Kultur

Tate Gallery entfernt nacktes Kindheitsbild von Brooke Shields

Das Foto sorgt seit Tagen für Aufregung: Der Akt der 10-jährigen Brooke Shields im Museum Tate Modern in London. Nach einem Polizeibesuch wurde das Foto entfernt, einen Tag vor Ausstellungseröffnung.

Pädophilie-Vorwurf: Ausschnitt des Aktbilds des Mädchens Brooke Shields von Gary Gross. In der Tate Modern hätte allerdings ein farblich verzerrte Kopie des Künstlers Richard Prince gezeigt werden sollen.

Pädophilie-Vorwurf: Ausschnitt des Aktbilds des Mädchens Brooke Shields von Gary Gross. In der Tate Modern hätte allerdings ein farblich verzerrte Kopie des Künstlers Richard Prince gezeigt werden sollen.

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Das kleinformatige Bild hing in einem dunklen Raum. Gemäss Schilderungen von Journalisten, die die Ausstellung vorab besuchten, musste man dem Foto ziemlich nahe treten, um zu erkennen, was wirklich drauf war. Da war ein Mädchen in anzüglicher Pose, oben ohne, nur der Körper verriet, dass es sich dabei nicht um eine Frau handelt.

Das abgebildete Mädchen ist die Schauspielerin Brooke Shields, die im Alter von 10 Jahren vom Fotografen Gary Gross abgelichtet wurde. Das Besondere daran: Die Bilder entstanden auf Wunsch von Shields' Mutter, die ihre Tochter in den siebziger und achtziger Jahren als Kino-Lolita vermarktete.

Rückzug nach Polizeiwarnung

Die Tate Modern wollte im Rahmen der Ausstellung «Pop Life: Art in A Material World» nicht das Original von Gary Gross zeigen, sondern eine Kopie des amerikanischen Malers und Fotografen Richard Prince. Vor dem Raum mit dem umstrittenen Bild von Brooke Shields wäre ein Warnschild angebracht gewesen. Die Zuschauer werden das Bild allerdings nicht zu sehen bekommen. Die Polizei warnte das Museum vor Ausstellungseröffnung, dass das Bild möglicherweise gegen Obszönitätsgesetze verstossen könnte, wie der «Guardian» berichtet. Das Foto wurde nun – zumindest vorübergehend – entfernt, der Ausstellungskatalog zurückgezogen.

Der Rückzug ist auch im Sinne von Brooke Shields: Die mittlerweile 44-jährige Schauspielerin hat in der Vergangenheit vergeblich versucht, die Rechte an den Fotos vor Gericht einzuklagen.

Pädophilie und Kunst ist ein häufiges Streitthema. Als im Fotomuseum Winterthur die Ausstellung «Darkside I» über die Sexualität in der Fotografie gezeigt wurde, sagte Musumsdirektor Urs Stahel gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Interessanterweise gibt es Bilder, die man vor 20 Jahren problemlos zeigen konnte, heute nicht mehr. Was nur im Entferntesten den Verdacht von Pädophilie wecken könnte, ist Tabu – selbst wenn das vom Photographen nie gemeint war.» (rb)

Erstellt: 01.10.2009, 10:21 Uhr

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