Greis und Manillio rappen mit Tiefgang

Von Adrian Schräder. Aktualisiert am 30.11.2009

Die beiden Schweizer Rapper haben je ein neues Album herausgegeben. Überzeugend.

Grégoire Vuilleumier alias Greis «wär gärn en Superheld gsi».

Grégoire Vuilleumier alias Greis «wär gärn en Superheld gsi».
Bild: Keystone

Stichworte

Die CDs

Greis: 3 (Musikvertrieb). Manillio: Jede Tag Superstar (Nation Music).

Wer gute Mundart-Rap-Stücke schätzt, kommt seit Jahren nicht um ihn herum: Immer wieder hat Grégoire Vuilleumier alias Greis mit seinen berndeutschen Versen Präzisionsarbeit geleistet. In den besten Momenten kamen dabei Gesellschaftskritik, grosskotziger HiphopGestus, stupende Technik und Selbstironie zusammen. Nur: Allzu oft hat er sich auch verzettelt. Hier ein bisschen Polit-Rap, da ein bisschen Geschichtsstunde, dort ein Verweis auf den Spanischen Bürgerkrieg, und das alles in einem nicht nachvollziehbaren Gemisch aus Berndeutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Sein neues Album «3» ist da anders. Produziert von Claudio «Claud» Bucher – bekannt von Sektion Kuchikäschtli und Gimma –, nimmt Greis darauf eine Art persönliche Standortbestimmung vor. «I wär gärn e Superheld gsi oder wenigschtens nid mi / Höre langsam uf z probiere öpper z sii wo i ned bi», beginnt er und lässt sich dann von den Arrangements aus bedachten Klavierakkorden, Streichern und ausgewählten Drumsounds zu viel Introspektion und Gesang verleiten. Jetzt geht es um Greis selber, und doch um alles.

Das geht es irgendwie auch auf der zweiten Platte des Solothurners Manillio. Bloss lässt sich der 22-jährige Rapper dies nur in wenigen Momenten anmerken. Eher subtil – zwischen Erzählungen über Longdrinks morgens um elf, Klamottenkult und durchzechten Wochenenden in Zürich – setzt er immer wieder zum Tiefgang an und fasst dabei ein Leben zusammen, das dem vieler Altersgenossen gleicht. Besonders ist dabei sein Rap-Stil: In einem Tonfall, der irgendwo zwischen leisem Kater und cooler Distanz liegt, entdeckt er immer wieder die melodiöse Entschleunigung und liegt damit auf der Höhe der Zeit. Die Verweise auf amerikanische Rapper wie Drake, Kid Cudi oder Lil Wayne fehlen denn auch nicht. Auch musikalisch ist das Album neuzeitlich, aber nicht zu modern angelegt. Trotz vieler wuchtiger Clubsounds und Synthesizer-Einsätzen steht die Musik stets in der Tradition des guten alten Hiphop. Allein dieser Spagat ist eine kleine Meisterleistung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.11.2009, 08:07 Uhr

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