Kultur

«Der Selbstmord war seine letzte grosse Inszenierung»

Von Daniel Arnet. Aktualisiert am 17.11.2011 2 Kommentare

Gelächter über den Tod? Das Theater Basel nimmt Kleists 200. Todestag zum Anlass, um sein einziges Lustspiel, den «Zerbrochnen Krug», auf die Bühne zu bringen.

1/12 Eines der meistgespielten Stücke: Die Inszenierung des «Zerbrochnen Krug» im Theater St. Gallen aus dem Jahre 2001.
Bild: Keystone

   

Heinrich von Kleist: «Der zerbrochne Krug»

Premiere am 9. Dezember 2011 auf der Kleinen Bühne im Theater Basel.

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Es ist ein beglückender und kein trauriger Umstand, dass wir Heinrich von Kleists Todestag feiern. Das zumindest findet Ronny Jakubaschk, der im Theater Basel Kleists «Zerbrochnen Krug» auf die Bühne bringen wird. «Der Dichter wird in diesen Tagen als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter wahrgenommen», sagt der 32-jährige Regisseur: «Seine Werke werden gelesen, aufgeführt, verfilmt, diskutiert, wertgeschätzt.» Die Premiere in Basel ist am 9. Dezember.

«Eine grossartige Erfindung»

Bereits am kommenden Montag jährt sich der Todestag von Heinrich von Kleist zum 200. Mal: Damals beging der glücklose Dichter zusammen mit der krebskranken Henriette Vogel am Berliner Wannsee einen Doppelselbstmord. Er schoss ihr zunächst in die Brust, dann sich in den Mund – genauso, wie die beiden Protagonisten in seiner Erzählung «Die Verlobung in St. Domingo» aus dem Leben scheiden.

«Diese letzte Handlung war seine letzte grosse eigene Selbstinszenierung», sagt Jakubaschk. «Und das wird auch Thema unserer Arbeit sein: Wie inszenieren sich Figuren? Wie stellen sie sich dar? Wie verstellen sie sich?» Für diese Fragestellungen gibt der «Zerbrochne Krug» genug Stoff her, geht es doch darin zentral um den Richter Adam, der seine eigene Verfehlung vertuschen will.

«Ein Richter, der gezwungen ist, über sich selbst zu Gericht zu sitzen – das ist eine grossartige Erfindung und eine groteske Ausgangssituation, die komisches Potenzial birgt», sagt Jakubaschk. Auch wenn das Theaterstück 1808 bei seiner Weimarer Uraufführung in der Regie von Johann Wolfgang von Goethe durchfiel, trug die schwankartige Konstellation zu seinem nachhaltigen Erfolg bei: «Der zerbrochne Krug» ist eines der meistaufgeführten Lustspiele im deutschsprachigen Raum.

Schneller, moderner, klüger

Ronny Jakubaschk findet den «Krug» allerdings nicht wirklich lustig: «Wie sich der Richter mit all seinen Möglichkeiten windet, seine Schuld einzugestehen, das hat etwas Widerwärtiges und Erbärmliches.» Bei aller Kunstfertigkeit der Sprache ermüde das unausgesetzte Missverstehen, weil es die Figuren zunehmend dümmer erscheinen lasse. Jakubaschk will deshalb in seiner Inszenierung nicht um Sympathien für den korrupten Richter werben, keine zänkische Mutter zeigen, die ihrer Tochter zum Selbstmord rät, und auch keinen Bräutigam auftreten lassen, der seine Braut als Hure beschimpft.

Die neue Basler Inszenierung soll die Figuren schneller, moderner und klüger machen. Deshalb will Jakubaschk seine Schauspieler dazu anhalten, dass sie eine Rolle spielen, die einem äusseren Zwang unterliegt. Jakubaschk: «Das interessiert mich, wenn ich davon ausgehen kann, dass die Figuren gerade nicht so handeln können, wie sie handeln wollen würden.» Ein Vorgang, der derzeit in Europa zum politischen Tagesgeschehen gehöre.

Gegenwärtigkeit erkennt Jakubaschk auch in der sexuellen Nötigung des Richters Adam gegenüber Eve: «Zeitlos gültiger kann ein über zweihundert Jahre alter Text ja kaum sein.» Da diese Aktualität ein Schwerpunkt der Basler Inszenierung sein wird, darf Jakubaschk auf einen grossen Publikumsaufmarsch hoffen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.11.2011, 13:50 Uhr

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2 Kommentare

andreas furrer

17.11.2011, 14:21 Uhr
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macht ist machtmissbrauch, und das geht weit über das theater hinaus (kleist ist das beste beispiel dafür). Antworten


Leo Guri

17.11.2011, 15:06 Uhr
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Es wäre wünschenswert das Wort Selbstmord durch Suizid zu ersetzen. Einfach nur aus Respekt für die Leute die einen geliebten Menschen durch Suizid verloren haben. Antworten




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