Kultur

Rebellen mit Krawatte

Von Brigitta Niederhauser. Aktualisiert am 02.07.2012

In den 1960er-Jahren waren The Rebells, eine Bandformation aus Lehrlingen, die grossen Stimmungsmacher an den samstäglichen Tanzabenden.

So rar wie Tondokumente sind auch Fotografien der Berner Band The Rebells.

So rar wie Tondokumente sind auch Fotografien der Berner Band The Rebells.
Bild: zvg

The Rebells

The Rebells» – 60’ties music, Vertrieb RoRec, Postfach 92, 3000 Bern 22. Unter dieser Adresse sind weitere Tonträger aus der Berner Rockgeschichte erhältlich. Roland Berger nimmt gerne weitere Hinweise auf Tondokumente entgegen.

Die englische Rechtschreibung war so wenig ihr Ding wie das Notenlesen, dafür waren The Rebells die erste einheimische Band, die 1964 im Amtshüsi auftreten durften, jenem Lokal an der Amthausgasse, wo in den Sechzigerjahren kein Essen, dafür viel Hochprozentiges und noch mehr heisse Musik serviert wurden. Die Band, lauter Lehrlinge, vertraute ganz ihrem Gehör und sorgte dafür, dass Bern in den Jahren vor dem grossen Aufbruch der 68er ein wenig näher an Grossbritannien und die USA rückte.

Anfänglich genügten Bandgründer Erwing Boschung und seinen Kumpeln Hans-Ulrich Rolli und Hugo Brönimann zwei Gitarren und ein Bass, mit denen sich gar prächtig jene Soundwogen in Bewegung setzen liessen, die das Publikum zum Schwelgen brachten. Dabei bemühten sich die Autodidakten, so identisch wie möglich wie ihre grossen Vorbilder zu tönen, die sie vor allem von den Sendern Europa 1 und Radio Luxemburg her kannten. Deren Alben wurden damals hierzulande kaum vertrieben. Einen Schlagzeuger hatten die Rebellen anfänglich keinen, und nebensächlich war der Gesang. Denn die Band stand auf die satten, wohligen Instrumentals der britischen Band The Shadows. Auch ohne einen richtigen Verstärker musste die Band vorerst auskommen, man behalf sich mit einem Radio- oder einem Tonbandgerät.

Aufnahme im Übungskeller

Im Ariola-Talentclub im Restaurant Schweizerbund in der Länggasse, dem heutigen Mappamondo, wo sich junge Berner Bands regelmässig Wettkämpfe lieferten, trat die Band auf. Bald leistete sich die Band, die später noch ein paar Umbesetzungen hatte, auch einen Schlagzeuger (Georges Blaser).

Wie das tönte, als die vier flotten Jungs, das Haar sauber gescheitelt, im dunklen Anzug und mit Krawatte oder Fliege auftraten, dokumentiert die CD «The Rebells – 60’ties music». Mit diesem Zeitdokument ist die Reihe über die Geschichte des Berner Rocks um ein charmantes Kapitel reicher. Der Grafiker Roland Berger, der unermüdliche Archivar und Archäologe der hiesigen Musikszene, ist auf 17 Songs gestossen, die mit einfachsten Mitteln im Bandkeller aufgenommen worden waren. Trotz technischen Mängeln illustrieren aber die Aufnahmen, warum die Band als Partyband so begehrt war. Und das nicht nur im Amtshüsi und im Schweizerbund, auch im Hotel Bellevue, im National und in den besseren Landgasthöfen rund um Bern waren die Rebellen gefragte Stimmungsmacher für die samstäglichen Tanzabende. Zudem wurde die Band öfters auch als Vorgruppe von Polo’s Pop Tales oder den Black Caps engagiert.

Neben Shadow-Hits wie «All Day», «Cosy» und «Young Lovers» hatten The Rebells Songs von den Beatles im Repertoire, das vergnügliche «ObLaDi ObLaDa» und das aufgeregte «Lady Madonna» sowie den melancholischen Walzer «Baby’s in Black», den die Band für Astrid Kirchherr, die Freundin von Stuart Sutcliffe, den fünften Beatle, geschrieben hatte. Lauter schwärmerisch-süffige Nummer sind auf der CD versammelt, Balladen wie «Oh Carol» von Neil Sedaka, und «Sleep Walk», mit der das amerikanischen Gitarrenduo Johnny und Santo Farina in England einen Nummer-1-Hit landete. Und mit «Moonshot» hatte die Band auch einen Song der schwedischen Spotnicks im Repertoire.

Eigene Songs schrieben die Rebellen nicht. «In den Sechzigern traute man sich noch nicht so, selber Songs zu komponieren. Zu sehr war man mit dem Kopieren beschäftigt», sagt Berger, der selber bereits als 15-Jähriger einst mit der Berner Band The Lives als Rockmusiker unterwegs gewesen war. Er bedauert, dass bis heute keine weiteren Aufnahmen von den Rebellen aufgetaucht sind. «Die Band spielte ja fast ein Jahrzehnt, und da wäre es spannend, ihre Entwicklung zu verfolgen, wie sich zum Beispiel der Hippie-Sound der späten Sechzigerjahre auf ihr Schaffen ausgewirkt hat.»

Einmannorchester in Thailand

1971 löste sich die Band auf, zu gross war die berufliche Belastung geworden, um an den Wochenenden weiterhin als Freizeitband durch die Tanzlokale zu tingeln.

Einer hat allerdings nicht ganz aufgeben. Erwin Boschung, der Bandgründer, lebt seit Jahren in Thailand und tritt dort manchmal als Einmannorchester auf. (Der Bund)

Erstellt: 02.07.2012, 07:52 Uhr

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