Kultur

Wenn die Pixel-Alpen locken

Von Linus Schöpfer. Aktualisiert am 21.10.2011 6 Kommentare

Mit einem Simulationsspiel will eine Zürcher Softwarefirma die alpinen Sehnsüchte der Deutschen bewirtschaften. Unterstützung erhält sie von Schweiz Tourismus.

1/7 Schweizer Bergidylle in Reinkultur: Der «Skiregion-Simulator 2012» ist seit heute erhältlich.
Bild: Giants Software

   

«Skiregion-Simulator 2012», 25 Franken, Entwickler: Giants Software, Publisher: Astragon. Für Windows 7, Vista und XP. (Bild: Skiregion-simulator.com)

Trailer zum «Skiregion-Simulator 2012»

Offizielle Game-Webseite

www.skiregion-simulator.com

Giants Software

Giants Software wurde 2004 von den Informatikstudenten Christian Ammann und Stefan Geiger gegründet. Das in Zürich-Schlieren beheimatete Software-Unternehmen beschäftigt heute 10 Angestellte und zahlreiche Freelancer. Unbestrittener Giants-Software-Kassenschlager ist der «Landwirtschaftssimulator», der bisher rund 1,5 Millionen Mal verkauft wurde. Das Spiel, das die Arbeit eines Grossbauern simuliert, verfügt über eine imposante Anhängerschaft, zumal in Deutschland, aber auch in England und Osteuropa. Dies nicht zuletzt der Partizipationsmöglichkeiten wegen: Die User können anhand des Editors, den die Programmierer mitliefern, eigene Vehikel und Gerätschaften erstellen.

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Die Sonne steht hoch am Himmel, ein Pistenfahrzeug rattert über den Schnee, Chalet reiht sich an Chalet, mit eleganten Schwüngen ziehen die Skifahrer vorbei. Überragt wird die malerische Szenerie vom Matterhorn – mit dem «Skiregion-Simulator 2012» werden kühnste Tourismusträume Virtualität. «Die Game-Landschaft ist ein Kondensat der Schweiz. Vermutlich hat bis dato noch kein anderes Spiel so viel Swissness transportiert wie unser Simulator», sagt Art Director Thomas Frey stolz.

Deutsche Gamer als primäre Zielgruppe

Seit heute Morgen steht der «Skiregion-Simulator 2012» in den Regalen, er ist das neuste Produkt von Giants Software, der erfolgreichsten Schweizer Computerspiel-Firma (siehe Box). Der Spieler übernimmt als Multitasker das Winter-Resort Stutzmatt; er baut Gastrobetriebe und steuert Seilbahnen, bringt Schneekanonen in Stellung und präpariert die Pisten. Wie schon beim Kassenschlager «Landwirtschaftssimulator» setzen die Zürcher Spielemacher auf den Gemütlichkeits-Gamer: Konkurrenz gibts keine, ungestört erfreut sich der Spieler am kontinuierlich wachsenden eigenen Werk. Und sollte, schlimmstenfalls, mal ein Skifahrer verunfallen, so ist der Rettungshelikopter rasch zur Stelle. Kollisionen mit den Pistenfahrzeugen und Schneekanonen des Spielers sind gänzlich unmöglich, stattdessen gleiten die Freizeitsportler geisterhaft durch das Hindernis hindurch. «Wir suggerieren eine heile Welt», sagt Frey.

Involviert in diese paradiesische Pixel-Alpenwelt ist die Organisation Schweiz Tourismus, die im Game mit riesigen Edelweiss-Ballonen und diversen Werbeplakaten präsent ist; auf der Spielverpackung prangt ihr Logo. «Es handelt sich um ein Pilotprojekt, das uns Aufschlüsse geben soll über das Potenzial virtueller Vermarktung», sagt Rafael Enzler, Marketingleiter der Tourismus-Institution.

Sowohl Giants Software als auch Schweiz Tourismus haben die deutschen Gamer als primäre Zielgruppe ausgemacht – deren alpine Sehnsüchte sollen nun (re)aktiviert und bewirtschaftet werden. Jeder fünfte Tourist in der Schweiz sei Deutscher, betont Enzler die Wichtigkeit des deutschen Markts. «Die Schweizer Alpen sind international sehr bekannt», erklärt Frey. Die Deutschen seien zwar eine Skifahrernation, verfügten aber selbst nur über bescheidene Skigebiete. «Und jeder, der schon einmal die Schönheit der Schweizer Berge erleben durfte, kann die Attraktivität unserer Alpen nachvollziehen», sagt Frey.

Gute Chancen

Die Chancen, dass der «Skiregion-Simulator» im lukrativen deutschen Markt reüssieren kann, stehen gut. Denn mit dem «Landwirtschaftssimulator» haben sich die Zürcher von Giants Software beim nördlichen Nachbarn bereits einen Namen gemacht; ausserdem verfügen sie mit Astragon, einem in Mönchengladbach domizilierten Software-Unternehmen, über einen potenten und gut vernetzten Vertreiber.

Tourismus-Mann Rafael Enzler will nun die Reaktion der Gamer-Gemeinschaft abwarten. Sollte sich das Pilotprojekt bewähren, werde eine Ausweitung des virtuellen Engagements erwogen. Denkbar sei etwa, in Neuauflagen des «Skiregion-Simulators» grossflächige Videobildschirme installieren und das Resort mit Dauerwerbespots berieseln zu lassen – und mit jedem vorbeizischenden virtuellen Skifahrer den realen Spieler gleich mit. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.10.2011, 11:09 Uhr

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6 Kommentare

Michael Krüger

21.10.2011, 12:29 Uhr
Melden 12 Empfehlung

Ganz nett, aber die Realität ist stärker als virtuelle Lockmittel: in Deutschland sind die anti-deutschen Reflexe in der Schweiz mittlerweile bestens bekannt; warum also sein Feriengeld ausgerechnet noch dort ausgeben? Antworten


Maya Hächler

21.10.2011, 11:48 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Diese Kunstwelt würde mich jedenfalls nicht locken... Nie würde ich Ferien machen in einer Gamewelt.Ich kenne viele Deutsche, die entsetzt sind über diese Verkaufsstrategien. Immer wieder höre ich: "Was macht ihr bloss aus eurer schönen Schweiz?" Antworten




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