Kultur

Wie Louis Armstrong die DDR-Spitze wegblies

Der amerikanische Trompeter tourte während des Kalten Kriegs in der DDR - was zu bizarren Szenen führte. Organisiert wurde die Tour von einem Schweizer Geschäftsmann.

1/5 Besuch aus dem Westen: Armstrong mit SED-Funktionären beim Apéro.
Verlag Neues Leben / Tassilo Leher

   

Buch

Stephan Schulz: What a Wonderful World – Als Louis Armstrong durch den Osten tourte. Neues Leben, Berlin; 256 Seiten.

Er war der König des Jazz, seine Klassiker wie «What a Wonderful World» gehören in jedes Plattenregal. Was viele nicht wissen: Im Frühjahr 1965 ging Louis Armstrong hinter dem Eisernen Vorhang auf Konzertreise durch die DDR und bezauberte Zehntausende Menschen bei 17 umjubelten Konzerten in grossen Sport- und Kongresshallen.

Der Magdeburger Journalist Stephan Schulz hat sich auf die Spuren des US-Stars in Ostdeutschland begeben, zwei Jahre in Archiven recherchiert und Zeitzeugen befragt. Sein Buch «What a Wonderful World: Als Louis Armstrong durch den Osten tourte» stellt er auf der Leipziger Buchmesse (18. - 21. März) vor.

Der Autor beschreibt, wie es der Künstleragentur trotz Devisenmangels gelang, den weltweit umschwärmten Trompeter und Sänger (1901-1971) zur Hoch-Zeit des Kalten Kriegs in die DDR zu holen. Oder wie «Satchmo» nach einer Panne seines Tourbusses im Provinznest Genthin im damaligen Bezirk Magdeburg landete und in einer Kneipe mit dem Wirt ein Bierchen zischte. Oder wie sich die Stasi in Leipzig gegen befürchtete Ausschreitungen jugendlicher Jazz-Fans wappnete - zu denen es nicht kam.

Die «Schmid Productions»

Ob Ost-Berlin, Magdeburg, Erfurt, Leipzig oder Schwerin: Überall konnten die Menschen es zunächst nicht glauben, als sie in der Zeitung von der bevorstehenden Armstrong-Tour lasen. Geduldig reihten sie sich in endlos scheinende Schlangen vor den Vorverkaufsstellen ein, berappten für damalige Zeiten happige Eintrittspreise. Belohnt wurden sie mit einer unvergesslichen Show, die selbst stramme Parteigenossen schnell ansteckte: «Satchmo kam, blies und siegte», jubelte das SED-Organ «Neues Deutschland» in ungewohnt flapsiger Art.

Seine Gage erhielt Armstrong übrigens vom Schweizer Werner Schmid, dessen Firma «Schmid Productions» für die Tour verantwortlich war. Der umtriebige Geschäftsmann soll im Gegenzug die Erlaubnis erhalten haben, in der devisenschwachen DDR Antiquitäten und optische Geräte von Carl Zeiss in Jena zu erwerben. (phz)

Erstellt: 31.03.2010, 15:12 Uhr

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