Opernhaus holt Sänger aus Gotthardstau – per Helikopter
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Immer, wenn vor der Vorstellung jemand auf die Bühne tritt und eine Ansage macht, so bedeutet dies nichts Gutes. In Zürcher Oper stellt sich normalerweise Direktor Alexander Pereira persönlich vor seine Gäste. Dieser weilt zurzeit jedoch im Ausland, so übernahm diese Rolle gestern vor der «Tosca»-Aufführung der Künstlerische Betriebsdirektor Grischa Asagaroff. Seine schlechte Nachricht: Starbariton Thomas Hampson habe um 10 Uhr wegen einer Halsentzündung seinen Auftritt absagen müssen. Die gute: Es habe kurzfristig ein Ersatz gefunden werden können – unter abenteuerlichen Umständen.
In Zürich stand kein Sänger zur Verfügung, der die Rolle des Bösewichts Scapia beherrscht – und mit Thomas Hampson einen der angesehensten Baritone weltweit mehr oder weniger gleichwertig ersetzen könnte. Fündig wurden die Opernhaus-Leute in Turin. Lucio Gallo ist der Rolle mächtig, hat in einer früheren Version derselben Inszenierung in Hamburg bereits einmal mitgewirkt und war zufälligerweise an diesem Tag frei. Da keine Linienflüge verfügbar waren, setzte er sich mit einem Chauffeur ins Auto in Richtung Zürich. Kurz nach 17 Uhr klingelte im Opernhaus das Telefon. Gallo steckte vor dem Gotthardtunnel im Stau fest, und in zwei Stunden sollte die Vorstellung losgehen.
Polizeiboot diesmal nicht nötig
Kurzerhand schickte das Opernhaus einen Helikopter, der den Sänger aus dem Stau auf die Landiwiese in Zürich-Wollishofen flog. «Die Behörden zeigten sich sehr kooperativ mit der Landeerlaubnis», sagt Grischa Asagaroff gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz. Die Vorstellung konnte mit nur 15 Minuten Verspätung beginnen. Wie mehrere Zuschauer bestätigen, soll Gallo seine Aufgabe trotz minimaler Vorbereitungszeit souverän und unter begeistertem Applaus gemeistert haben.
Asagaroff rechtfertigt den grossen Aufwand: «An dem Abend waren auch TV-Aufzeichnungen geplant, eine Absage der Aufführung hätte uns daher rund 200'000 Franken gekostet. Da sind die rund 3000 bis 4000 Franken für einen Helikopter ein Klacks dagegen.» Intendant Alexander Pereira sei telefonisch immer mit ihm im Kontakt gewesen. Seit 17 Jahren arbeitet Asagaroff am Opernhaus, bisher gab es erst einmal einen ähnlichen Fall. Vor über 10 Jahren musste ein Dirigent kurzfristig per Helikopter eingeflogen werden, damals war die Zeit jedoch noch knapper, ein Polizeiboot musste ihn von der Landiwiese ins Opernhaus über den See eskortieren.
Update 16 Uhr: Heli Gotthard AG teilt mit, dass der Flug von Lucio Gallo nicht 3000 bis 4000 Franken, sondern Fr. 1596.00 inkl. MwSt. gekostet hat. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)
Erstellt: 17.04.2009, 16:07 Uhr
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