Supermans Unterhosen als Leitmotiv
Vergnügliche Orientierungshilfe: Doraine Green und Arne Nannestad vom Action Theatre Bern. (Bild: zvg)
«How the West Was Won and Lost»
Das Stück wird vom Mittwoch, 7. Dezember, bis Samstag, 10. Dezember, jeweils um 20.30 im Tojo-Theater der Reitschule Bern gespielt.
www.tojo.ch
Die Sonntagsschullehrerin führt ein Bordell. Das hat seinen guten Grund. Sie ist eine flammende Befürworterin der freien Marktwirtschaft und muss sich im Wilden Westen behaupten. Sie ist nicht die einzige Frau mit einer erstaunlichen Biografie im neuen Stück des Action Theatre von Arne Nannestad und Doraine Green.
Noch abenteuerlicher ist die Vita einer gewissen Mildred, die Atome spaltet wie andere Weihnachtsguetsli verzieren und nebenher noch die Wahl zur Präsidentin Amerikas gewinnt.Schwindelerregend sind die Abenteuer, die Doraine Green und Arne Nannestad in ihrem Stück mit dem ambitiösen Titel «How the West Was Won and Lost» ihren Heldinnen und Helden zumuten. «Die Entwicklung hat uns auch ein wenig überrascht», verraten die beiden. «Aber wir lassen uns von den Figuren gerne verführen.» Und diese hätten nun mal nach Alaska, ins Weisse Haus und nach China gewollt.
Arne Nannestad und Doraine Green haben das Stück und die Inszenierung im Tojo-Theater der Berner Reitschule gemeinsam entwickelt. Es ist bereits die dritte Produktion, welche die beiden innerhalb weniger Monate dort zeigen und die sich wie die beiden Vorgänger «Dying for Oil, Gods and iPods» und «Peace the Permanent War» um die unbeantworteten aktuellen Fragen der Weltgeschichte dreht.
Von Bern nach Hollywood
Seit mehr als dreissig Jahren leben und arbeiten die beiden zusammen. Doraine Green kommt aus London und ist wie Arne Nannestad, ein gebürtiger Norweger, in Neuseeland aufgewachsen. In den Siebzigerjahren sind die beiden in Bern hängen geblieben und haben das Action Theatre gegründet. Neben der gemeinsamen künstlerischen Arbeit hat jeder der beiden zahlreiche eigene Projekte verfolgt: Bis nach Hollywood schaffte es Nannestad, wo er unter anderem in Filmen mit Rod Steiger und Whoopie Goldberg aufgetreten ist. Zusammen mit Oliver Maria Schmitt, dem früheren Chefredaktor des Satire-Magazins «Titanic», schrieb er ein Bauhaus-Musical und mit «I Want to Hold Your Hendl» eines über den Gründer der Wienerwald-Kette. Zudem ist Nannestad Pointenlieferant deutscher Comedy-Stars wie Oliver Polak. Doraine Green drehte Filme und führte Regie, unter anderem bei Theater Marie («Max Frisch», Geschwister Pfister).
Im letzten Jahrzehnt sind die beiden kaum mehr zusammen auf der Bühne gestanden. «Wir beide hatten plötzlich sehr grosse Lust, wieder gemeinsam ein Stück zu schreiben und zusammen zu spielen», sagt Doraine Green. Die grossen Themen auf eine kleine Bühne zu bringen, ist für das Duo eine überaus reizvolle Herausforderung. Finanzkrise? Waffenhandel? Bürokratie? Kapitalismus? Verschwörungstheorien, Religion und Kommunismus? Was das eine mit dem andern zu tun hat und noch viel mehr, wird in überraschend einfachen und ebenso wilden wie einleuchtenden Bildern auf die Bühne gebracht. Und so opulent der Text ist, so sehr wird darauf geachtet, dass er auch für jene gut verständlich ist, deren Muttersprache nicht Englisch ist.
Geschichtslektionen der vergnüglichen Art inszenieren die beiden, von keinerlei Moral verbrämt. «Wir haben keine Mission», sagt Arne Nannestad. «Wir erzählen die Weltgeschichte aus ganz verschiedenen Perspektiven, so hat das Publikum genug Material, um sich eine eigene Meinung zu machen.»
Amerikas wahre Feinde
Nannestad, der viel Stoff auch in kleinen Zeitungsmeldungen ausfindig macht, kennt sich in der Vergangenheit der Weltgeschichte nicht weniger gut aus als in der Gegenwart. Zurzeit fasziniert ihn das Treiben der amerikanischen Tea Party und der potenziellen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. «Die müssen von Amerikas Feinden engagiert und instruiert worden sein, anders kann ihr Verhalten kaum erklärt werden», sagt er.
Bis die abstrusen Geschichten, die eine nicht weniger absurde Realität spiegeln, fertig gezimmert sind, fliegen im Action Theatre allerdings die Späne. Genauso wie sich die Figuren in ihren Stücken handfest in die Haare geraten, sind sich Doraine Green und Arne Nannestad häufig überhaupt nicht einig über den Verlauf der Story. Und in diesen Momenten werde es gerne laut. «Ich fange an zu schreien», sagt Doraine Green. «Arne geht subtiler vor, um seine Sicht durchzusetzen. Aber wir hören nicht auf zu streiten, bis wir eine Geschichte gefunden haben, die uns beide überzeugt.»
Bis zum Beispiel im neusten Stück die roten Unterhosen von Superman als Leitmotiv sitzen und eine Lösung für die Probleme der Welt gefunden ist. Denn so unerbittlich die beiden die westliche Gesellschaft und ihr unersättliches Begehren sezieren, so zuversichtlich sind sie, dass der Mensch einen Weg aus dem aktuellen Schlamassel findet. (Der Bund)
Erstellt: 06.12.2011, 08:13 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
Kultur
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Grandioses Berg-Erleben.
Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!

Bitte warten



