«Wir lieben dich alle»: So trauert die Welt um Michael Jackson
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 26.06.2009 139 Kommentare
Artikel zum Thema
Die Onlinemagazine ehren Michael Jackson. «Ein Leben voller Fantasie, voller Tragödie», schreibt die «L. A. Times» – inmitten der trauernden Menschen, die sich rund um die Stadt der Engel versammeln, um Jacksons zu gedenken. Bildergalerien, Essays, Lebensschauen widmen sich der Achterbahn seines Lebens. CNN sendet ununterbrochen Puzzleteile: Janet Jackson, die über ihren Bruder spricht, der zehnjährige Michael mit seinen Brüdern auf der Bühne, der weiss-sockige Traumtänzer der 1980er-Jahre.
In Ländern rund um den Globus strahlen die Fernsehsender in diesen Stunden Bilder aus dem Leben des ersten wahren Weltstars aus. Von den Strassen Malaysias über die Zeltplätze des britischen Glastonbury-Festival, von australischen Schulzimmern bis in die Hauptstadt Venezuelas: Die Menschen trauern, ziehen durch die Strassen – und hören Musik. Innerhalb weniger Stunden wurde Jacksons «Thriller» zum meistgekauften Album im Musikportal iTunes. Der Musiksender MTV, der mit Michael und Michael mit ihm gross wurde, spielt Jackson.
5000 Tweets pro Minute
Auf Twitter schreiben Menschen weltweit seit Mitternacht Trauerbotschaften. «Ich habe ihm in meinem Haus einen Altar gebaut», schreibt ein Mann. Und auch Promi-Twitterer wie Demi Moore ehren Jackson: «Ich bin tieftraurig, vor allem wegen seiner Kinder.» Ihr Mann Ashton Kutcher fügt eine Bitte an: Die Presse möge die Anonymität seiner Kinder respektieren - so, wie er es zu seinen Lebzeiten gewünscht hatte. 5000 Nachrichten pro Minute schickten die Menschen in der Nacht über Twitter. «Die Tweets haben sich innerhalb von Sekunden nach der Nachricht gegenüber der normalen Belastung verdoppelt», wird Mitgründer Biz Stone in der «L.A. Times» zitiert. «So etwas haben wir ausser bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen noch nie erlebt.»
Die vielen Botschaften legten den Kurznachrichtendienst lahm, wie die britische «Times» und verschiedene amerikanische Medien schreiben – doch die Ingenieure hätten sofort reagiert und die Kapazität kurzfristig erhöht.
«Wir lieben dich alle»
Doch nicht nur Twitter kam ob der schieren Besucherlast ins Wanken: Sämtliche nordamerikanische Onlineseiten verzeichneten gemäss der verbreiteten Akamai-Statistik 20 Prozent mehr Besuche als üblich. Besonders stark besucht ist Facebook. Innerhalb weniger Minuten nach dem Tod Michael Jacksons blitzten auf der Kommunikationsplattform Gruppen auf – weit über 500 nach kurzer Zeit. Die Besuche der Seite haben sich gegenüber der üblichen Nutzung verdreifacht, wie die Betreiber meldeten. Das soziale Netzwerk scheint vielen Menschen der ideale Ort, um sich mit anderen Trauernden auszutauschen.
«Du wirst für immer in unseren Herzen sein, wir lieben dich alle», schreibt die Französin Jessica Cabouret. «Lasst Michael Jackson nicht sterben», sagt die Türkin Güksel Beyhan. «Ich will es einfach nicht glauben.» Viele Menschen finden kaum Worte: «Ich bin schockiert», heisst es tausende Male aus allen Himmelsrichtungen.
Tänze und Mahnwachen für das Idol
Wie in der realen Welt getrauert wird, tragen Korrespondenten der Nachrichtenagenturen zusammen – und schicken es weiter um den Globus. In Mexico City habe sich die Nachricht vom Tod Michael Jacksons wie ein Lauffeuer von Mund zu Mund verbreitet, berichtet ein Reporter der Nachrichtenagentur AP. Die 18-jährige Gymnasiastin Yael Perez sagte ihm, sie sei schockiert gewesen, ihre zwei Freundinnen hätten es ihr unter Tränen erzählt. Der 30-jährige Jackson-Imitator Esteban Rubio habe dem Vorbild eine spontane Strassen-Hommage erwiesen. «Ich bin so traurig, als ob ein Teil meines Lebens abgerissen wäre», zitiert der Korrespondent Rubio.
«Er war wirklich ein Superstar»
In Brasilien sagte der Filmregisseur und Musiker Felipe Machado einem Journalisten, Jackson sei «vielleicht der beste Darsteller gewesen, den es je gegeben hat». In der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur sagte der 33-jährige Hafiz Mustapha dem hiesigen AP-Korrespondenten, Jackson habe auch die Modewelt beeinflusst. «Von seiner auffälligen roten Jacke über seinen Haarschnitt bis zu seinen Hosen über den Knien - es ist wirklich traurig, dass er jetzt gegangen ist.»
Besonders für die Japaner, die Michael Jackson heiss liebten, kam die Nachricht wie ein Schock, berichtet der Reporter aus Tokio. «Alle haben versucht, ihn zu kopieren. Er war wirklich ein Superstar», zitiert er die Musikkritikerin Michiko Suzuki. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.06.2009, 13:43 Uhr
Kommentar schreiben
139 Kommentare
ich bin geschockt. Parallelen zu Elvis Presley's Tod tauchen auf. Einige Kommentare finde ich niveau- und pietätlos. Er hat mir als Mensch leid getan, er war innerlich zerrissen zwischen Starsein und Ruhe, er irrte durch die Welt,. auf seinen Karrierehöhepunkten jubelten sie ihm zu, auf seinen Tiefschlägen liessen sie sich über ihn aus. Er war ein Genie, aber auch ein Opfer des Ruhmes. Antworten
Kultur
Kultur
Meistgelesen in der Rubrik Kultur
Internet auf dem Fernsehen: Der Trend geht klar in diese Richtung. Werden Sie sich einen Smart TV kaufen?
Ja, auf jeden Fall
Nein, interessiert mich nicht
Erst wenn die Geräte billiger geworden sind
Ich habe schon einen
3308 Stimmen





























































































































