«Egal welche Hautfarbe: Du musst einfach korrekt gekleidet sein»
zur Person
Pentz gehört unter seinem DJ-Namen Diplo derzeit zu den gefragtesten Produzenten und Remixern. Bekannt geworden ist er durch seine Produktionen für die sri-lankisch-britische Rapperin M.I.A. und die US-Rapperin Santigold. Wie seine Arbeit insgesamt, zeichnet auch diese Produktionen eine hypereklektische Mischung aus Hiphop und karibischen, indischen, europäischen und afrikanischen Dancevarianten aus.
Dafür steht auch sein Label (Mad Decent) und eine eng verbandelte Crew in Philadelphia aus Gleichgesinnten wie Spank Rock, Amanda Blank und Switch. Zudem interessiert sich der 29-Jährige leidenschaftlich für die unterschiedlichsten lokalen Szenen, so produzierte er etwa die brasilianische Baile-Funk-Gruppe Bonde do Role. Als Major Lazer hat Pentz jetzt ein neues, eigenes Album auf dem Markt: das stark Dancehall-orientierte «Guns Don't Kill People... Lazers Do» (Mad Decent/Universal)
Wer ist eigentlich dieser Major Lazer, unter dessen Namen Ihr neues Album «Guns Don't Kill People ... Lazers Do» erscheint?
Ich wollte schon immer ein Dancehall-Album machen. Die Major-Lazer-Figur ist eine Marketinghilfe, damit das Album einen korrekten kulturellen Zusammenhang erhält: Ein Superheld als Aufhänger ist die einzige Möglichkeit, eine Dancehall-Platte zu vermarkten. Wenn ich versuchen würde, die Platte über einen der Gastsänger zu verkaufen, würden wir nicht hier sitzen. Sie würde höchstens über die spezialisierten Reggaekanäle laufen.
Zurzeit entsteht über die Vereinigung von vielen unterschiedlichen Stilen – Hiphop, Elektro, Baile Funk aus Brasilien, Kwaito aus Südafrika, Achtziger-Synthpop aus London – eine Art globale Tanzmusik. Wo sind für Sie die Schnittstellen?
Naja, wir haben nur ein Youtube, und die Welt ist am Ende doch nicht so gross, wie wir glauben. Die Stücke von Eminem oder 50 Cent nerven zwar auf Dauer, aber sie gehen immer noch um die Welt. Nur sind heute die Leute in den lokalen Szenen schlauer und selbstbewusst genug, um lokaler zu agieren; und es gibt jetzt eben auch eine internationale Community von kleinen Kerlchen wie mir, die plötzlich in den Kontext der grossen Plattenfirmen passen: Die Hierarchie existiert zwar noch, aber es gibt einen flüssigeren globalen Dialog.
Sie sind ein Weisser in einem schwarzen Kontext. Was passiert da mit dem ethnischen Aspekt?
In den USA interessiert das mittlerweile niemanden mehr wirklich. Als Eminem kam, war das für ein paar schwarze Kids schon seltsam. Aber er war einfach so gut, dass er jenseits dieser Stereotypien stand. Jetzt klingt er genau wie vor zehn Jahren, was eher traurig, aber auch ganz egal ist. Vor zehn Jahren waren die Fugees mit ihrer akustischen Gitarre wie ein cooler Kulturschock für mich. Jetzt hat jeder Rapper eine Rockgitarre und tut wenigstens so, als könne er spielen.
Wie kamen Sie in die Szene?
In Florida lag die Mischung aus Merengue, Elektro und sogenannten Punky Breaks ganz nahe. Dann kam ich nach Philadelphia, wo ich mehr Hiphop aufgelegt habe, aber die Szene noch recht segregiert war: In den besseren Clubs gab es etwas glamouröseren House, in den heruntergekommenen Clubs gab es Hiphop, und da waren noch die irischen, italienischen und pakistanischen Inner-City-Kids, deren Sprache sozusagen Hiphop war. Man musste sich entscheiden, ob man bei den Black Kids sein wollte oder bei den Glamtypen in ihren engen Kleidern. Weil, egal welche Hautfarbe: Du musst einfach korrekt gekleidet sein.
Es gibt bei der Entdeckung neuer lokaler Szenen auch einen kolonialistischen Aspekt. Nicht zuletzt, weil die Plattenfirmen immer noch nach einem neuen Drittwelthelden wie Bob Marley suchen.
Naja, Bob Marley war als Künstler grösser als seine Marketinggeschichte – aber er musste das zuerst vermitteln. Ich habe das mit Bonde do Role versucht. Das ist ja keine Band aus dem Ghetto, sonst hätte ich keine Chance gehabt: Sie hätten keine Visa gekriegt und hätten in ein paar europäische Länder nie einreisen dürfen. Und sie wären nicht zu den Proben aufgetaucht (lacht). In Brasilien ist der Hälfte der Kids gar nicht klar, dass man eine Favela auch verlassen kann. Die brasilianische Kultur selbst funktioniert im Grunde krass kolonial, die Weissen wollen nichts von Funk hören, die wollen keine Schwarzen in Restaurants sehen. Es ist wie in den USA in den 50er-Jahren.
Man könnte Ihre Arbeit ja durchaus für beiläufig politisch halten: Sie führen die Leute an andere Kulturen heran, und mit M.I.A, Santigold und Amanda Blank gibt es eine starke Neigung zu weiblichen MCs in ihrer Arbeit.
Naja, vielleicht. Aber für M.I.A. erweist sich jetzt – nach Bush – das Terroristenmarketing auch als etwas hinderlich: Wir haben ja Obama. Andererseits ist die Musik sowieso eher indirekt politisch, etwa wenn ich The Clash sample. Santi (von Santigold) andererseits ist einfach eine starke, entschlossene Person. Grundsätzlich geht es um Kommunikation und Vertrauen. Gerade habe ich mich mit Robyn aus Schweden zusammengetan. Sie ist echt cool. Die erste Frau, mit der ich tatsächlich Musik mache, seit ich diese Art von Quasi-Celebrity geworden bin. Leute wie Spank Rock, Amanda Blank, Switch, die kenne ich schon seit ewig aus irgendwelchen Kellern. Die anderen, die Bekannteren wie Christina Aguilera machen mir ein bisschen Angst – die können nicht einfach Spass im Studio haben: Es ist recht steril; ein bisschen, als ginge man ins Krankenhaus.
Trotzdem kennen Sie keine Berührungsängste. Gibt es eine Schmerzgrenze?
(lacht) Ich habe ja gerade einen Britney- Spears-Remix produziert und fand es klasse. Natürlich sind Mixes Mixes – so verdienen wir unser Geld. Aber ich habe mich selbst herausgefordert und wollte in zwei Stunden fertig sein – und es wurde ein richtiger Hit.
Sie packen aber auch alles hinein, was irgendwie herumliegt.
Klar kontrolliere ich jedes komische Geräusch, das so herauskommt. Ich bin kein gelernter Musiker, und wenn ich ehrlich bin, noch nicht mal ein richtig guter Produzent am Computer – ich habe einfach nur ganz ansatzlos super Ideen, und wenn ich die habe, frage ich eben jemanden, wie ich den entsprechenden Sound hinkriege.
Mit Wesley Pentz sprach Markus Schneider in Berlin
Erstellt: 26.07.2009, 21:57 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





