Viel Kaffee und etwas Melancholie
Leidenschaftlicher Kaffeetrinker und Musiker: Luk von Bergen, 30-jähriger Mundartpopsänger aus dem Berner Seeland. (Bild: Andreas Blatter)
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In der Polo-Hofer-Phase, da war er gerade 14 Jahre alt, hat Luk von Bergen schon einmal berndeutsche Lieder geschrieben. Er gab es schnell wieder auf, die Texte gerieten ihm zu persönlich. Es kam die Guns-’n’-Roses-Phase, dann die Oasis-Phase. Die berndeutsche Musik rückte in weite Ferne, Luk von Bergen versuchte sich mit Britpop und gab mit einer Band, «von der niemand auch nur den Namen kennt», eine englischsprachige CD heraus. Er brauchte Jahre, um wieder zum Berndeutschen zurückzufinden. Das war 2008. Nun veröffentlicht der 30-jährige Seeländer sein erstes Album.
«Blaumaler» ist ein melancholisches Mundartalbum, eingängig und mit ehrlichen und berührenden Texten. Der Auslöser war eine schwere Trennung. «Da ist gefühlsmässig viel herausgebrochen», sagt Luk von Bergen, «und plötzlich konnte ich berndeutsche Texte schreiben, plötzlich wirkten sie nicht mehr peinlich, so wie vorher.» Das Lied «Blaumaler» zum Beispiel, mit Zeilen wie «I cha zwar nid flüge, aber i hange i dr Luft / und das no lieber, als dassi ufem Bode liege / i schmiede Plan B, wo niemer wott gseh / i hüüle mit de Wölf, jede Tag isch füf vor zwölf» ist damals entstanden. Poppig zugänglicher Liebesschmerz.
«Ich bin mit Pop aufgewachsen», sagt der Musiker, der Gitarre, Mundharmonika und Klavier spielt, «warum sollte ich das verleugnen? Ich habe gerne grosse Refrains, melodiöse Lieder.» Und Pathos? «Das auch», sagt er lachend und bestellt eine zweite Tasse Kaffee.
Vom Frager zum Befragten
Luk von Bergen sitzt frühmorgens in einer Beiz und wird interviewt. Eine neue Situation für ihn. Luk von Bergen, in Kallnach aufgewachsen, arbeitet seit Jahren als Radiomoderator. Zuerst in Biel bei Canal 3, später bei BE1 und seit vier Jahren bei Radio Energy in Zürich. Die Morgenshow dort startet um fünf Uhr und mit viel Kaffee, durchschnittlich sechs Tassen pro Morgen. Schon nur, damit die Hände etwas zu tun haben. Auch jetzt wird die Tasse häufig gekippt, während er Fragen beantwortet. «Komisch», sagt er, «ich bin es gewohnt, blöd zu fragen, ich will alles von den anderen wissen, gebe aber nicht gerne etwas von mir preis.»
Und was meinen die Radiokollegen dazu, dass er plötzlich Musik macht? Es bleibt einen Augenblick still.
«Die sagen: gut!» Luk von Bergen bricht in Gelächter aus. «Viele Leute sind mir wohlwollend gesinnt», fügt er dann an. Und zu Randzeiten werde er auch auf Radio Energy gespielt. «Nicht, weil sie mich kennen, sondern nur dann, wenn die Musik ins Format passt. Ich möchte nicht einen Bonus ausnützen.»
Und es gebe auch Nachteile, weil er die Radio- und Musikwelt so gut kenne: «Ich bin zu fest im Kuchen drin, als dass ich Hühnerhaut kriegen würde, wenn ich einen Song von mir am Radio höre», sagt er. «Das wäre komplett anders, wenn ich es neutral erleben würde.»
Immerhin aber weiss er durch seine Tätigkeit bei einem Privatradio, was bei der Mehrheit ankommt. Auch wenn er dem widerspricht: «Man kann nicht A und B zusammenzählen und dann ein Produkt generieren, das die Leute hören wollen. Es ist immer unberechenbar, ob etwas ankommt oder nicht», sagt der Musiker. Er nimmt einen Schluck Kaffee und denkt kurz nach. «Um ganz ehrlich zu sein: Ich möchte gerne coolere Musik machen. Rotziger, rockender, frecher. Aber wenn ich hinsitze und Lieder schreibe, kommt etwas anderes heraus.» Mundartpop, eben.
Ähnlichkeit zu Büne Huber
Und für den braucht es halt auch das richtige Timing. Genau das ist heute, bei einigen übermächtig grossen Namen der Berner Mundartszene, ziemlich schwer. Oft bleiben durchschnittliche bis gute Berner Bands im Schatten der grossen Handvoll. Oder sie werden ständig mit ihnen verglichen.
So gibt es auch jetzt bereits einzelne Stimmen, die Luk von Bergens Musik textlich in der Nähe von Büne Huber anordnen. Ein Vergleich, der bei einigen der passenden und fantasievollen Metaphern von Luk von Bergen nicht ganz abwegig ist. Zum Beispiel in «Gold & Silber», das anfängt mit: «I ha kämpft i jedere Schlacht / i ha ds meischte für mi und vieles für d Füchs gmacht».
«Natürlich wird automatisch verglichen», sagt Luk von Bergen, «das mache ich selbst auch, wenn ich andere beurteile.» Er finde es aber peinlich, wenn offensichtlich kopiert werde, sei es stimmlich, musikalisch oder textlich. «Ich mache mein eigenes Ding», sagt er abgeklärt und bestellt eine weitere Tasse Kaffee.
CD Luk von Bergen – «Blaumaler», Nation Music. (Berner Zeitung)
Erstellt: 07.04.2011, 08:09 Uhr
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