Kultur

Nackte Frau im Landratssaal bewegt Davos

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 04.12.2008

Thomas Hirschhorn sorgt einmal mehr für Aufregung. Davos hat eine Collage des Skandalkünstlers zum Thema Gewalt und Pornographie gekauft und im Landratssaal aufgehängt. Politiker fordern die Entfernung.

Thomas Hirschhorn bei der Enthüllung seiner Collageserie «Because, Because» im Landratssaal Davos. (Foto: ZVG)

Thomas Hirschhorn bei der Enthüllung seiner Collageserie «Because, Because» im Landratssaal Davos. (Foto: ZVG)

Die Dame am Telefon bei der Gemeinde Davos lacht verschämt: «Sie wollen etwas zum Hirschhorn-Werk wissen? Ja, das ist... was soll ich sagen... gewöhnungsbedürftig.» Die vierteilige Collage «Because, Because» ist zurzeit das grosse Gesprächsthema in der Stadt. Das Werk besteht aus Schnipseln aus Porno-Magazinen, Bildern zerfetzter Körperteile und Anti-Nazi-Klebern. Wie oft bei Hirschhorn, ist das Werk mit einfachsten Mitteln geschaffen, viel mehr als Papier und Klebstoff braucht er nicht für seine Kunst. Hirschhorn ist in Davos geboren und aufgewachsen, dies war auch der Hauptgrund für die Anschaffung.

Dass «Because, Because» nicht nur auf Gegenliebe stossen würde, war absehbar. Landammann Peter Michel steht aber voll hinter Hirschhorn. «Wenn die Parlamentarier hier tagen und Worte des Guten aussprechen, ist es nicht schlecht, wenn sie hin und wieder auf die Bilder hier an der Wand schauen», sagte er bei der Enthüllung des Werks am Dienstag. Die anwesenden Gäste waren skeptisch. Die Südostschweiz schreibt, dass folgende Frage hinter vorgehaltener Hand nicht eben selten zu hören gewesen sei: «Wie lange der Landrat das Werk des Herrn Hirschhorn wohl an der Wand hängen lässt?»

Eigentlich ist vorgesehen, das Werk langfristig im Landratssaal zu belassen. Der Stadtschreiber, Michael Straub, ist skeptisch: «Einige Landräte haben signalisiert, dass sie nochmals über den Standort reden wollen». Aber wohin mit dem Werk? Straub meint, dass es schwierig sein wird, einen alternativen Standort zu finden. «Im Kongresszentrum will man es nicht, in einem Spital, Pflegeheim oder einer Schule geht auch nicht, schliesslich hat es abgerissene Körperteile, Schlagringe und vieles mehr drauf.» Wohl Stellvertretend für viele Davoser meint er zudem: «Unsereins versteht diese Art von Kunst nicht so ganz.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.12.2008, 13:52 Uhr


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