«Best of 80ies»: Ohne Alkohol nicht auszuhalten?
Von Philippe Zweifel, Mauro Guarise. Aktualisiert am 17.03.2009 23 Kommentare
Für den einen war es eine Nacht voller Magie für den andern pfui Teufel. Die beiden Kulturredaktoren Mauro Guarise und Philippe Zweifel waren gemeinsam am Konzert im Hallenstadion - und erlebten es völlig anders. Ihr Bericht:
Neonfarbene Skilagererinnerungen Schon das erste Lied ein Knaller: «I Just Died in Your Arms Tonight» von Cutting Crew, jener Band die damals für so manches Flaschenspiel den Soundtrack lieferte. Gut, die zwei nächsten Songs kannte niemand – trotzdem war Kollege Guarises Spott völlig fehl am Platz. Denn bereits fieberte die Menge dem nächsten Auftritt entgegen: T’Pau. Frontfrau Carol Decker, im Gedächtnis als zerbrechliches, überschminktes Huscheli abgelegt, entpuppte sich als robuste, frivole Engländerin. Stimmgewaltig schmetterte sie ihren Hit «China in your Hand» ins Publikum und bescherte mir eine späte Epiphanie: Mit «China» ist nicht das Land, sondern Porzellan gemeint. Dann Nik Kershaw (Hits: «Wouldn’t it Be Good» und «Won’t Let the Sun Go Down»). Der Beau hatte vor 25 Jahren 100 Frauen pro Monat und einen eigenen «Bravo»-Starschnitt. Kurz, ein Hassobjekt. Doch Zeit heilt alle Wunden. Nik, inzwischen ergraut und des Gitarrenspiels mächtig, hat sich zum Sympathieträger gemausert. Oder ist Misserfolg grundsätzlich sympathisch? Überhaupt stand der Abend unter einem attitüdefreiem Stern. Angenehm auch das Publikum, keine Föhnfrisuren, kein Geschmacksterror in Pink, es zählte nur die Musik. Als nächstes war Paul Young dran. Sein Anblick war für arglose Nostalgiker wie mich starker Tobak: Einst gefeierter Duett-Partner von Zucchero («Senza Una Donna») tut er sich heute offenbar lieber mit Whiskeyflaschen zusammen. Aufgedunsen und mit dünner Stimme torkelte er über die Bretter. Hier hätten die Veranstalter besser auf Paul Hardcastle («19») oder – hey, warum nicht? – auf Modern Talking gesetzt. Item. Der Magie der Nacht tat dies keinen Abbruch. Zumal mit Rick Astley bereits der nächste Act aufmarschierte. Vielleicht weil die 80er-Jahre auch das Jahrzehnt der klaren Verhältnisse waren, erstrahlte nach Astleys selbstironischem Kurzauftritt sofort das Putzlicht. Keine Zugabe, kein Protest, es ging halt – der Zeitgeist der 80er liess grüssen – um nichts. Und ich dachte: Dieses Gefühl war damals noch besser als die Musik. |
Wie peinlich! «Vorne auf der Bühne» ist übrigens masslos übertrieben. Die Halle war nicht mal halb gefüllt, und die Bühne begann sozusagen direkt hinter den Ticketkontrolleuren. Kollege Zweifel machte sich darob beinahe wieder in die Hosen, während ich der Hölle des Menschlichen nie so nahe war. Was sich vor unsern Augen abspielte, war eine traurige 80er-Freakshow: Cutting Crew, T’Pau, Kid Creole: Alles C-Stars, die selbst vor 25 Jahren nur kurz interessierten. Schlecht gekleidete Menschen mit Gesangsproblemen, die nur von ihren Geldnöten übertroffen werden. Den Beginn des zweiten Teils habe ich leider auch verpasst. Ich war hinter der Bühne und besoff mich gerade fürchterlich mit Paul Young, als der ärgerlicherweise auf die Bühne gerufen wurde. Ah, Paul Young, der weisse Soulsänger! Nun gut, heute sieht er eher aus wie eine solariumgeschädigte Mischung aus Paul McCartney und Peter Kraus. Und so wie der singt, muss man verstehen, dass er sich nur noch blau auf die Bühne wagt. Richtig weiss, also bleich und glänzend im Gesicht, ist immer noch Rick Astley. Ebenso käsig waren seine schlüpfrigen Witze und unbeholfenen Einladungen an die Frauen am Bühnenrand ins «weisse Hotel am See». Man stellt ihn sich vor, wie er mit seinem Grinsen durch die Lobby geht, in verzweifelter Erwartung, dass ihn jemand erkennt und anspricht. Jessas, ist das traurig. Der einzige, der überzeugte war Nik Kershaw. Nur spielte der bereits früh am Abend, und im Wissen was da noch kommt, fiel ihm an seinem eigenen Konzert nur eines ein: Gähnen. |
Erstellt: 17.03.2009, 09:54 Uhr
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23 Kommentare
Ich finde es nicht ganz korrekt, so über die damaligen Stars in der Popmusik herzuziehen. Vor allem Rick Astley hat nach seiner aktiven Zeit die Öffentlichkeit gescheut. Er hat sein Geld vernünftig investiert und ist eigentlich nie durch irgendwelche Medienwirksamen Aufritte aufgefallen. Antworten
In den 80ern wurde ich zum Musikfreak, denn mir graute vor der Popmusik, die in d. 80ern nach der N. Deutschen Welle endgültig ihre Unschuld verlor. Damals waren Ozonloch und spät. Tschernobyl Themen, doch die Popmusik verlor sich in ödem chemical Chic, der die grässlichste Bekleidungsmode hervorbrachte. Selbst Künstler wie Tears F.Fears oder Style Council bliesen ins gleiche Horn. I Love Prince! Antworten
Hallo Zusammen Ich kann den einzelnen Komentaren zustimmen. Wir waren als Gruppe dort. Dank dieser haben wir wenigstens eine gute Stimmung gehabt. Leider war Boy George verhindert :-). Aber auch er hätte die Stimmung nicht aus dieser Tiefe reissen können. Das schlimmste war aber Rick Astley. Er kam sehr arogant rüber. Mein Motto ist : "Do you really want to hurt me..." Antworten
Sind wir doch ehrlich - wie alt sind diese Stars heute? 200? 300? Jedes Mal wenn Paul 1 Bewegung machte, dachte ich, dass er 1 Beckenbruch erleiden wird... Den Alkohol konnte man ja bis an den Eingang riechen... Und wenn ich Rick sah, so hatte ich das Gefühl, der wurde als Kind von den anderen Kindern gehänselt... Nun ja, Kylie ist halt geiler... Motto vom Abend: Do you really want to hurt me?!!! Antworten
Liebe Mitschreiber, es ging doch gar nicht nur ausschliesslich um die Musik; die übrigens ganz ok war; sondern sich zusammen mit seinem Mausi in die Zeit zurück zu katapultieren. War ein cooler Abend und wer sagt dass die Bands überaltert und vorbei seien - na ja dann seid ihr wirklich musikalische Nullnummer - bitte nehmt dann mal U2, Michael Jackson oder Jagger von der Bühne. Antworten
Meine Frau und ich fanden den Abend nur schlimm ! So eine schlechte Tontechnik hatten wir im Hallenstadion noch nie erlebt ! Die Band war einfach nur furchtbar , am liebsten hätten wir von den Veranstaltern unser Geld für die Tickets zurückverlangt ! Der einzige Act der uns wirklich überzeugte war Rick Astley. Paul Young war einfach nur nervig , stimmlich absolut grauenhaft . Antworten
War ein toller Abend!!! an Mauro Guarise: Jede Person wird altern... Das diverse Lieder immer noch wöchentlich am Radio gespielt werden, spricht wohl für sich. Bei diesen Klängen geht man emotional mit und kann sofort tanzen. Eben kein lebloses Bum, Bum Bum bei dem man ohne Drogeneinfluss keinen Schritt aufs Tanzparkett macht :-) Finden sie etwa die heutige Hitparade (paar wenige Ausnahmen) gut? Antworten
Eighties waren und sind viel besser als ihr Ruf - musikalisch gesehen. Sicher schwülstiger als die 70er, aber definitiv besser und melancholischer als der ganze Trance-Pop-Schrott der 90er, wo ein Lied dem anderen glich. Depeche Mode, R. E. M., Marillion, Talk Talk, Duran Duran, Frankie goes to Hollywood sind alles Beweise genug, dass 80s unsterblich bleiben. Antworten
Vom musikalischen Standpunkt aus betrachtet ist die Clubmusik der 80er das einzige, was sich heute noch bewährt. Alles andere, ob Eintagsfliegenhits oder mehrfache Chartstürmer, wird auch nach 20 Jahren zu Tode rauf und runter spielen im Radio nicht besser. Antworten
So schrecklich, wie ich die 80er damals fand, waren sie mitnichten! Als Vinylsammler finde ich heute wahre Perlen aus dieser Epoche. Und - Hand aufs Herz: Verglichen mit heute, wo unsere Freiheiten immer weiter eingeschränkt und wir durch riesige Datenansammlungen und unzählige Kameras konstant überwacht werden, waren die 80er schon ungemein frei und kreativ. Ich würde sie gern noch mal erleben. Antworten
An welchem Konzert war Mauro Guarise?, Der "Dünne mit dem rosa Hemd" legte gleich zu Anfang mit einem tollen Gitarren Solo los und der "Dicke" war normalgewichtig und sang gut, so auch Astley und Decker. Young war schwach, zugegeben. Aber die Stimmung war sehr gut und die tickets praktisch ausverkauft. Astley spielte doppelt so lang wie die andern. Alles Hits zum mitsingen, alles live, alles gut! Antworten
Man kann das Rad sicher nicht mehr zurück drehen und alt sind die Stars von dazumal auch geworden..... aber......die Musik ist immer noch besser als der Müll der heute kommt..... und so eine Ansammlung von guten Band's wie damals wird es wahrscheinlich nie mehr geben. Antworten
Trotz leerem Saal kam an diesem Abend bei uns Partystimmung auf. Wie am Oktoberfest sangen alle um uns herum mit und wir amüsierten uns über Paul Young. Nik Kershaw spielte gut, aber unmotiviert. Kid Creole passte nicht ins Gesamtbild, Paul Young konnte einem Leid tun. Carol Decker hat immer noch eine gute Stimme. Der Höhepunkt war R. Astley, der sich selbst am meisten amüsierte. Es war schön! Antworten
Nun, die besten Interpreten der 80er waren offensichtlich nicht dabei. Betreffend schreckliche Zeit..... was heute über div. Sender ausgestrahlt wird, gehört auf den Müllberg. Die Worte für diesen Müll zu beschreiben, müssen erst noch erfunden werden! Antworten
In England tourt die zweite Gruppe der 80er. Es sind folgende Künstler Altered Images Limahl (of Kaggaggoo) ABC Go West Kim Wilde Howard Jones Falls Sie nach Zürich kommen bin ich wieder dabei. Es war einfach zu schön unter meines gleichend zu sein. Man muss nur die heutige Hitparaden Schrott hören um zu merken wie Melodiös diese Zeit war. Grüsse von einem Gruffti Antworten
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Helena Rupp Grau
Also wir hatten einen unterhaltsamen Retro-Abend; ich liebe die Musik von damals, das war halt meine Zeit (Jg. 71)... Leider hat Jason Donovan gefehlt, der war (damals) wirklich schnuckelig... Aber ich höre immer noch tausenmal Rick Astley usw. als das heutige Remake-Zeugs, Super- und Musicstars-Retorten! Antworten