«Er war Elvis' Nachfolger»
Interview: Rico Bandle. Aktualisiert am 26.06.2009 139 Kommentare
«Seine Demontage wurde von den Medien inszeniert»: Black-Music-Experte Martin Schäfer.
Interaktiv
Welchen Stellenwert nimmt Michael Jackson in der Musikgeschichte ein?
Er gehört sicherlich zu den ganz Grossen. Seine Leistung bestand darin, dass er als erster Schwarzer zu einem King of Pop werden konnte. Er wurde zu dem, was zuvor Elvis war. James Brown hätte diesen Status aus musikalischer Sicht vielleicht noch mehr verdient als Jackson. Doch erst Jackson setzte sich richtig durch.
Weshalb?
Einerseits hatten sich die Zeiten geändert. In den 80er-Jahren war das für einen Schwarzen vielleicht erst möglich geworden. Andererseits hat er wie Elvis die Musik auf geschickte Art für das grösstmögliche Publikum produziert. Das Album «Thriller» war eine epochale Sache.
Was machte seine Musik schliesslich aus?
Es war eine perfekte Fusion von Soul, Disco, Pop und Rock. Schon seine frühen Singles mit den «Jackson five» waren wunderbarer schwarzer Pop. Etwas vom Schönsten ist für mich eine Single-B-Seite von 1969; der Song «Who's loving you», ein bluesig-souliges, langsames Stück, wo der 11- oder 12-jährige Michael Jackson sich seine Seele aus dem Leib singt – grandios. Er war ein sehr guter Sänger, ein ausgezeichneter Tänzer und ein geschickter Produzent, zumindest eine Zeit lang.
Wie wichtig war der Tanz?
Der war absolut zwingend für den Erfolg. Das war wie bei James Brown. Schwarze Musik ist immer auch Tanzmusik. Da steht Jackson in einer grossen Tradition.
Hier wurde Jackson nicht unbedingt als schwarze Musik wahrgenommen.
Er versuchte, möglichst breit zu sein. Doch das Fundament war ganz klar immer Soul – und blieb es auch. Man kann keineswegs sagen, dass er sich ausserhalb der afroamerikanischen Musik bewegt hat.
Weshalb spricht kaum jemand mehr von der Musik, sondern nur noch von seiner äusserlichen Wandlung?
Es ist wie bei Elvis: Ein Mensch wird so gross, dass am Schluss das, was den Erfolg ursprünglich ausmachte, vergessen wird. Aber die Musik war zentral, und ohne die wäre Jackson nie so gross geworden.
War er an der Demontage nicht auch selbst schuld?
Schon, aber hauptsächlich wurde das von den Medien inszeniert. Traurig ist auch, dass er nie mehr an seine Erfolge anknüpfen konnte. Eine richtige Comeback-Platte war längst fällig.
Wäre er überhaupt dazu fähig gewesen?
Das ist die grosse Frage. Mich hat sein Tod nicht verwundert. Es hätte mich auch verwundert, wenn die Konzerte, die da angekündigt waren, tatsächlich stattgefunden hätten. Ich glaube, er war wie ein Rennpferd, das zu Tode geritten worden ist. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.06.2009, 22:41 Uhr
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139 Kommentare
ich bin geschockt. Parallelen zu Elvis Presley's Tod tauchen auf. Einige Kommentare finde ich niveau- und pietätlos. Er hat mir als Mensch leid getan, er war innerlich zerrissen zwischen Starsein und Ruhe, er irrte durch die Welt,. auf seinen Karrierehöhepunkten jubelten sie ihm zu, auf seinen Tiefschlägen liessen sie sich über ihn aus. Er war ein Genie, aber auch ein Opfer des Ruhmes. Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





