«Ich kann die Oldies nicht mehr hören»
Aktualisiert am 10.06.2011 16 Kommentare
Tony Prince wurde 1944 geboren. Der Engländer war in den 60ern auf einem Schiff beim legendären Piratenradio Radio Caroline als DJ «Your Royal Ruler» tätig. Nachdem der Sender geschlossen wurde, arbeitete er bei Radio Luxemburg. Später lancierte Prince das Musikmagazin «Mixmag», heute ist er mit Aufbau und Betreuung verschiedener Radiostationen beschäftigt.
Tony Prince über drei bekannte Schweizer Radiostationen
DRS 3
«Es fällt auf, dass wenig brandneue Hits gespielt werden. Wo ist David Guetta? oder Lady Gaga? Sonst ein interessanter Mix. Diese Station würde ich bevorzugen.»
Radio 1
«Das ist offenbar eure Oldie-Station, ich persönlich kann Oldies nicht mehr hören. Vielleicht, weil ich einmal auf einer Oldie-Radiostation gearbeitet habe. Ich frage mich bei Radio 1 allerdings, wen man damit ansprechen will: Pink und Foreigner in der gleichen halben Stunde – seltsam.»
Energy
«Aha, das ist ganz klar die Hit-Station. Schön allerdings, dass hier auch Schweizer Songs gespielt werden, ich dachte zuerst schon, ich sei in Amerika gelandet.»
Internationales Radiofestival
Das erste Internationale Radiofestival feiert zwischen dem 9. und 15.Juni die globale Vielfalt der Musikradios und zeigt, welche Shows und Sounds in Metropolen wie London, Berlin, Nairobi, New York, Ibiza oder Shanghai zurzeit angesagt sind.
Über 20 renommierte FM-Sender, DAB- und Internet-Radios nehmen am Festival teil. Einige der populärsten Radio-DJs und witzigsten Moderatoren werden nach Zürich eingeflogen, um ihre Radio-Shows authentisch in eigener Sprache zu präsentieren.
Das Festival sendet live aus dem Papiersaal Zürich (Sihlcity) und wird im Grossraum Zürich 24/7 über den hauseigenen FM-Sender (FM 88.2 MHz / FM 95.7 MHz), über Kabel sowie das Internet übertragen.
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Korrektur-Hinweis
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Was macht ein gutes Radio für Sie aus?
Ich komme aus einer Generation, die gar keine Radiostationen hatte. Die BBC spielte, wenns hochkam, eine halbe Stunde Pop pro Tag. In den 50er- und 60er-Jahren warteten wir jeweils, bis am Abend Radio Luxemburg on air ging – und die Piratenradios vor der Küste auf Sendung gingen. So gesehen, schätze ich heute jedes Radio.
Was hat sich abgesehen von der Anzahl Stationen in der Radiolandschaft besonders verändert?
Wir haben heute viele Nischenradios, was ich sehr begrüsse. Steht man auf Punk, gibts Hunderte Stationen für einen. Dank Internetradios hat sich auch die Reichweite respektive das Publikum verändert: Eine Countrystation aus Nashville hat Schweizer Hörer, oder ein Rockradio aus Australien kann von Isländern empfangen werden.
Wie wichtig sind News am Radio?
Ich glaube nicht, dass vertiefte News für eine musikorientierte Radiostation wichtig sind. Solche Stationen sollten einfach die Schlagzeilen bringen, damit die Hörer nicht aufs Internet oder zum Fernsehen abspringen.
Dann halten Sie auch nicht viel von penetranten Moderatoren, die sich andauernd selbst ins Spiel bringen?
Zurzeit des Piratenradios war der Moderator – oder DJ, wie wir sagen – wichtig. Er war eine Art Anchorman und wurde durch seine Rolle oft zum Prominenten. Heute kommt diese Rolle dem Morgenshow-Moderator zu. Dieser sollte unterhaltend, witzig oder skandalös sein – denn der Rest des Tagesprogramms entwickelt sich aus der Morgenshow heraus. Hat man am Morgen schlechte Quoten, leidet auch der Nachmittag darunter. Natürlich sind aber auch die Moderatoren der abendlichen Spezialgefässe wichtig. Hier ist Expertenwissen gefragt.
In der Schweiz wird oft der sogenannte Einheitsbrei beklagt: Die grossen Radiostationen spielen die gleichen Mainstream-Songs. Wer gute Musik hören will, muss auf ehrenamtlichen Bürgerfunk mit stotternden Moderatoren zurückgreifen.
Ich kann die Stationen verstehen. Private Radiostationen müssen sich ja irgendwie finanzieren – und das macht man nun halt mal über Werbung. Die Werbekunden wiederum wollen eine möglichst hohe Hörerquote.
Zumindest gebührenfinanzierte Sender sollten aber ein bisschen wagemutiger sein.
Das ist in England auch so; BBC Radio 1 spielt vor allem innovative Musik. Und in London gibts allerlei Piratensender. Unsere Kommerzsender haben aber ein ähnliches Programm wie eure: Mainstream-Songs, Hörerwünsche, Geplapper, Lokalnews.
Sie haben sich die Musikauswahl einiger Schweizer Radiostationen angeschaut. Was ist Ihr Befund?
Die Stationen sind nicht besonders wagemutig, was die Musik angeht. Aber da es sich um grosse Stationen handelt, können sie das meiner Meinung auch nicht aus oben genannten Gründen. Wer spezielle Musik sucht, wird heute ja glücklicherweise im Internet fündig. Und immer daran denken: Wir hatten als Jugendliche gar kein Radio.
Was halten Sie von Tony Princes Radiosender-Beurteilung? Welcher ist Ihr Lieblingssender? Was nervt Sie am Radio? Meinungen bitte unten eintragen. (phz)
Erstellt: 10.06.2011, 09:43 Uhr
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16 Kommentare
Oldies sind eben nicht nur "San Franciso" und ähnliches. Da gäbe es unendlich viel mehr zu entdecken und zu spielen. Wo bleibt der Blues, wo bleibt der Funk, wo der Soul, wo Alternative usw. Hier sind Schätze an Trouvaillen vergraben. Verbunden mit kompetenter Begleitung ohne nervtötendem Geplapper. Dieses Radio möchte ich hören, bitte bitte. Radio 1 ist da keine Alternative. Antworten
Kultur
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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