Kultur

E.K.R. ist zurück

Von Adrian Schräder. Aktualisiert am 08.02.2012

Gemeinsam mit Skor und Tinguely dä Chnächt übt sich das Schweizer Rap-Urgestein in politisch unkorrekten Beobachtungssalven.

Hervorhebung und Unterstreichung der eigenen Potenz: Trailer «Temple of Speed Vol.2»


Thomas Bollinger alias E.K.R.

Album

Tinguely dä Chnächt, Skor, Sterneis, E.K.R.: Temple of Speed Vol. II (Bakara Music).

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Man munkelt es seit einiger Zeit in Zürichs Strassen: E.K.R., die Schweizer Raplegende, ist zurück. Gemeinsam mit seinen normalerweise weitaus sichtbareren Genrekollegen Skor und Tinguely dä Chnächt übt er sich auf dem zweiten Teil des Projekts «Temple of Speed» in jenen niemals politisch korrekten, ultrasubjektiven Beobachtungs- und Bemerkungssalven, die ihm schon vor über 15 Jahren einen wichtigen, wenn nicht sogar den wichtigsten Platz in der Geschichte des Mundartrap verschafft haben.

Klar, andere waren erfolgreicher, vielleicht auch geschmeidiger. Aber E.K.R. war stets derjenige, der am konsequentesten und markigsten vorging. Jeder seiner Songs klingt anders, jeder seiner Songs hat ein Konzept – und sei es auch nur die Hervorhebung und Unterstreichung der eigenen Potenz. Ob zur Beschreibung von dämlichen, dicken Frauen, nervtötenden Schmarotzern, Geschichten von Menschen, denen das Leben längst entglitten ist, oder der Stadtregierung, die den Kreis 5 in all seiner Vielfalt kaputt zu machen drohte – E.K.R., bürgerlich Thomas Bollinger und mittlerweile über 40, fand für alle die richtigen Reime.

Hip-Hop-Klassiker

Und er findet sie immer noch: Dass aus «Temple of Speed Vol. II», dieser in nur wenigen Tagen entstandenen Sammlung von zehn Stücken, endlich mal wieder ein erwähnenswertes Schweizer Rapalbum geworden ist, darf grossteils ihm zugeschrieben werden. Gerade auch, weil ihm das halb spontane Konzept zusagt, das sich seine Mitstreiter für diese Reihe ausgedacht haben. Produzent Sterneis legt ein paar rohe Beats vor, dann wird eine Woche an den Texten geschrieben und schliesslich in nur zwei Tagen aufgenommen.

Zehn Alben sollen so entstehen, und jedes Mal soll ein weiterer Rapper oder Sänger hinzukommen. Eingebettet in ein stimmiges Patchwork aus TV-Verfolgungsjagd-Musik, obskuren Samples, stoisch-stumpfen Rhythmen und Auszügen aus Lokalfernseh-Schwafelrunden, hört man hier allerlei, das niemals den Weg auf ein «normales» Rapalbum finden würde: spontane Hasstiraden, kleine, unfertige Wort- und Reimspiele, ein Stück mit kurzen Coverversionen von Hip-Hop-Klassikern und vieles, was man als Beschreibung des Moments bezeichnen könnte.

In Stück Nummer 8, eingerahmt von Statements des ehemaligen Zürcher Clubbetreibers Carl Hirschmann zu seiner Psychotherapie, beschreibt E.K.R. erstmal, wie er die Muse flachgelegt hat, die ihn geküsst hat. Dann spricht er von seinem Problem: «Letscht Wuche hani en innere Konflikt gha, aso ä schlächti Verdauig/dänn hani vom Arzt en schlächte Bricht gha, aso so sträng und vertraulich». Der Befund: kranke Texte, auch nach all den Jahren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.02.2012, 08:44 Uhr

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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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