Kultur

Konzert mit Ex-Rolling-Stone ist Schweizern 195 Franken wert

Von Samuel Mumenthaler. Aktualisiert am 14.01.2010 1 Kommentar

Er verliess die Rolling Stones 1993 aus freien Stücken, doch den Bass hat er nie weggelegt: Jetzt kommt Bill Wyman mit seiner Allstar-Band The Rhythm Kings für ein Konzert in die «Krone» Aarberg.

Coole Pose: stoische Miene: Ex-Rolling-Stone Bill Wyman.

Coole Pose: stoische Miene: Ex-Rolling-Stone Bill Wyman.
Bild: Keystone

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Das Konzert

Bill Wyman and the Rhythm Kings, 22.Januar, 20 Uhr, Hotel-Restaurant Krone Aarberg.

Rolling-Stones-Chef Mick Jagger plant eine neue Tournee für die einst grösste Rock-’n’-Roll-Band der Welt. Fraglich bleibt, ob die Schweiz überhaupt ein Stadion hat, das den ständig wachsenden Ansprüchen von Sir Jagger und seinen Anwälten noch zu genügen vermag. Wer dem Gigantismus eines «echten» Stones-Konzerts skeptisch gegenüber steht, hat durchaus Ausweichmöglichkeiten, und diese kontrastieren scharf mit dem Massenerlebnis eines Stadionevents.

Letztes Jahr hatte Ex-Stone Mick Taylor in der Mühle Hunziken zur Klassenzusammenkunft der 68er eingeladen. Gestern jazzte der elegante Stones-Drummer Charlie Watts mit seiner Zweitband auf der Bühne des Casinos Herisau. Und nun meldet sich schon der dritte(Ex-)Stone an: Bill Wymans Konzert findet im traditionsreichen Hotel Krone Aarberg statt, wo unlängst Christoph Blocher den Geist von ein paar verblichenen Kompatrioten beschwor und die heisse Phase des Berner Wahlkampfs einläutete.

Berlin, Hamburg, Aarberg

Bill Wyman dürfte das kaum kümmern. Sein Motto ist eine Zeile aus der Stones-68er-Hymne «Street Fighting Man»: «Was kann ein armer Junge denn schon tun, als in einer Rock-’n’-Roll-Band zu spielen?» Zwar hat der Bassist, der mit seinem rumpelnden, aber immer groovenden Spiel den Sound der Rolling Stones während 30 Jahren mitprägte, die Band 1993 aus freien Stücken verlassen – er wurde nie offiziell ersetzt.

2002 kündigte Wyman an, dies sei die letzte Tour seiner 1997 gegründeten Band The Rhythm Kings. Doch zu Beginn des neuen Jahrzehnts sind Wyman und seine Brit-Blues-Veteranen wieder auf ausgedehnter Tournee, die sie nicht nur in europäische Grossstädte wie Amsterdam, Berlin und Hamburg führt, sondern auch ins Berner Seeland.

Standesgemäss

Die Katze kann das Mausen nicht lassen. Warum sollte sie auch? Die Rhythm Kings gehören zum Besten, was traditioneller britischer Rhythm ’n’ Blues – Bill Wymans Lieblingsmusik seit den Anfängen der Rolling Stones – zu bieten hat. Organist Georgie Fame war einst unter eigenem Namen ein Star. Auf seiner Hitliste steht dezent jazziger Pop wie «Yeh Yeh», «The Ballad of Bonnie and Clyde» und «Sunny». Albert Lee spielt schneller als Mani Matters Bub namens Fritz rannte und ist doch einer der banddienlichsten Gitarristen überhaupt: Ehemalige Arbeitgeber wie Eric Clapton, Emmylou Harris oder die Everly Brothers können ein Lied davon singen. Auch der Rest von Wymans Truppe hat nur die besten Referenzen – nach dem Motto «Nennen Sie den Namen, die Rhythm Kings waren dabei.»

Natürlich wird hier die Musik nicht neu erfunden. Bandleader Wyman ist 73-jährig, einige seiner Bandmitglieder steuern auch sachte auf die 70 zu. Und doch ist die Allstar-Combo des Bassisten mit der stets stoischen Miene mehr als ein in Freundschaft verbundener Altherrenklub. Ihr Zusammenspiel ist traumhaft sicher, die Liste der Sängerinnen und Sänger beinah unerschöpflich, das Repertoire standesgemäss: Auf der aktuellen Best-of-CD der Rhythm Kings ist ein Remake des Skiffle-Klassikers «Roll ’Em Pete» ebenso vertreten wie eine dampfende Version von CCR’s «Green River» – live liefert die Band eine vom Zweitkeyboarder Geraint Watkins lässig interpretierte Jive-Swing-Version von Chuck Berry’s «Johnny B. Goode». Stones-Hits aus der Jagger/Richards-Küche werden allerdings keine serviert.

Exklusiv und teuer

Dass der offizielle Stones-Archivar Bill Wyman, dessen Sammlung im Londoner Restaurant Sticky Fingers zu bestaunen ist, ausgerechnet im Berner Seeland ein exklusives Schweizer Konzert spielt, ist laut Angaben von Christoph Müller, dem Inhaber der «Krone» Aarberg, auf einen direkten Draht zu einem Musikagenten zurückzuführen. Das intime Konzertereignis – bei Konzertbestuhlung finden in der «Krone» Aarberg nur 300 Zuschauer Platz – hat allerdings seinen Preis: Das billigste Ticket kostet 115 Franken, das teuerste 195. «Die teuerste Kategorie läuft am Besten», konstatiert Müller leicht verwundert. «Arme Jungs» sind die Stones und ihre Fans eben schon lange nicht mehr. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.01.2010, 07:59 Uhr

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1 Kommentar

Stefan König

15.01.2010, 10:51 Uhr
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Ein kleine Unkorrektheit: Sir Jagger ist nicht die standesgemässe Bezeichnung für den geadelten Rolling Stone. Korrekt hiesse es: Sir Michael oder Sir Michael Jagger. Direkt angehängt wird der Vorname, man kann also es sich also bei einem Knight Bachelor durchaus erlauben, ihn mit dem Vornamen anzureden - sofern davor das Sir steht. Anders bei Lord: aber einen Lord Jagger wird es wohl kaum geben. Antworten




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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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