Schafft diese Schweizer App den Sprung ins Silicon Valley?

Ein Basler Start-up hat eine Marktneuheit entwickelt: die communitybasierte Augmented-Reality-App Tagxy. Mit ihr soll Städte entdecken zum Supererlebnis werden.

Alles auf dem Radar: So sieht die Benutzeroberfläche der Tagxy-App aus. Bild: zvg

Alles auf dem Radar: So sieht die Benutzeroberfläche der Tagxy-App aus. Bild: zvg

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Das Basler Start-up Tagxy verleiht seinen Usern eine ganz besondere Macht: die Augmented Reality. Laut Jonas Schwarz, dem CEO der Firma, haben Smartphone-Benutzer zum ersten Mal in der Geschichte dieser Technologie die Möglichkeit, über die Handykamera Orte und Objekte zu markieren und diese mit nützlichen oder spannenden Inhalten anzureichern. Zum Beispiel den besten Club der Stadt mit einem Partyvideo. Beliebte Social-Network-Funktionen wie liken, teilen, kommentieren und private Nachrichten versenden ermöglichen dabei eine bi- und multidirektionale Kommunikation. Die App lässt sich auch mit Facebook oder Twitter verbinden.

Augmented Reality – Erweiterte Realität

Unter Augmented Reality, kurz AR, versteht man die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. Diese Information kann alle menschlichen Sinnesmodalitäten ansprechen. Häufig wird jedoch unter erweiterter Realität nur die visuelle Darstellung von Informationen verstanden, also die Ergänzung von Bildern oder Videos mit computergenerierten Zusatzinformationen oder virtuellen Objekten mittels Einblendung/Überlagerung. Bei Fussball-Übertragungen ist erweiterte Realität beispielsweise das Einblenden von Entfernungen bei Freistössen mithilfe eines Kreises oder einer Linie. (Wikipedia)

Bisher seien die Informationen, welche man über Augmented-Reality-Apps wie beispielsweise Blippar oder Layar erhielt, immer werbegetrieben gewesen. Das interessiere keinen Menschen, sagt Schwarz. Ausserdem sei es meist Zufall, dass man solche Werbungen überhaupt entdecke, was dazu führe, dass man die App bald wieder lösche.

Deshalb entwickelte Schwarz gemeinsam mit den beiden Mitgründern Fredrik Gundelsweiler und Stéphane Gay-Lang die App Tagxy und lässt die Community die Inhalte generieren. Wer 2015 noch «etwas reissen» wolle im Augmented-Reality-Markt, der müsse die Information dahin bringen, wo sie hingehöre, und das sei eben ein Ort oder ein Objekt. Und das funktioniere auch nur, wenn die Information persönlich hinterlegt wurde, und nicht aus bezahlter Sichtbarkeit.

Trotzdem bietet Tagxy auch Unternehmen eine Lizenz an, die diese berechtigt, wie gewöhnliche User, Orte oder Objekte zu taggen. Das sei Teil des Geschäftsmodells und garantiere eine qualitativ bessere und kreativere Werbung. Unternehmen könnten beispielsweise eine Schnitzeljagd via Tags organisieren. Am Ende winkt ein Preis.

Das Jungunternehmen hat wie jedes Start-up eine grosse Vision. Dereinst soll Tagxy eine Art besserer Reiseführer werden. In der App werden auf einem Radar alle vorhandenen Tags innerhalb der sogenannten Walking Distance (ein Kilometer) angezeigt. Wenn jemand zum Beispiel Ferien in New York macht, dann soll er dank der App nicht im Touristenstrom hängen bleiben, sondern schnell zu den Geheimtipps finden, die ansonsten nur den Locals vorbehalten wären. «Das schafft man heute nicht mehr mit Facebook, nicht einmal mit Google oder Tripadvisor. Dafür bietet sich die Augmented Reality am besten an», so Schwarz. Ausserdem werde auf der Website bald schon eine Weltkarte aufgeschaltet, die alle Tags weltweit anzeige. Für kurze Zeit wird diese auch In-App verfügbar sein.

Glauben an ihre Vision: Die drei Tagxy-Gründer Jonas Schwarz (CEO), Stéphane Gay-Lang (COO) und Fredrik Gundelsweiler (CTO).

Die Eroberung des Weltmarkts ist zwar zum jetzigen Zeitpunkt noch utopisch, aber nicht komplett unrealistisch. Erreichen die drei Unternehmer ihre selbst definierte kritische Masse von 20'000 Benutzern, könne man damit auf Investoren zugehen. Nur schon eine halben Million Franken würde reichen, um die Vision im Silicon Valley «grösser zu erzählen».

20'000, das sei ein harter Brocken, obwohl diese Grössenordnung auch für die Schweiz wenig sei. 300'000 brauche man hierzulande, um in den Top 5 gelistet zu werden. Jedenfalls sei man weit vom eigenen Ziel entfernt. Denn ausser einer Facebook-Seite betreibt Tagxy aus finanziellen Gründen keine Werbung. Jedoch dürfe man sich bald schon auf einige Guerilla-Aktionen freuen.

300'000 Franken investiert

Vorerst mangelt es aber noch an allem. Rund 300'000 Franken haben die drei in die Entwicklung der App gesteckt. «Wir haben jetzt unsere gesamte Kriegskasse verpulvert, um das Produkt fertigzustellen.» Nun müsse sich die App erst einmal im deutschsprachigen Raum in Europa bewähren, bevor man ganz oben im Silicon Valley anklopfe.

Schwarz bleibt aber realistisch: «Es gibt nur ganz wenige, die es im Augmented-Reality-Bereich schaffen.» Bald wird sich zeigen, ob das Produkt ein Bedürfnis getroffen hat. Sei es bei den Benutzern oder auf Investorenseite. «Sonst hatten wir einfach eine glatte Zeit zu dritt, in der wir sehr viel gelernt und einen interessanten Datenpool geschaffen haben.»

Ursprünglich war eigentlich eine Anti-Littering-App geplant. Während des einjährigen Entwicklungsprozesses wandelte sich dieser Plan jedoch in einen völlig anderen um. Zwei Jahre und 22'000 Codezeilen später konnte Tagxy schliesslich am 24. Juli seine marktreife App veröffentlichen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.08.2015, 13:25 Uhr

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