«Durst ist schlimmer als Heimweh»
Von Benedetto Vigne. Aktualisiert am 20.08.2009 1 Kommentar
Polo Hofer, sieben Jahre sind seit der Abschiedstournee mit der Schmetterband vergangen. Das klang damals schon fast wie der endgültige Rücktritt.
Nein, natürlich nicht. Es ging bloss darum, aus festgefahrenen Strukturen raus zu kommen, ich hatte immer über längere Zeit mit den gleichen Bands musiziert, jetzt wollte ich mal freelancen und zusammen mit Musikern, die ich in all den Jahren kennen gelernt habe, etwas probieren. Etwa mit Hank Shizzoe, dessen Gitarre einen ganz speziellen Sound hat, oder mit Richard Köchli, einem Insidertipp aus Luzern, einem ganz subtilen Musiker. Es gibt eine Scheibe von ihm, auf der er Klavierstücke von Vivaldi auf der elektrischen Gitarre spielt, das hat noch niemand gemacht. Allein mit HP Brüggemann, dem Pianisten der Schmetterband, wollte ich weiterhin arbeiten, er hat ein Gefühl für poppige Melodien und Arrangements.
Dann ging es doch lange, bis das neue Album im Kasten war. Es kamen dramatische Ereignisse dazwischen.
Ich musste immer wieder unterbrechen. Vor vier Jahren hat man mich ins Koma getan, ein Jahr später habe ich die Stimme verloren, letzten Februar musste ich nochmals unters Messer, wegen zystischer Pankreas-Fibrose, was immer das heisst, es ist aber gutartig, zum Glück. Willy DeVille ist ja kürzlich an so was gestorben. Beruflich war das mit der Stimme allerdings schlimmer: Du verlierst dein Instrument. Jetzt erreiche ich nicht mehr die Höhen von früher, und ein Kratzer ist geblieben.
Vergänglichkeit und Verlust sind in mehreren Songs ein Thema, in «Vergange und verby», in «Bönigen am Quai» und erst recht in «Ds letschte Hemmli».
Es passt zu meinem Alter, aber ich habe das schon früher gemacht, schon bei den Rumpelstilz: «Rote Wy» war das Lied eines alten Mannes. Aber eigentlich ist «Ds letschti Hemmli» ein Song gegen Materialismus und Besitzdenken. Es war übrigens sehr reizvoll, die Redensart in einen Gospelkontext zu bringen. Brüggemann und ich wollten das schon lange einmal machen, wir sind grosse Bewunderer von Lyle Lovett, der macht auch solche Versuche, eine Art Country-Gospel.
Es gibt auf «Prototyp» auffällig viele Fremdkompositionen, und dann gleich zwei von Bob Dylan. Wobei Ihre Übersetzungen noch eine Stufe weiter führen.
Ja, man muss versuchen, sich ins Denken des Künstlers hineinzuversetzen. Das Lied von «Blind Willie McTell» ist ja ein alter Jazz-Standard, die Melodie stammt von «St. James Infirmary». Da sieht man, wie Dylan aus all der Tradition schöpft. Amerikanische Geschichte wird erzählt, der Bürgerkrieg, die Besiedlung von Amerika, die Indianer – als ob er dabei gewesen wäre. Jede Zeile könnte ein Song für sich sein. Mich fasziniert, wie Dylan kurze Sätze mit einem bestimmten Vorgang verbindet, und dann schon weiter springt zum nächsten, und als Ganzes gibt es eine Geschichte. Sein «Du Ängel, du» ist dagegen ganz leichtfüssig, eigentlich banal.
Es gibt einen dylanschen Unterton auch in Ihren eigenen Songs, zum Beispiel in «Ds Beschte chunnt erscht no», dem Lied, das die Finanzkrise reflektiert.
Ich bekomme in der Regel eine Vorlage, gerade von Brüggemann. Er singt nur «na-na-na», damit ich weiss, wohin die Melodie geht. Da hatte er also dieses Stück mit einem provisorischen englischen Titel: «The Best Is Yet To Come». Was kann man dazu sagen, dachte ich mir, ja genau, die leeren Versprechungen, die grossen Worte, die Trostfaktoren, die von den Politikern in die Runde geworfen werden. Übrigens: In Bern gibt es eine Parlamentarierband – zehn Mitglieder des Stadtrats bilden eine Band, die heisst Fraktionszwang und ist schön parteiübergreifend, von der SVP bis zu den Grünen. Sie tritt schon auf. Da sind wir vielleicht auch ein wenig schuld daran.
Die Vereinnahmung der «Alperose» geht so weit, dass man am Schluss wohl noch den Blues als etwas Einheimisches betrachtet, als Teil der «Swissness».
Ja, immerhin wird die Form auch schon seit 100 Jahren gepflegt. Ich hätte aber nie gedacht, dass die «Alperose» noch ein Wanderlied werden könnte. Ich wohne ja am Thunersee und benütze manchmal das Schiff. Neulich waren da 120 junge Soldaten, und als sie mich sahen: Können wir ein Foto machen? Dann kommt der Wachtmeister zu mir, es sei der letzte Tag des WK, und wenn ich jetzt schon da wäre, möchten sie mir etwas zeigen: Alle Mann herhören! Handy füreneh! WK-Signal drücken! Und aus 120 Handys erklingt die «Alperose». Manchmal dünkt es mich, ich sei auch schon Volkseigentum. Aber: Meiner Meinung nach hat Swissness nichts mit Patriotismus zu tun. Ich finde Durst schlimmer als Heimweh. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.08.2009, 19:29 Uhr
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viktor casanova
Hallo Polo , hallo Polo - Fäns . Ich bin jahrgang 60 und somit hat mich der Polo vom ersten bis zum letzten seiner Hits durchs leben begleitet . Ich muss echt sagen , es würde etws fehlen in meinem leben würde es keinen Polo geben .Ich habe sein Buch und auch einige CD s von Ihm . Polo ich sage Dir danke , danke für Dein durchhaltevermögen auf dem CH - Musikmarkt . Bis zur Rockerrente.Grs.Viktor. Antworten