«Ich hielt mich stets für einen faulen Siech»
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Ein Schauspieler namens Polo
Im Filmspektakel «Die Nagelprobe» kreuzt Polo Hofer die Klingenmit René Rindlisbacher – mit zwiespältigem Resultat.
Haarige Gestalten, alpine Kulissen, dröhnende Sounds und windschiefe Dialoge: Aus diesen Zutaten schnitzt der Obwaldner Luke Gasser seine mythischen Spektakel. Als Zückerli dazu gibts klingende Namen. In «Fremds Land» (2003)wagte sich Florian Ast vor die Kamera; für «Anuk» (2006) warfen sich Stephan Eicher, Marc Storace und Doro Pesch in bronzezeitliche Garderoben.
Nun, in «Die Nagelprobe» kreuzen Polo Hofer und René Rindlisbacher die Klingen. Für beide ists die erste «echte» Filmrolle.
Und ja, das sieht man. Ein archäologisches Fundstück auf einer Baustelle erinnert an eine grausige Begebenheit, die 1381 bei Giswil manch einen mit Nägeln in der Hand oder einer Axt im Fuss zurückliess.
Bald ist die junge Archäologin Nina (Iréne Ludin) von den mittelalterlichen Plagegeistern besessen. Doch deren Vorgesetzter (Hofer) sowie ein neuer kantonaler Standortmanager (Rindlisbacher) versuchen, den Fund zu vertuschen, um ein lukratives Bauprojekt nicht zu gefährden. Als Spukgeschichte, in der ungeschlachte Grobiane und moderne Wendehälse ihr Unwesen treiben, ist «Die Nagelprobe» durchaus reizvoll. Alles andere bleibt leider abgefilmtes Laientheater. (zas)
Der Filmläuft ab 11.März im Kino.
Sie sollten auf Ihrer Website das Lieblingshobby ändern, da steht noch immer «Müssiggang».
Müssiggang bedeutet ja eigentlich, dass man überhaupt nichts macht, nicht einmal ein Hobby hat. Allerdings besteht die Gefahr, dass man dann tot ist. Deshalb spreche ich bei meinem Lieblingshobby von selbsttragendem Müssiggang.
Was ist das?
Ein materiell gesicherter Müssiggang. Weil ich laufende Kosten habe, muss ich gezwungenermassen ab und zu eine Arbeit ergreifen.
Zum Beispiel mit dem Songbuch «Das alles und no vil meh».
Genau. Es umfasst 240 Lieder inklusive meiner Übersetzungen aus dem Englischen. Das Songbuch ist eine Reise in die Vergangenheit.
Die Noten fehlen, das Buch liest sich eher wie ein Gedichtband.
Die Tatsache, dass meine Originaltexte in ein sauberes Berndeutsch umgewandelt und mit nur einer Refrainpassage niedergeschrieben wurden, haben zu dieser gedichtartigen Form geführt. Es sind auch in der Tat ein paar gute Texte darunter, die in diesem Buch ganz hübsch daherkommen.
Hat Sie der Umfang ihres veröffentlichten Schaffens überrascht?
Es war schon erstaunlich, zu sehen, wie viel ich für mich und andere Künstler geschrieben habe. Zumal ich mich ja bisher immer für einen «fule Siech» gehalten habe. Aber offenbar summiert es sich dann doch, wenn man lange genug lebt.
Im Film «Die Nagelprobe» spielen Sie erstmals nicht sich selbst, sondern einen Staatsarchivar. Was war diesbezüglich die grösste Herausforderung?
Ich musste meine Sonnenbrille ausziehen.
Durften Sie die Figur trotzdem mitgestalten?
Ich habe lediglich die Textpassagen ins Berndeutsche umgeschrieben. Das machte meiner Meinung nach Sinn, denn ursprünglich waren Sie auf Nidwaldner Deutsch.
Inwiefern unterschied sich die Zusammenarbeit mit Luke Gasser von jener mit Clemens Klopfenstein, dem Regisseur Ihrer früheren Filme?
Klopfenstein hatte nie ein Drehbuch. Da war restlos alles improvisiert, so richtig aus dem Bauch heraus. Bei Luke Gasser waren die Dialoge Szene für Szene genau vorgeschrieben.
Haben Sie Schauspielblut geleckt?
Ja, und zwar gleich vom ersten Moment an, als ich mich bei den Aussendreharbeiten durch die Landschaft bewegen durfte. Später in den Büroräumen – ganz und gar nicht meine Welt – fiel es mir schwerer, meinen Text zu sprechen. Trotzdem: Ich würde sofort wieder in einem Film mitspielen.
Am 10.März folgt erst einmal Ihr Gastauftritt im Musical «Ewigi Liebi». Ist das Ihr Ding?
Jeden Abend das gleiche Theater? Nein, das wäre nichts für ich. An diesem Abend werde ich mit meiner Band jedoch gerne als Begleitgruppe dabei sein.
Jetzt fehlt eigentlich nur noch «Polo, der Künstler».
Nicht mehr lange: Eine Bilderausstellung ist schon in Planung, voraussichtlich für das nächste Jahr.
Was gab Ihnen denn diesen Kick?
Die Idee ist aus einem Vergnügen heraus entstanden. Seit zwei Jahren darf ich im Restaurant Kreuz in Oberhofen alle drei Monate ein neues Bild aufhängen. Weil mir die bestehenden ausgegangen sind, war ich gezwungen, neue Werke zu kreieren. Das hat mich motiviert. (Berner Zeitung)
Erstellt: 04.03.2010, 08:10 Uhr
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