Kultur

Digitaler Protest-Song

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 25.08.2008

Der deutsche Musiker Johannes Kreidler hat ein Stück aus 70'200 Samples komponiert – und jedes einzelne bei der Musikverwertungsgesellschaft Gema angemeldet.

70200 Anmeldeformulare bitte: Der Musiker Johannes Kreidler nimmts gegen die Gema auf.


Die Gema verlangt: Jedes Sample, das ein Komponist in seinen Stücken verwendet, muss einzeln bei der Verwertungsgesellschaft angemeldet werden - auf Papier. Selbst kleinste Klangfetzen gelten dabei als fremdes geistiges Eigentum, das es anzumelden gilt.

Aus Protest gegen diese Handhabung hat Johannes Kreidler, Komponist von avantgardistischer «Neuer Musik», ein 33 Sekunden langes Stück verfasst. Die Besonderheit: Es umfasst 70'200 Zitate aus anderen Songs. Am 12. September will er konsequenterweise 70'200 Formulare bei der Gema-Generaldirektion einreichen - eine ganze Lastwagenladung voll.

Laut Gulli.de ist es nicht im Sinn des Künstlers, die Gema zu quälen. Kreidler habe grundsätzlich nichts gegen die Verwertungsgesellschaft – doch müsse sie sich dem digitalen Zeitalter anpassen, und nicht reihenweise Copyright-Verletzer abmahnen. Weil sie aber genau dies tue, wolle er mit seinem Kunstprojekt die Probleme einer Gesellschaft, die mit einem strengen Urheberrecht leben müsse, «ästhetisieren» - und dagegen protestieren.

Auf die Frage, wie Kreidler auf die Zahl 70'200 gekommen sei, antwortete der Musiker: «Durch Bescheidenheit. Ich habe stark untertrieben, theoretisch kann man am Computer pro Sekunde schon 44'100 Zitate abspielen.» Die Gema sollte sich warm anziehen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.08.2008, 15:12 Uhr


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