Das unbekannte Genie hinter Elvis und Sinatra: Teil 2
Von Jan Derrer. Aktualisiert am 30.09.2010
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Eigentlich will Billy Strange gar nicht über seine musikalischen Erfolge reden. Dass sein Gitarrenspiel zum Beispiel auf dem Beach Boys Meisterwerk «Pet Sounds» verewigt ist, kümmert ihn nicht. Für ihn war das einfach Arbeit. In den Sechzigerjahren schuftete er Tag und Nacht in den Musikstudios von Hollywood. Zuerst als Studiogitarrist, dann als Arrangeur und Produzent. Es gab noch keine Computer in den Musikstudios. Alles musste von Menschen eingespielt werden. Und dazu braucht es Ausnahme-Musiker wie ihn, die schnell, genau und kreativ spielen konnten – und falls das Arrangement fehlte, dieses innert Minuten liefern konnten.
Die Pop- und Rocksongs, denen er mit seiner Gitarre den nötigen Drive gab, bedeuteten ihm nicht viel. Sein grösstes Vorbild ist noch heute die Gitarristen-Legende Django Reinhardt. «Die Surfmusik und all das Zeugs, das war keine Musik für den Kopf», meint er, «das machte ich einfach fürs Geld.» Und sowieso seien ihm Balladen lieber. Respekt hat er nur für einige Ausnahmetalente wie Frank Sinatra und Elvis Presley übrig.
Den Mördern entkommen
1969 hätte seine atemlose Karriere beinahe ein jähes Ende genommen. Er war zusammen mit Nancy Sinatra an eine Party bei Filmregisseur Roman Polanski und dessen Frau, der Schauspielerin Sharon Tate eingeladen. Die Party fand in Bel Air im Haus von Polanski und Tate statt. Kurze Zeit später, am 9. August wurden Sharon Tate und drei weitere Personen in eben diesem Haus auf bestialische Weise umgebracht. Die Mörder – drei Frauen und ein Mann – gehörten zur Hippie-Kommune des verrückten Charles Manson.
Billy Strange hatte immer wieder grosses Glück in seinem Leben. «Limbo-Rock», ein Lied das er innert fünf Minuten betrunken schrieb, wurde ein Mega-Hit für Chubby Checker. Sogar Unglück wurde für ihn zum Glück. Dank eines Motorradunfalls wurde er zum gefragten Arrangeur. Da er nach dem Unfall lange Zeit nicht mehr Gitarre spielen konnte, lernte er notgedrungen zu arrangieren. So stellte er sicher, dass er weiterhin Geld verdiente.
Eine unerwiderte Liebe
Nur in der Liebe hatte er Unglück. Oder genauer: spätes Glück. In den Fünzigerjahren war er in die Sängerin Jeanne Black verliebt. Sie traten zusammen regelmässig live in der TV-Show «Hometown Jamboree» auf und er begleitete sie bei Schallplattenaufnahmen für die Plattenfirma Capitol auf der Gitarre. Black stammte aus einem religiösen Elternhaus und ihre Eltern schätzten den Umgang mit Billy Strange überhaupt nicht. Kein Wunder, denn er trank gerne und war als Frauenheld bekannt.
1963 verloren sie sich aus den Augen. Erst 30 Jahre später trafen sie sich wieder und heirateten. Sie zog zu ihm nach Nashville. Zusammen schwelgen sie gerne in Erinnerungen. Wenn er von ihr und ihrer Vergangenheit spricht, blüht er auf. All die grossen Stars, die Auszeichnungen, die Hits – sie verblassen hinter der Liebe seines Lebens. Und Gitarre spielen kann er schon lange nicht mehr. Seine Finger wollen nicht mehr. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.09.2010, 16:37 Uhr






