Kultur

«Ist Hirschmann tragbar?»

Von Daniel Arnet. Aktualisiert am 14.03.2011 19 Kommentare

Kultur mit Carl: Jetsetter Carl Hirschmann hatte heute einen skurrilen Auftritt im Zürcher Neumarkt und sagte, weshalb er seinen ehemaligen Club Saint Germain dem Theater zur Verfügung stellt.

Club-Kultur: Barbara Weber, Rafael Sanchez, Carl Hirschmann.


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Eine Minute Kultur mit Carl Hirschmann: In dezent grauer Kleidung mit assortierter Krawatte sass der 30-jährige Milliardärssohn heute Morgen neben den Leitern des Theaters Neumarkt und gab ein kurzes Statement ab, weshalb er seinen ehemaligen Club Saint Germain bis Ende Juni für Inszenierungen zur Verfügung stellt.

«Es ist mir eine grosse Ehre, hier zu sein und das Theater Neumarkt unterstützen zu dürfen», sagte Hirschmann. Er sei sich bewusst, dass das Projekt kontrovers erscheine, doch genau das soll Kunst und Kultur erreichen: «Fragen aufwerfen, Diskussionen anregen, gesund provozieren und die soziokulturellen Grenzen wenn nicht aufheben, so doch zumindest verwässern.»

Er warf gleich selbst eine provokative Frage auf: «Ist Hirschmann tragbar?» Und im Brustton der Überzeugung gab er gleich die selbstbewusste Antwort: «Ja, das bin ich, solange mein Strafregister leer ist, und das ist es zum heutigen Tage noch.» Damit deutet er an, dass gegen den streitbaren Ex-Clubbetreiber noch Strafverfahren ausstehen.

Warhol im Club inszenieren

Hirschmann lobt daraufhin das Theater Neumarkt für seine Offenheit und pries die Kooperation als Weiterführung seiner Idee. «In meinen Augen gehört das Nachtleben zum Kulturangebot jeder Stadt», sagte Hirschmann, «und somit ist dieses Projekt die Verfolgung des vor Jahren eingeschlagenen Wegs, die Kultur dieser Stadt mitprägen zu dürfen, auch wenn es auf meine eigene Art ist.»

Nach diesen Worten stand er auf und verabschiedete sich respektvoll und wünschte allen einen schönen Tag. Ein paar Journalisten, die augenscheinlich nur wegen ihm zur Pressekonferenz kamen, schlichen sich danach auch aus dem Saal, was Theaterleiterin Barbara Weber mit den Worten quittierte: «Nun gehen alle.» Alle gingen nicht. Die Verbliebenen waren gespannt, was die Theaterleute antrieb, diese Kooperation einzugehen.

Barbara Weber und Rafael Sanchez, die Co-Direktoren des Theater Neumarkt, waren für die Produktion «A. N. D. Y.» über den Party-Löwen Andy Warhol auf der Suche nach einem geeigneten Spielort. Als sie hörten, dass das Saint Germain seit Januar diesen Jahres geschlossen ist, nahm die Theaterleitung Kontakt mit dem Milliardärssohn auf.

Das Saint Germain versauen

«Über Geld haben wir nur einmal gesprochen», sagt Theater-Co-Direktor Rafael Sanchez. Hirschmann habe ihm damals gesagt: «Ihr könnt euch den Club eh nicht leisten, also schenke ich ihn euch.» Es ist ein zeitlich beschränktes Geschenk bis Ende Juni 2011, doch für diese Zeit muss das Theater Neumarkt keine Miete bezahlen.

Weber und Sanchez freuen sich, dass sie dort hoch oben im Bally-Gebäude an der Bahnhofstrasse 66 mit verschiedenen Inszenierungen und Aktionen für ein bisschen Lärm sorgen dürfen. Selbst Lesungen mit Suppenküche für alle sind dort eingeplant. Sanchez: «Die Suppenküche im Saint Germain, die nur kurz benutzt wurde, werden wir nun versauen.»

Auf der anderen Seite will sich der skandalträchtige Carl Hirschmann mit dem Kulturengagement wohl eine Image-Korrektur verschaffen – zumindest bis zum nächsten Konflikt mit dem Gesetz.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.03.2011, 13:55 Uhr

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19 Kommentare

Simon Vonlanthen

14.03.2011, 15:29 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Der Begriff "Milliardärssohn" ist nicht mehr treffend, sein Vater ist kürzlich verstorben, als Folge davon wurde der Nachtclub geschlossen. Denke mit einem solchen Erbvermögen braucht sich niemand eine Imagekorrektur zu kaufen. Warum kann eine Geste nicht einfach als eine solche akzeptiert werden? Antworten


Peter Müller

14.03.2011, 13:56 Uhr
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Der letzte Satz dieses Beitrages bringt es wohl auf den Punkt. Antworten




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