Boygroups: Schwulsein neu erlaubt
Boyzone mit Stephen Gately (2.v.r).
Boybands sind was für Girls, so verlangt es das Marketingkonzept. Jedenfalls war das bis jetzt der Fall. Doch nun hat «Boyzone», ein Boyband-Relikt aus den Neunzigerjahren, das Unvorstellbare gewagt. Im Video zu ihrer neuen Single «Better», einer Ballade, turteln die Boys mit je einem sexy Girl - das heisst alle, ausser Stephen Gately. Dieser herzt einen Mann.
Gately outete sich im Jahr 1999 als homosexuell und lebt im zivilen Leben mit einem Mann zusammen. Doch im Rahmen von Boyzone hatte er bislang den Hetero zu geben. So etwa im Video zu «Baby, Can I Hold You Tonight» aus dem Jahr 1999, wo er wie die anderen eine Frau anzuschmachten hatte. Dass Gately seine sexuelle Orientierung jetzt so offen zeigen darf, gleicht einer Revolution.
Boygroup-Pate George Michael
Denn obschon viele Gays auf Jungs von Boybands stehen, kam es für die Plattenfirmen nie in Frage zuzugeben, dass dies zuweilen auch umgekehrt gilt. Boybands werden am Reissbrett entworfen, sind klar auf ein junges, weibliches Publikum zugeschnitten, welches nicht durch allfällige homosexuelle Orientierung ihrer Idole verunsichert werden soll. Auch George Michael, der Pate aller Boygroup-Stars, wurden in den Videoclips Frauen als Liebesobjekt zur Seite gestellt. Heute weiss freilich alle Welt, dass er lieber Männer mag.
Dass jetzt in Sachen Boybands und ihrer sexuellen Orientierung das grosse Tauwetter anbricht, ist zwar unwahrscheinlich. Doch ist das Zeichen von «Boyzone» bemerkenswert und dürfte den engstirnigen Verantwortlichen im Musikbusiness zu denken geben. Schliesslich ist am Ende egal, ob Mädchen oder Jungs die Platten kaufen. Zumal die serbelnde Musikindustrie jeden Cent brauchen kann. (mcb)
Erstellt: 12.11.2008, 15:46 Uhr
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