Ticketcorner zeigt Reue und holt Rat beim Konsumentenschutz
Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 22.10.2008 41 Kommentare
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Vielleicht wird man künftig nicht mehr von warmen Semmeln, sondern von AC/DC-Tickets sprechen, wenn sich etwas ausserordentlich gut verkauft. Denn am vergangenen Donnerstag waren die 13'000 Tickets bereits nach 29 Minuten weg. Ticketcorner verzeichnete 80’000 Zugriffe auf die Website sowie 90'000 Anrufe in den ersten fünf Minuten des Vorverkaufs. Server und Hotline waren überlastet. «So viele Internet- und Call-Center-Zugriffe hatten wir noch nie. Das war eine Ausnahmesituation», sagt Ticketcorner-Sprecher Christoph Soltmannowski.
Dass die Rechnung 13'000 geteilt durch 220'000 (so beziffert Ticketcorner die Zahl der Fans) nicht aufgeht, weiss jedes Schulkind. Unzählige Fans tippten sich vergeblich die Finger wund – und waren umso frustrierter, als sie erst verzögert erfuhren, dass die Tickets bereits ausverkauft sind. «Erst einige Minuten später konnten wir feststellen, dass der eigentliche Verkauf bereits um 8.29 Uhr abgeschlossen war – und die Meldung aufschalten», bestätigt Soltmannowski.
«Abzocke», «Sauerei»
Die enttäuschten Fans machen ihrem Ärger im Web Luft, sprechen von einer «Sauerei» und gar von «Abzocke». «Wir haben viele Reaktionen erhalten – vorwiegend von frustrierten und wütenden Fans» erklärt Soltmannowski, «es kam zu wüsten Beschimpfungen. Die Angestellten unseres Call Centers mussten sich einiges anhören.»
Unter anderem ärgerten sich Fans über die Tatsache, dass die Tickets nur online und per Telefon – und nicht in den Aussenstellen – verkauft wurden. «Natürlich haben wir volles Verständnis für die Verärgerung», so Soltmannowski, «wir erwarten aber auch Verständnis für unsere Situation und unsere Massnahmen.» In einem langen Schreiben bestehend aus 23 Punkten erklärt sich Ticketcorner nun den frustrierten AC/DC-Anhängern.
Auf alles eine Antwort
«Wir verstehen sehr gut, dass Sie enttäuscht sind», heisst es darin. Und weiter: «Wir möchten, dass Sie uns verstehen. Deshalb haben wir die meistgestellten Fragen hier zusammengefasst und beantwortet.»
Die Vorverkaufsstellen seien geschlossen worden, um einerseits Hamsterkäufe illegaler Tickethändler zu unterbinden und andererseits Ärger an den Schaltern zu verhindern, ist etwa zu lesen. Das klappte nur mässig: Bereits vor Beginn des Vorverkaufs waren bei ebay und ricardo Angebote für Tickets zu finden. Später kamen weitere mit zum Teil horrenden Preisen hinzu. Die «wahren Fans» fühlten sich veräppelt und ungerecht behandelt.
«Nicht kundenfreundlich»
Doch auch auf alle anderen Vorwürfe der Fans hat Ticketcorner eine Antwort parat. Ob das die Gemüter besänftigt?
«Das Verkaufssystem von Ticketcorner ist überhaupt nicht kundenfreundlich», findet jedenfalls der Schweizer Konsumentenschutz. Er verlangt, dass Ticketcorner gegen Zwischenhändler, die Abzocker-Preise verlangen, vorgeht. Ausserdem soll sie gewährleisten, dass künftig sowohl die Hotline als auch der Server einem grossen Ansturm standhalten. Gleichzeitig sollen Tickets auch am Schalter erhältlich sein.
Zusammenarbeit mit Konsumentenschutz
Beim Ticketcorner glaubt man jedoch nicht, dass man den Ansturm besser hätte meistern können. Wie Christoph Soltmannowski erklärt, will Ticketcorner jetzt aber das Angebot des Schweizer Konsumentenschutzes annehmen und mit ihm zusammenarbeiten. Eine schwarze Liste mit illegalen Tickethändlern führe man bereits.
Zum Vorverkauf für das Oasis-Konzert, der heute begonnen hat, sind die Aussenstellen wieder geöffnet. Soltmannowski: «Wir rechnen mit einem grossen Interesse, aber mit einem nicht ganz so hohen Ansturm wie bei AC/DC.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.10.2008, 18:56 Uhr
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