«Die Beschimpfungen haben mir sehr zugesetzt»

Achtung: Dieses Interview ist eine - wenn auch gelungene - Fälschung. Das Gespräch hat in dieser Form nie stattgefunden. Wir entschuldigen uns für die Publikation.

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Kennt eine Multimillionärin auch Alltagssorgen? Popstar Beyoncé Knowles (28) über ihr knallhartes Arbeitsethos und die kleinen Differenzen in ihrer Ehe mit Rap-Mogul Jay-z.

Frau Knowles, wissen Sie eigentlich noch, was ein Päckchen Butter kostet?
Butter ist in meinem Leben nicht unbedingt von zentraler Bedeutung. Aber ich kann Ihnen sagen, was der Preis für ein T-Shirt in der «Latina Boutique» in Leederville in Australien ist. Ich habe erst vor ein paar Wochen eines gekauft, ein einfaches weisses T-Shirt. Warten Sie. Es hat etwa 15 Dollar gekostet.

Mit Ihren frühen Hits besangen Sie die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit moderner Frauen. Heute treten Sie anscheinend nur noch bei MTV auf, wenn Sie mindestens drei Preise bekommen. Und wenn Sie unbeschwert shoppen wollen, schicken Sie eine Doppelgängerin ins Museum. Haben Sie keine Angst, die Bodenhaftung und damit auch die Kraft zum Schreiben solcher Songs zu verlieren?
Bei dem Double handelte es sich um den Scherz eines Radiosenders, mit dem ich nichts zu tun hatte. Im Übrigen gehen Sie von völlig falschen Annahmen aus. Sie sollten Nachhilfeunterricht nehmen.

Nachhilfeunterricht?
Sie fragen mich, wie viel ein Päckchen Butter kostet. Gleich wollen Sie bestimmt wissen, was der Durchschnittsverdienst eines Amerikaners ist. Ich kenne diese Fragen. Seit ich sieben bin, mache ich Interviewtraining – das gehört zu meinem Beruf dazu wie Tanzunterricht. Wenn ich Ihre Testfragen beantworten kann, zeigt das angeblich, dass ich mitten im Leben stehe. Dabei ist Ihr Test ein grosser Quatsch. Immerhin gibt es genug Menschen, zum Beispiel Politiker, die die Lebensmittelpreise kennen, weil sie ihnen täglich von zig Beratern eingetrichtert werden, und die trotzdem in einer Blase leben. Ich finde das auch gar nicht schlimm. Man könnte nur irgendwann mal aufhören, die Butter-Frage zu stellen.

Macht es Sie nicht traurig, nie selbst einkaufen zu gehen, keinen normalen Alltag erleben zu können?
Warum sollte es das? Weil ich mich nicht mehr mit irgendwelchen Kassiererinnen herumzanken muss? Ausserdem ändern sich die grundlegenden Empfindungen nicht, egal, ob Sie reich sind oder arm. Die Dimensionen verschieben sich. Aber ob der Stolz einer jungen Frau verletzt wurde, weil ihre Bürokollegin befördert wurde, weil ihre Kommilitonin ein besseres Examen gemacht hat oder weil eine andere Sängerin in Australien beliebter ist als sie – es wird immer Verletzungen geben. Und es wird immer Frauen geben, die aus diesen Verletzungen Wut werden lassen, aus Wut Stärke, aus Stärke Stolz – und aus Stolz vielleicht ein gutes Lied.

Mit der Sängerin in Australien meinen Sie Pink, die dort in diesem Jahr knapp 60-mal aufgetreten ist und damit so etwas wie einen neuen Weltrekord aufgestellt hat?
Sie sind ja ein Schlaumeier. Um noch einmal darauf zurückzukommen: Ich liebe Fendi, ich weiss nicht, was ein Päckchen Butter kostet, und trotzdem bin ich eine gute Sängerin! Der Gedanke, man müsse unbedingt von unten oder aus dem absoluten Bevölkerungsdurchschnitt, ja vielleicht sogar aus der Gosse kommen und dort auch weiterhin bleiben, um ein Stück schreiben oder singen zu können, regt mich auf.

Ihr Vater Matthew war bereits Repräsentant eines grossen texanischen Chemiekonzerns, bevor Sie erste Erfolge feierten – arm sind Sie also nie gewesen.
Aber gab es deshalb keine Emotionen bei uns? Habe ich deshalb nie etwas erlebt?

Sagen Sie es uns.
Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen der Frisiersalon meiner Mutter der Mittelpunkt meines Lebens war – angefangen hat sie mit einem Schönheitssalon in unserer Wohnung, und der war nicht einmal legal. Zumindest hätte man für unsere Gegend eine Genehmigung erwirken müssen. Anfangs kamen nur Freundinnen und Nachbarn zum Schneiden. Als die Sache überhandnahm und wir die Kundinnen durch den Hinterausgang hinauslotsten, meldete mein Vater einen Vertrieb für Kerzen an. Heimarbeit war in Texas überall erlaubt. Jetzt durften wir nebenbei auch Haare schneiden. So entstand das erste Gewerbe meiner Mama, und ich lauschte den Geschichten ihrer Stammkundinnen. Ich habe also eine ganze Menge erlebt, obwohl ich nicht aus kleinen Verhältnissen stamme.

Ist Ihr Leben wirklich nicht einfacher geworden, seit Sie Multimillionärin sind?
Die Angst der Studentin, keine Zukunft zu haben, abhängig zu sein von ihrem Freund, wiegt objektiv schwerer als die Ängste, die mich plagen. Nur entsteht Musik aus subjektivem Empfinden – und subjektiv haben viele Musikerinnen Verlustängste. Wir empfinden Schmerz und Depressionen, genau wie andere Menschen. Was uns trennt, ist vielleicht der Butterpreis. Aber alles, was wesentlich ist, spüre ich wie jede hart arbeitende Frau.

Zum Beispiel?
Zum Beispiel glaube ich, dass in meiner Beziehung zu Jay-Z – wie in jeder aufrichtigen Beziehung – nicht alles einfach ist. Ich möchte Kinder – nicht jetzt, später. Er ist sich darüber noch nicht so ganz im Klaren. Ich möchte zu Hause auch mal in einer Jogginghose herumsitzen. Er scheint von der Annahme auszugehen, dass Frauen auch in Balenciaga auf die Toilette gehen.

Angeblich muss Ihnen Jay-Z im Fall einer Trennung nach zwei Jahren Ehe 10 Millionen Dollar zahlen, für jedes weitere zusätzliche Ehejahr kommt 1 Million hinzu.
Wer denkt sich denn so was aus? Ich bestreite nicht, dass es einen Ehevertrag gibt. Ich möchte jede heiratswillige Frau ermutigen, einen solchen Vertrag aufzusetzen, sie wird dadurch an Einfluss, an Selbstwertgefühl gewinnen. Zu Einzelheiten äussere ich mich aber nicht. Ich stehe hier nicht vor Gericht.

Gerade sagten Sie, Ihr Leben gleiche dem der meisten Frauen. Jetzt sind wir doch wieder bei Millionensummen und Vertragsklauseln angelangt.
Gut, dann gebe ich Ihnen ein anderes Beispiel: meine Figur. Die halte ich nur, indem ich extrem viel Sport treibe. Ich trainiere fünfmal die Woche: erst Cardio, dann Tanzroutine, dann laufe ich 5 Kilometer. Dann hebe ich einen Song lang 5-Kilo-Hanteln, boxe oder mache Liegestütze. Auf jeden Fall gehöre ich nicht zu den Frauen, die man vom Körper her eine «natürliche Schönheit» nennen würde. Darin ähnle ich gewiss vielen. Nach dem Training schneide ich mir übrigens einen Salat auf, den ich mit Tomaten, Avocado, Jalapeños und Hühnerbrust garniere. Diesen Salat liebe ich sehr: Er schmeckt ungesund, ist es aber nicht.

Klingt anstrengend.
Anstrengend, aber nicht abgehoben, oder? Wenn ich nicht diesen Salat esse, esse ich übrigens Krispy Kremes. Schade, dass Sie mich nicht nach dem Preis dieses Produkts gefragt haben, ich habe ihn erst heute Morgen gegoogelt. Obwohl für mich das Internet ansonsten nicht unbedingt der Ort ist, an dem ich mich gerne aufhalte.

Warum? Lassen Sie lieber googeln?
Youtube ist kein Quell der Heiterkeit für mich. Mein Video zu «Single Ladies (Put A Ring On It)» wurde fast 60 Millionen Mal angeklickt, die Kommentare – na ja, einige wüste Beschimpfungen sind dabei. Vor ein paar Monaten haben mir solche Beschimpfungen sehr zugesetzt. Warum sollte ich das anders empfinden als eine Angestellte, die von ihrem Chef beschimpft wird? Weil ich eine Handtasche von Fendi besitze? Verrückt!

Politik, so scheint es, lassen Sie lieber aussen vor. Haben Sie das auch von einem Interviewtrainer gelernt?
Eigentlich war es eine Trainerin, und zu unserem jetzigen Präsidenten habe ich mich schon oft geäussert. Ich war sehr gerührt, als ich sah, wie Barack Obama zu «Single Ladies» tanzte; er hatte sogar ein paar Schritte aus dem Video einstudiert. Dabei geht es gar nicht so sehr darum, dass es mein Lied ist. Ich finde es einfach gut, dass wir einen Präsidenten haben, der überhaupt wahrnimmt, was junge Menschen um ihn für Musik hören. Was für ein Leben sie führen.

Barack Obama gut zu finden, ist nicht gerade eine politische Ansicht, wenn Sie uns diese letzte böse Bemerkung erlauben.
Das ist richtig. Manchmal kommt es mir so vor, als würde mein Herz so schlagen: work, work, work. Daraus entsteht, ehrlich gesagt, eine gewisse Meinungslosigkeit. In Interviews werde ich oft nach meinen politischen Ansichten gefragt, ob ich von meinem Präsidenten enttäuscht sei und was ich von feministischen Themen halte. Ich antworte dann immer so, wie ich es gelernt habe, höflich und unbestimmt. Aber eigentlich habe ich zu vielen Dingen überhaupt keine Meinung. Warum sollte ich auch? Sie führen ja auch kein Interview mit einem Philosophen darüber, was er von Prada hält.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 19.03.2010, 15:59 Uhr)

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