Stefan Kaegi gewinnt den Grand Prix Theater 2015

«Ein Virtuose», sagt Bundesrat Alain Berset über Stefan Kaegi. Das Mitglied des Theaterkollektivs Rimini Protokoll räumte dieses Jahr einen begehrten Preis ab.

Szene aus dem Theaterstück «Mnemopark» von Stefan Kaegi und seiner Truppe «Rimini Protokoll». (Archivbild)

Szene aus dem Theaterstück «Mnemopark» von Stefan Kaegi und seiner Truppe «Rimini Protokoll». (Archivbild) Bild: Eddy Risch/Keystone

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«Man kauft ein Theaterbillett und erhält eine andere Perspektive auf die Welt»: Bundesrat Alain Berset pries Stefan Kaegi, den Gewinner des Schweizer Grand Prix Theater, am Donnerstag aus der Sicht des Normalbürgers, der in Kaegis Dokumentartheater nicht das Avantgardistische, sondern den praktischen Gewinn sieht. Damit trifft er den Punkt: Kaegi und sein Kollektiv Rimini Protokoll stellen keine Schauspieler auf die Bühne, sondern «echte Menschen» (Berset), die als Experten des Alltags fungieren. Und dementsprechend viel zu sagen haben, das über die Metaebene des Theaters hinausweist.

Grosse Verwunderung

Die Schweizer Theaterpreise wurden im Theater Winterthur im Rahmen einer zweistündige Feier verliehen. Nicht nur der 43-jährige Solothurner Hauptpreisträger Stefan Kaegi war überrascht, dass er auserkoren wurde («schon interessant»). Auch andere Geehrte äusserten ihre Verwunderung. So etwa die Genfer Künstlerin Maya Bösch, die es nicht glauben konnte, da sie «weder erfolgreich noch tot» sei. Oder Brigitt Maag von Karl’s Kühne Gassenschau, die bisher immer dachte, sie kriege keinen Preis, eben gerade weil sie so viel Erfolg hätte (und keine Kunst mache, sondern spektakuläre Unterhaltung).

Robert Hunger-Bühler fand es bemerkenswert, dass er zum herausragenden Schauspieler 2015 gewählt wurde, obwohl er erst seit zwölf Jahren in der Schweiz lebt. Und die Genfer Schauspielerin und Komikerin Brigitte Rosset musste sogar ein Foto vom festlich gekleideten Publikum schiessen, damit ihre Kinder es glaubten, dass sie an dieser Gala im Scheinwerferlicht steht.

Grandiose Texte von Pedro Lenz

Die Schweizer Theaterpreise wurden nach 2014 zum zweiten Mal verliehen. Und der anfangs mit einiger Skepsis begutachtete Anlass beginnt, Konturen anzunehmen. Besonders dank Pedro Lenz, der in Winterthur zwei grandiose Texte vortrug. Auf Mundart und französisch gab er einen Reiseführer durch die Klanglandschaft Schweizer Ortsnamen zum Besten («Schaffhouse, voie douze, graduus»). Und rechnete mit dem erbärmlichen Zeitphänomen des Onlinevotings ab: «Vo Rorschach bis uf Oute chame voute». Das war so preiswürdig, dass niemand sich wunderte, dass er den Schweizer Kleinkunstpreis erhielt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.05.2015, 10:19 Uhr

Infobox

Der Theaterpreis wurde im Rahmen des Schweizer Theatertreffens verliehen.
Das Programm:
29.5. «Seymour oder ich bin nur aus Versehen hier» (Bern)
30.5. «Les brigands» (Die Räuber, Genf),
2.6. «Seul la mer» (Sierre/Lausanne),
3.6. «Bartleby, der Schreiber» (Zürich),
4.6. «La Extravaganzia #40» (Tessin),
5.6. «Jakobs Ross» (Zürich),
6.6. «Molto rumore per nulla» (Viel Lärm um nichts, Locarno).

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