Kultur

Der Zürcher Jazz-Überflieger

Von Georg Modestin. Aktualisiert am 10.11.2011

Der virtuose Pianist Nik Bärtsch über musikalische Veränderungen, Entwicklungsverläufe und zum ECM-Chef Manfred Eicher.

Es geht voran: Nik Bärtsch führt die Gruppe Ronin an.

Es geht voran: Nik Bärtsch führt die Gruppe Ronin an.
Bild: Martin Möll

Nik Bärtschs Ronin: «Llyria»

Nik Bärtsch live

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Nik Bärtsch und Ronin

Bern, Turnhalle Progr: Sonntag, 13. Nov., 20.30 Uhr

Wer hat nicht schon mal gestaunt, wie sehr sich ein Kind verändern kann, das man über längere Zeit nicht gesehen hat? Ohne die Analogie bis ins Letzte ausreizen zu wollen, lässt sich ein ähnlicher Überraschungseffekt herbeiführen, wenn man Nik Bärtschs neustes Opus, das im letzten Jahr auf ECM erschienene Album «Llyrìa», mit einer seiner älteren Produktionen vergleicht, zum Beispiel mit «Randori». Beide CDs, sowohl «Llyrìa» als auch die 2002 veröffentlichte Tonus-Music-Produktion «Randori», sind von Bärtschs Gruppe Ronin eingespielt worden, deren Besetzung mit Leader Bärtsch am Piano, dem Bassisten Björn Meyer, dem Schlagzeuger Kaspar Rast und dem Perkussionisten Andi Pupato bemerkenswert stabil geblieben ist. Der einzige Unterschied im Line-up besteht darin, dass auf «Llyrìa» mit dem Saxofonisten und Klarinettisten Sha eine weitere Instrumentalstimme ins Ensemble gefunden hat, die den Gruppen-Sound um eine sangliche Komponente bereichert.

Was die Grundzüge der Musik betrifft, so zeichnen sie sich über die Jahre durch eine grosse Konstanz aus: rhythmische Repetition bei gleichzeitiger melodischer Reduktion. Doch von den in der Rückschau gewissermassen «puristisch» anmutenden Anfängen, welche die Lehre in ihrer reinen Form dokumentieren, hat das Kollektiv zu einem befreit wirkenden Musizieren gefunden, das motivisch lebhafter und klanglich reicher geworden ist.

Seitenlange Kompositionen

Nik Bärtsch selbst weist darauf hin, dass zwischen «Randori» und «Llyrìa» acht Jahre liegen, in denen sich die Band stark entwickelt habe. Auch sein eigener kompositorischer Ansatz hat sich verändert: «Auf ‹Randori› sind fast ausschliesslich sogenannte ‹one page pieces› zu finden, also Patterns und Stücke, die auf einem einfachen Notenblatt Platz haben und dann von der Band und mir dramaturgisch gestaltet werden. Auf ‹Llyrìa› hingegen sind seitenlange Kompositionen zu hören, bei denen die Instrumentierung und die Dramaturgie genau festgelegt sind, aber dann natürlich trotzdem von der Band belebt und gestaltet werden müssen. Auf ‹Llyrìa› habe ich auch das erste Mal kompositorisch mit Themengeflechten zu arbeiten begonnen; zudem haben wir als Gruppe aufgrund unserer Erfahrungen mit den bisherigen Alben noch mehr Wert auf die Ausgewogenheit und Balance des Bandsounds gelegt.»

Auf die Frage, in welchen Bahnen sich die musikalische Entwicklung der Band vollziehe, antwortet Bärtsch, sie verlaufe spiralförmig: «Wir gehen vorwärts zu den Wurzeln und kommen dabei auf unserem Weg immer wieder unter anderen Vorzeichen und mit mehr Erfahrung an unseren alten ästhetischen Prämissen vorbei. Wir verändern unsere Musik einerseits durch meine Kompositionen, an die ich auch innovative Ansprüche stelle; andererseits durch unser kontinuierliches und regelmässiges Zusammenarbeiten. Neben unseren Tourneen spielen wir seit sieben Jahren jeden Montag im Zürcher Club Exil öffentlich zusammen. Ronin ist ein Organismus, der eine gemeinsame musikalische Sprache zu einem Dialekt und dann zu einem Slang entwickelt hat, mit all seinen musikalischen Ironien und rhythmischen Pointen. Kurioserweise wird also schlüssige Veränderung gerade durch Konstanz ermöglicht.»

Manfred Eicher, der Zuhörer

«Llyrìa» ist nach «Stoa» (2006) und «Holon» (2008) bereits das dritte Album, das Nik Bärtsch mit Ronin auf dem renommierten Münchner Label ECM veröffentlicht. Auf dessen Spiritus Rector Manfred Eicher angesprochen, rühmt Bärtsch: «Ich habe Manfred Eicher im Studio als einfühlsamen, präzisen und engagierten Hörer mit der Erfahrung eines ausübenden Musikers erlebt. Er versteht wie kaum ein Zweiter die unterschiedlichen Kulturen des Komponierens, Interpretierens und Improvisierens. Er erkennt augenblicklich Schwächen und Stärken eines Aufnahme-Takes in Bezug auf Phrasierung, Tempo, Dynamik, Sound, Instrumentierung und vor allem Dramaturgie. Das gilt auch für ein Album als Ganzes. Er gab uns als Band sehr erfrischende Inputs, sowohl was die grossen Bögen eines Stücks betrifft also auch entscheidende Details.»

Der Berner Auftritt von Ronin wird zeigen, wie weit sich die Gruppe seit den Aufnahmen zu «Llyrìa» im März 2010 musikalisch fortbewegt hat. Gleichzeitig wird in Bern der Bassist Björn Meyer verabschiedet, der sich nach zehn Jahren bei Ronin vermehrt eigenen Projekten widmen will und durch Thomy Jordi ersetzt wird. (Der Bund)

Erstellt: 10.11.2011, 15:50 Uhr

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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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