Die Witwe Lee und die Heuchler
Von Bettina Weber. Aktualisiert am 05.04.2011 5 Kommentare
Das Buch heisst «Mein Leben mit Steve», und natürlich ist das kein Buch, das grosse Literatur verspricht, das haben solche Titel so an sich. In der Regel sind sie in einer Art Poesie-Album-Prosa verfasst, zudem subjektiv, kitschig und tränendrüsenaktivierend. Erst recht, wenn der Tote ein Rockstar war, der auf dramatische Weise ums Leben kam, und die Lebenspartnerin nun schreibenderweise seinen Verlust zu verarbeiten gedenkt. Brigitte Balzarini-Voss beschreibt also, wie es ihr erging an der Seite des Gotthard-Sängers Steve Lee. Zum Beispiel, dass zu Beginn ihrer Beziehung heimliche Treffen in Hotels stattfanden – weil Lee damals noch verheiratet war. Und die Schweiz reagiert empört.
Balzarini-Voss muss sich in der «SonntagsZeitung» vom ehemaligen Chefredaktor eines Regenbogen-Blattes sagen lassen, dass derartige Schilderungen «dem Andenken des Verblichenen eher schaden als nützen». Die «Glanz & Gloria»-Moderatorin setzt ein angewidert-strenges Gesicht auf und versucht, mit bohrenden Fragen ihrer Entrüstung über das Publikmachen des Ehebruchs Ausdruck zu verleihen. Die GotthardFans wähnen ihr Idol durch den Dreck gezogen.
Lee ohne Fehl und Tadel
Da wird zünftig die Moralkeule geschwungen. Das ist irritierend, vor allem wenn die, die die Moralkeule am heftigsten schwingen, von genau solchen Geschichten leben – oder sie genüsslich konsumieren. Sich über die Ehrlichkeit in einer Biografie aufzuregen, ist heuchlerisch: Man verspricht sich von so einem Werk ja eben gerade auch intimere Einblicke. Abgesehen davon ist es nicht ungewöhnlich und schon gar nicht verurteilenswert, dass sich zwei verlieben und der eine oder die andere noch in einer Beziehung steckt. Letzte Woche erklärte der Zürcher Gemeinderat Balthasar Glättli in dieser Zeitung, dass seine Liaison mit Politikerkollegin Min Li Marti angefangen habe, als er noch anderweitig verbandelt gewesen sei. Es gab keinen Aufschrei. Niemand forderte seinen Rücktritt. Weshalb also die Aufregung im Fall Steve Lee? Weil alle glauben wollen, der berühmte, tote Musiker sei ohne Fehl und Tadel gewesen? Zu viel Offenheit ist dem Mythos offensichtlich abträglich. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.04.2011, 10:07 Uhr
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5 Kommentare
Es geht ja nicht wirklich um die Tatsache, dass Steve Lee noch mit seiner Frau zusammen war, als er die Beziehung mit Frau Balzarin- die übrigens immer noch mit Herrn Balzarini verheiratet ist- anfing. Die Öffentlichkeit regt sich über die Trauer-Show auf, welche Brigitte Balzarini-Voss seit Monaten öffentlich zelebriert. Ob diese Liebe mit Steve Lee wirklich so harmonisch und tief war? Antworten
Ich hoffe, der Verstorbene hat genug Platz in seiner Gruft, um sich darin adäquat zur Intensität des üblen Nachrufs zu drehen. Die verheiratete Witwe inszeniert sich offensichtlich auf seine Kosten. Der Totenfriede wird dadurch nachhaltig gestört. Auch mit der Verletzung von Pietät ist ab einem bestimmten Grad einfach genug. Die Hinterbliebenen täten gut daran, sich anwaltlich beraten zu lassen.. Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


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