommentare

Sabine Felderhoff

16.02.2010, 15:28 Uhr
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Annie Leibowitz hat stets hart gearbeitet für das was sie sich verdient hat. Und dabei wurde sie zum Kultstar der Fotoszene. Mit 51 noch Mutter zu werden bedeutet Ausnahmezustand. Und doch hat sie weitergearbeitet, welch ein Kraftakt. Davon, mit Verlaub gesagt - kennen die Herren die hier so sarkastisch ablästern wohl nichts. Wie häßlich und oberflächlich! Und die Hintergründe sind eh unbekannt. Antworten


Werner Schmidt

27.02.2009, 15:58 Uhr
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Frau Leibowitz hat wenigstens die Chance, mit ihrem Vermögen und ihrer künftigen Arbeit die Schulden zu bezahlen. Und sie wird bestimmt nicht verhungern. Es gibt in Amerika auch Menschen, denen es schlechter geht. Antworten


Michael Sold

26.02.2009, 21:26 Uhr
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Wer gut fotografieren kann, muss ja noch lange nicht mit Geld umgehen können. Ich hoffe aber nur dass die Schreiber Berger und Stahl nie in eine Geldnot kommen oder allenfalls auf das RAV zurückgreifen müssen. Ob der Tagesanzeiger die ganze Wahrheit kennt, wissen wir auch nicht. Der Amerikanische Traum funktioniert anders, und anscheinend lässt ihn Obama leider wieder im Schuldenberg aufblühen Antworten


Karl Berger

26.02.2009, 13:05 Uhr
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Tolle Mutter, hinterlässt ihren geliehenen Kindern nichts als Schulden. Antworten


Christoph Stahl

26.02.2009, 12:56 Uhr
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ich schlage eine Topfkollekte vor. Ich verstehe nicht, weshalb irgend jemand diese Dame bedauern sollte. Sie hat sich schlichtwegs übernommen - the American Reality! Antworten



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