Christoph Marthalers «Vec Makropulos» in Salzburg bejubelt
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«Vec Makropulos» («Die Sache Makropulos») aus dem Jahr 1922 nach einer Komödie von Karel Capek ist bereits Marthalers zweite für die Salzburger Festspiele inszenierte Leos-Janacek-Oper nach der ebenfalls bejubelten «Katja Kabanova» im Jahr 1998.
In der Sache Makropulos platzt die Opernsängerin Emilia Marty in einen seit hundert Jahren geführten Erbschaftsstreit. Sie liefert Dokumente, die die verworrenen Familienverhältnisse der Streitparteien erhellen. Nach und nach offenbart sich, dass sie alle miteinander verwandt, ja sogar Nachkommen von Emilia sind. Die ist nämlich 337 Jahre alt und weiss, wovon sie redet.
Die Sache Makropulos steht für die Erfindung eines das Alter extrem verzögernden Elixiers. Und sie ist der Beginn von künstlerischem Erfolg und zugleich extremer Einsamkeit und Leere. «Alles ist mir gleich, das Gute und das Schlechte», singt Emilia am Ende und zerstört die Formel des Elixiers. Der Tod hat eben doch seinen Sinn.
Zurückhaltend und mehrdimensional
Christoph Marthaler belastet die Sänger nie mit den Klang beeinträchtigenden Bühnenaktionen, sondern führt sie zurückhaltend und feinfühlig. Es beginnt mit einem witzigen Vorspiel, einem amüsanten Kommentar zur Frage, wer denn entscheiden sollte, wer eines solchen Elixiers würdig wäre.
Es folgt eine Vielzahl kommentierender Seitenhandlungen und Detailgeschichtchen, von denen sich nicht alle, aber die meisten genial ins Ganze fügen, den Hauptstrang ergänzen und diese Regie immer mehrdimensional wirken lassen.
Dieses Attribut gilt vor allem auch für die Bühne von Anna Viebrock. Sie hat einen grosszügigen und variantenreichen, für alle drei Akte nutzbaren Raum gestaltet – Gerichtssaal, Altersheim, Wohnzimmer, Opernhaus und Hotelzimmer zugleich.
Volltreffer
Die Wiener Philharmoniker und Dirigent Esa-Pekka Salonen haben gut gearbeitet. Der Klang ist eher hart und direkt, was der Janacek- Partitur zu Transparenz und Verständlichkeit verhilft, nicht aber zu Sinnlichkeit.
Der Schlussapplaus an der Premiere war lang und herzlich, auch für das insgesamt gute Solistenensemble, aus dem Hauptdarstellerin Angela Denoke herausragte. Sie bewältigt die mit Abstand grösste Partie der Oper mit technischer und musikalischer Souveränität – grosser Klang, trotz teilweise wuchtiger orchestraler Konkurrenz nie angestrengt, rund und ausgeglichen, egal ob in tiefer, mittlerer oder hoher Lage.
Insgesamt kann die mit der Polnischen Nationaloper koproduzierte «Vec Makropulos» als Volltreffer bezeichnet werden. Zumindest ist sie die kompakteste Oper dieses Festspielsommers. Und eine in allen Bereichen des Musiktheaters interessante, zu Recht bejubelte Produktion. (net/sda)
Erstellt: 11.08.2011, 15:20 Uhr
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