Kultur

Schauspielhaus führt Burkhards «D'Zäller Wiehnacht» auf

Aktualisiert am 26.11.2011

Mit dem Musical «Die kleine Niederdorf-Oper» wurde er berühmt. Dieses Jahr wäre Paul Burkhard 100 Jahre alt geworden. Das Schauspielhaus Zürich feiert seinen Geburtstag mit einer Neuinszenierung.

Starb 1977: Paul Burkhard in seinem Arbeitszimmer in Zell ZH. (Archivbild)

Starb 1977: Paul Burkhard in seinem Arbeitszimmer in Zell ZH. (Archivbild)
Bild: Keystone

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Am 21. Dezember wäre der Schweizer Komponist Paul Burkhard 100 Jahre alt geworden. Daran erinnert das Schauspielhaus Zürich mit einer Neuinszenierung des Krippenspiels «D'Zäller Wiehnacht». Der ebenso witzig-ironische wie besinnliche Abend begeistert. Der dreiteilige Christbaum ist künstlich und lässt sich zusammenstecken. Strahlend steht er im Licht, geschmückt mit Äpfeln. Einer ist angebissen, was der Tanne ein wenig die weihnächtliche Aura nimmt. Und das mit Absicht.

«D'Zäller Wiehnacht», von Klaus Brömmelmeier und Sibylle Burkart in der Kammer des Schauspielhauses schwungvoll inszeniert, ist aus dem Leben gegriffen. Prall gefüllt mit Erinnerung ist das Krippenspiel, witzig, schräg und besinnlich zugleich.

Wenn das sechsköpfige Ensemble den berühmten «Stärn vo Bethlehem» singt und spielt, dann hört man ergriffen zu - bis ein Sprung in der Platte der Nostalgie den Riegel schiebt.

Maria ohne Demut

Die Spielenden Verena Höhn, Monika Rusconi, Bruno Straub, Hans- Rudolf Strässler, Vreni Urech und am Klavier Thomas Rabenschlag sind ältere Semester, die einst als Schülerinnen und Schüler in Paul Burkhards Krippenspiel mitgewirkt haben.

Nun wollen sie es lustvoll nochmals wissen, lassen sich in den Stoff hineinziehen, halten begeistert Ausschau nach dem Stern, geben die Hirten, die Engel, die drei huldvollen Könige - und merken doch, dass sich so manches verändert hat, dass die Weihnachtsgeschichte aus heutiger Sicht ihre Tücken hat.

Hätten Höhn, Rusconi und Urech einst gerne die Maria gespielt, so ist das nun nicht mehr so klar. Maria hat «demütig» und «bescheiden» zu sein; welche Frau aber möchte sich heute noch mit diesen Eigenschaften zufrieden geben?

Gebrochene Idylle

Auch sonst bricht das Leben immer wieder in die Idylle ein. Streit, Missgunst oder Liebeleien unterbrechen die Probenarbeit. Bisweilen stellen sich auch magische Momente ein: dann etwa, wenn zum Spiel des hervorragenden Pianisten Thomas Rabenschlag (der laut Programmheft «Musiker wurde, obwohl seine Eltern das immer gewünscht haben») an der Garderobe aufgehängte Mäntel die Wände hochkriechen oder wenn plötzlich ein Wasserhahn zu laufen beginnt.

Gespielt wird in einem Schulraum, der den 60er Jahren entlehnt ist (Bühne: Regina Lorenz-Schweer). An der Garderobe den Wänden entlang hängen farbige Turnsäcke, darunter stehen Bänke, worauf die Spielenden immer wieder eng zusammenrücken, Erinnerungen austauschen und die weiteren Probenarbeiten besprechen.

60 unterhaltende Minuten dauert das Spiel. So lässt man sich auch in die Jahre gekommene Stücke gerne gefallen.

Paul Burkhards Erfolge

Paul Burkhard wäre am 21. Dezember 100 Jahre alt geworden. Er starb 1977 in Zell im Kanton Zürich. Burkhard war Pianist und komponierte ab Mitte der 30er Jahre Operetten. 1939 wurde er Hauskomponist am Zürcher Schauspielhaus und schrieb das Mundart-Musikwerk «Der Schwarze Hecht», das als hochdeutsche Fassung unter dem Titel «Feuerwerk» mit Lilli Palmer verfilmt wurde.

Das «Hecht/Feuerwerk»-Chanson «O mein Papa» machte die Sängerin Lys Assia berühmt und wurde mit ihr zum Welthit. Weitere Erfolge feierte Burkhard mit dem Musical «Die kleine Niederdorf-Oper» (1951) und vor allem auch mit dem Kinderoratorium «D'Zäller Wiehnacht» (1960), das nun als eigenständiges Werk des Regie-Duos Brömmelmeier/ Burkart neu zu entdecken ist. (Karl Wüst/sda)

Erstellt: 26.11.2011, 12:01 Uhr

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