Jay Z muss Spoerri entlöhnen

Jay Z und Timbaland knicken im Plagiatsstreit ein: Der Schweizer Jazzmusiker Bruno Spoerri erhält die Hälfte der Tantiemen von «Versus».

Die Hälfte der Tantiemen von «Versus» gehen an den Basler Jazzmusiker Bruno Spoerri.


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David zwingt Goliath in die Knie: Im Urheberrechtsstreit zwischen dem Basler Jazzmusiker Bruno Spoerri und dem amerikanischen Rap-Superstar Jay Z hat Spoerri einen wichtigen Sieg errungen. Jay Z und Produzent Timbaland verzichten auf die Hälfte der Tantiemen für den Track «Versus».

Wie viel Geld genau die Musikgrössen an Spoerri und dessen Label Finders Keepers abtreten müssen, hängt von Faktoren wie Radio-Airplay und Albumverkäufen ab. Fest steht: «Die Verträge sind unterschrieben», sagt Spoerri gegenüber der «Tageswoche». Jay Z erhält 50 Prozent für den Text, Spoerri die anderen 50 Prozent für die Musik.

Aufwendiger Rechtsstreit

Hip-Hop-Produzent Timbaland stiess, vermutlich via Youtube, auf «On the Way», einen Teil des Soundtracks zum Film «Lilith», den Spoerri 1978 komponiert hatte. Ohne je nach den Rechten gefragt zu haben, sampelte er den Song und verwendete ihn für Jay Zs «Versus». Ende 2013 ist Spoerri auf den Klau aufmerksam gemacht worden. Er meldete den Plagiatsverdacht der schweizerischen Urheberrechtsgesellschaft Suisa. Da die Amerikaner nicht auf die Forderungen reagierten, wendete sich Spoerri vor einem Jahr an die Öffentlichkeit. Laut der «Tageswoche» boten Timbaland und Jay Z nach Bekanntmachung des Falls einen Vergleich an. Der Deal war aber keine Option für Spoerri. Die Summe sei lächerlich klein gewesen. Er schaltete dann eine Verlegerin ein, die sich mit Prozessen in den USA auskannte und einen direkten Draht zu den entsprechenden Rechtsabteilungen in den USA herstellen konnte. Mit Erfolg.

Ein Prozess wäre teuer geworden, und die Ähnlichkeit der Stücke lässt eigentlich keine Zweifel offen. Gut möglich also, dass die Anwälte der Superstars rieten, auf die Forderungen von Spoerri einzugehen.

Spoerri profitiert doppelt

Für den 79-Jährigen ist die Angelegenheit auch eine Frage des Respekts. Es ginge ihm um den Umgang mit Künstlern: «Ich habe schon einige Male etwas gratis weggegeben. Aber sicher nicht bei einem dermassen kommerziell orientierten Musiker wie Jay Z.» Spoerri hat auch von der Medienpräsenz profitiert. «So oft wie durch diesen Fall bin ich seit Jahrzehnten nicht mehr in den Medien erwähnt worden. Und ich habe auch eine ganze Reihe an Engagements gekriegt. Der indirekte Gewinn ist eigentlich viel grösser als der direkte», sagte der Jazzmusiker. (ME)

Erstellt: 12.03.2015, 11:59 Uhr

Video

Bruno Spoerris Komposition aus dem Jahr 1978.

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