Robbie Williams' Videobotschaft an die Take-That-Mitglieder
Take That – For the Record
«Take That – For the Record» (Sony)
Die vergriffene DVD aus dem Jahr 2006 wird im Rahmen der «Musikschau» am 16. November um 20.30 Uhr im Zürcher Club «Acapulco» gezeigt.
Dies zur Feier der Veröffentlichung von Robbie Williams' neuem Album «Reality Killed the Video Star», das ab 6. November im Handel erhältlich ist.
«Musikschau» zeigt regelmässig Musikfilme in Schweizer Bars und Clubs, gratis und auf Grossleinwand – Musikerbiografien, Bandporträts, Konzertfilme, Klassiker.
Programm und Informationen:
www.musikschau.ch
«Reality Killed the Video Star» heisst das neue Album von Robbie Williams, das am Freitag erscheint. Lange wurde es sehnsüchtig erwartet von den Fans, schliesslich war der britische Superstar fast drei Jahre lang untergetaucht. Viele befürchteten, er schaffe es nicht mehr, sich erneut im Musikbusiness zu etablieren. Aber siehe da: Bereits seine Comeback-Single «Bodies», mit der sich Williams aus der Versenkung zurückmeldete, erklomm die Hitparaden, als wäre er nie weg gewesen.
Aus dem gleichen Jahr, in dem Williams abtauchte, datiert «Take That – For the Record». Für diesen Film hätten die fünf ehemaligen Mitglieder der Boygroup im Sommer 2006, zehn Jahre nach ihrer Trennung, erstmals wieder zusammenkommen sollen. Doch Williams tauchte am geplanten «Klassentreffen» nicht auf.
Die Dokumentation über das geplatzte Wiedersehen hat durch Williams' erneute Besteigung des europäischen Pop-Throns neue Aktualität erhalten. Leider ist die DVD vergriffen. Wer in Erinnerungen an alte Take-That-Zeiten schwelgen möchte, kann das am 16. November trotzdem tun. Dann läuft «For the Record» im Rahmen der «Musikschau» in Zürich.
Robbie Williams – vom Bandküken zum Megastar
Ein Blick auf die Anfänge des grossen Robbie Williams lohnt sich allemal. «For the Record» ist nicht nur für Take-That-Fans gedacht, sondern dürfte jeden Musikinteressierten unterhalten – schliesslich geht es hier um ein Stück Musikgeschichte, um die erfolgreichste britische Band seit den Beatles.
Die zum Zeitpunkt ihres Grosserfolgs noch nicht einmal 20-jährigen Take-That-Mitglieder kamen wie so viele Megastars vor ihnen mit dem Ruhm nicht zurecht: Dauerpartys und Exzesse waren die Folge. «Keiner von uns nahm das Ganze damals ernst», sagt Gary Barlow in «For the Record». Bei Williams stellte sich zusätzlich das Problem, dass er seinen Platz in der Band nie recht gefunden hatte. Aus dem Freizeitvergnügen Alkohol und Drogen wurde bei Williams eine Sucht. Das, sowie seine immer schlimmer werdenden Depressionen führten ihn dazu, den Bettel hinzuwerfen. Ein Jahr später, 1996, lösten die vier verbleibenden Bandmitglieder Take That auf.
Aus Freunden werden Rivalen
Es folgten böse Worte, gegenseitige öffentliche Diffamierungen, Selbstmord-Pläne von Howard Donald sowie ein Hitparaden-Duell zwischen Take-That-Songwriter Gary Barlow und Robbie Williams, die beide zu etwa der gleichen Zeit ihre Solokarrieren in Angriff nahmen. Williams, dem bei Take That eher wenig Talent zugesprochen wurde, machte das Rennen. Er wurde zum grössten Entertainer Europas seiner Zeit. Und Barlow von seiner Plattenfirma fallen gelassen.
In «For the Record» hätten die fünf erstmals über all die guten und schlechten Zeiten zusammen sprechen, alte Fehden begraben und neue Bande knüpfen sollen. Ironischerweise wären beide Seiten dafür bereit gewesen: An dem Abend, an dem das Zusammentreffen hätte stattfinden sollen, warten Barlow, Orange, Owen und Donald auf einem Landgut in England zusammen auf Williams' Ankunft. Dabei sinnieren sie darüber, dass sie ihrem ehemaligen Kumpel damals, kurz bevor er die Band verlassen hatte, mehr hätten beistehen sollen, anstatt ihn für seinen Lebenswandel zu verurteilen. Dass sie ihm Verständnis hätten entgegenbringen sollen, anstatt nur Forderungen an ihn zu stellen.
Späte Reue und doch kein gemeinsames Happy End
Als definitiv klar wird, dass Williams dem ersten Zusammentreffen nach zehn Jahren nicht beiwohnen wird, macht sich grosse Enttäuschung unter den vier anderen breit. Williams hat allerdings eine Videobotschaft für diesen Abend vorbereitet, in der er sich an jeden einzelnen richtet. In seiner Rede schlägt auch er versöhnliche Töne an. Er entschuldigt sich für die bösen Äusserungen über «Rivale» Barlow, dafür, dass Donald mit Selbstmord-Gedanken zu kämpfen hatte und allgemein für alles, was er mit seinem Weggang und dem darauffolgenden Ende von Take That ausgelöst hatte.
«For the Record» ist ein eindringlicher Film über fünf junge Männer, die als Teenager ganz oben waren, plötzlich auf dem Boden der Realität landeten und mit ebendieser fertig werden mussten. Schade, konnte Williams zum Zeitpunkt, als der Film gedreht wurde, nicht richtig zum Mitmachen bewegt werden. Er gibt zwar ein ausführliches Interview, seine Aussagen lassen aber die Tiefe und Einsichten vermissen, die seine ehemaligen Mitstreiter an den Tag legen.
Die Interviews, die man in den vergangenen Monaten von Williams lesen konnte, sind da um einiges intimer. Diese Tatsache macht erneut deutlich: Williams hat sich zwischenzeitlich meilenweit von den restlichen Take That weg entwickelt. So weit weg, dass er bei der Reunion der Band Ende 2006 nicht dabei sein wollte und es nun erneut lieber auf eigene Faust probiert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.11.2009, 17:20 Uhr
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