Schweizer Stadien zu klein für U2: Good News kapituliert
Von Mauro Guarise. Aktualisiert am 10.03.2009 36 Kommentare
Zu Wochenbeginn wurde der Tourplan der Rockgruppe U2 bekannt. Die Iren zählen immer noch zu den grössten Acts der Musikbranche, was sich in den Konzertorten spiegelt. In Mailand spielt U2 im Giuseppe-Meazza-Stadion, das über 80'000 Zuschauer fasst. Gar über 100'000 Zuschauer passen ins Stadion Camp Nou in Barcelona. Und was fällt sonst noch auf am Tourplan? Schweizer Konzerte sind keine geplant.
Keine Grosskonzerte ohne grosse Stadien
André Béchir, langjähriger Chef beim Schweizer Konzertveranstalter Good News, weiss warum. «Das U2-Management sagte uns, dass unsere Stadien zu klein sind. Sie wollen Orte mit einem Fassungsvermögen von 60 bis 70'000 Zuschauern». Laut Béchir kein Einzelfall. Als Schweizer Veranstalter in einem international umkämpften Markt bekommt er eines immer wieder zu hören: «Wenn ihr an der Situation nichts ändert, bekommt ihr keine Konzerte».
Béchir weist seit Jahren auf Versäumnisse in der Schweizer Stadiondiskussion hin. «Im Gegensatz zu andern Ländern wird in der Schweiz nicht miteinander geredet. Im Fall Letzigrund wollte die Politik unbedingt die EM durchbringen, hatte aber kein Gehör für weitere Verwendungsmöglichkeiten des Stadions.» Laut Béchir ist der Fussballbetrieb alleine für den Letzigrund nicht kostendeckend. «Mit einem grösseren Stadion hätte man dafür auch mal ein grosses Finalspiel bekommen.» So bleibt die Champions League, auch im Bereich Kultur, in weiter Ferne.
Oder doch? Letzigrund verhandelt mit Veranstaltern
Dabei ist gerade der Zürcher Letzigrund gar nicht so weit unter den Forderungen von U2. 50'000 Zuschauer passen ins Stadion, also nur knapp zu wenig. Und tatsächlich ist Stadionmanager Peter Landolt bereits in Kontakt mit mehreren möglichen Veranstaltern. «Aufgrund der Bühnenarchitektur sind wir die einzigen, zu denen U2 kommen könnte. U2 wäre für uns ein grossartiger Konzertauftakt», sagt Landolt und spielt darauf an, dass bisher keine Konzerte im Letzigrund stattfanden. Der Stadionmanager klingt optimistisch und meint, dass man einen Zuschlag im März bekommen müsste.
Es besteht also Hoffnung für Schweizer U2-Fans. Und wer würde das Zürcher Konzert veranstalten? Landolt hält sich diesbezüglich bedeckt. Klar scheint aber, dass nicht Good News das Rennen macht. Gut möglich, dass es ein ausländischer Veranstalter sein wird. Auf die Aussicht, in der Schweiz von ausländischen Konkurrenten ins Abseits gestellt werden, meint André Béchir: «Wir haben U2 früher einige Male veranstaltet. Heute spielt bei der Band nur noch Geld eine Rolle.» Das dürften dann auch die Schweizer Konzertgänger spüren. «Wir erreichen bei den Eintrittpreisen eine Schmerzgrenze. Wenn andere Veranstalter das verantworten wollen, muss ich das akzeptieren», so Béchir. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.03.2009, 11:54 Uhr
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