Eine Königsboa für Alice Cooper

Das finanziell angeschlagene Vivarium Lausanne organisiert für die US-Hardrocklegende Alice Cooper eine Schlange. Als Dank bekommt die Stiftung einen Teil der Konzerteinnahmen.

Alice Cooper mit Schlange an einem Konzert in den USA. Foto: Keystone

Alice Cooper mit Schlange an einem Konzert in den USA. Foto: Keystone Bild: Keystone

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Wo Cooper auftritt, darf eine Schlange nicht fehlen. Als klar war, dass der 65-Jährige am 14. März am Caprices-Festival in Crans-Montana auftreten würde, machten sich die Organisatoren auf die Suche nach einer Königsboa. Die Organisatoren des Festivals wurden beim Direktor des Lausanner Vivariums vorstellig. Michel Ansermet hatte zwar keine geeignete Schlange unter seinen rund 700 Schützlingen, doch konnte er erfolgreich die Boa eines Bekannten vermitteln. Die zwei Meter lange Schlange ist Fotoshootings gewohnt. Und so wird sie in einer Woche die Heavy-Metal-Ikone umzingeln, während diese singt.

Direktor Ansermet kann aus tierschützerischer Sicht den Auftritt vertreten. Er sagt: «Schlangen hören nichts, aber spüren die Vibrationen.» Das Tier werde den Auftritt gut hinter sich bringen, weil es an ungewohnte Situationen gewohnt sei.

Ansermet verheimlichte gegenüber der Festivalleitung nicht, dass es um die finanzielle Situation des Lausanner Vivariums schlecht bestellt sei. Bis Ende März braucht die Institution eine Viertelmillion Franken, um weiterbestehen zu können. Das Vivarium hat sein Angebot in den letzten Jahren ständig ausgebaut, ja ausbauen müssen. Insbesondere in der Aufnahmestation fällt enorm viel Arbeit an, die nur von Fachpersonal bewältigt werden kann.

Tiere vor der Tür

In nur eineinhalb Jahren wurden dem Vivarium 400 «heimatlose», oft kranke, manchmal gar vom Aussterben bedrohte Tiere abgegeben. Auch Polizisten und Feuerwehrmänner schaffen ausgesetzte und beschlagnahmte Tiere aus der ganzen Romandie nach Lausanne. Ansermet sagt, oft stünden Spinnen, Echsen und Schlangen in Schachteln vor der Tür. Darunter Schildkröten mit verformten oder gar völlig verkrüppelten Panzern, die an Orten ohne UV-Licht gehalten worden seien, das der Panzer für ein normales Wachstum dringend brauche. Immer wieder werden auch Krokodile abgegeben, die ihre Besitzer (illegal) gekauft hatten, als sie noch mini waren und ausschauten wie lebendige Spielzeuge. Mit der Zeit wurden sie ihnen zu gross und zu gefährlich.

Auch das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) war schon froh um das Vivarium. Lebende Tiere, die am Zoll beschlagnahmt werden, bringt das BVET nach Lausanne. «Oft ist es nicht möglich, konfiszierte Tiere in ihr Herkunftsland zurückzuschicken», sagt BVET-Sprecherin Regula Kennel. Könne kein Platz gefunden werden, bleibe einzig die Alternative, die Tiere einzuschläfern. Das BVET darf keine Tiere an Privatpersonen vermitteln.

Kostenlose Hilfe

Weiter züchten Michel Ansermet und sein Team vom Aussterben bedrohte Tiere und leisten Notfalldienst. Die Genferseeregion ist eine schlangenreiche Gegend. «Häufig wissen die Leute nicht, wie sie reagieren sollen, wenn sie eine Schlange im Garten finden», sagt er. Werden die Vivarium-Mitarbeiter kontaktiert, rücken diese aus und helfen kostenlos.

Alice Cooper und die Organisatoren des Festivals waren von so viel Engagement beeindruckt und haben sich entschlossen, der Stiftung finanziell unter die Arme zu greifen. 10 Prozent der Einnahmen aus dem Cooper-Konzert – 40'000 bis 50'000 Franken – werden an die Institution überwiesen. Das Überleben sichert die Summe noch nicht. Michel Ansermet sucht deshalb mit Hochdruck nach weiteren Geldgebern. Die Stadt Lausanne und der Kanton Waadt leisten schon namhafte Beiträge. Private für seine Klientel zu gewinnen, weiss Ansermet, sei jedoch schwierig. «Wir haben keinen Eisbären Knut als Aushängeschild.» Oft würden die Leute beim Spenden zuerst an Hundeheime denken, aber Reptilien und Amphibien seien genauso auf Hilfe angewiesen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.03.2013, 07:38 Uhr

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