Unterhosentheater für Kinder
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 03.12.2010 2 Kommentare
Kindertheater
Eine Auswahl an aktuellen Kindermärchen in grösseren Schweizer Theatern:
- Theater Neumarkt, Zürich: «Nikolaus on tour!», ab 7 Jahren. www.theaterneumarkt.ch
- Theater Basel: «Heidi», ab 5 Jahren. www.theaterbasel.ch
- Stadttheater Bern: «Die Schneekönigin» www.stadttheaterbern.ch
- Luzerner Theater: «Pinocchio», ab 6 Jahren. www.luzernertheater.ch
- Theater St. Gallen: «Pippi Langstrumpf», ab 6 Jahren. www.theatersg.ch
- Schauspielhaus Zürich: «Dornröschen oder Das Märchen vom Erwachen» ab 6 Jahren. www.schauspielhaus.ch
- Theater am Hechtplatz, Zürich: «Pippi Langstrumpf» www.maerchenbuehne.ch
Adventszeit ist Märchenzeit. Und alle Theater wollen davon profitieren. In einigen grossen Stadttheatern ist das Kindermärchen regelmässig das meistgesehene Stück der Saison. Auch das Zürcher Theater Neumarkt springt dieses Jahr auf diesen Zug auf. Allerdings nicht, um die Zuschauerbilanz zu schönen; das Kinderstück «Nikolaus on Tour!» ist vielleicht das Verrückteste und Wagemutigste, was dieses Theater seit dem Start der Direktion von Barbara Weber und Rafael Sanchez vor eineinhalb Jahren auf die Bühne gebracht hat.
Da ist ein junger Mann, der sich Nikolaus nennt, eher ein Vorstadtjunkie denn ein Waldmann, der von seiner Frau aus der Wohnung geschmissen wird und sich per Autostopp, Schiff und Flugzeug auf die Suche nach einem neuen Leben macht. Er trifft einen Mann, den er Esel nennt, nun brauchen die beiden noch einen Schmutzli, diesen finden sie in Kopenhagen. Ihre Reise ist ein wilder multimedialer Trip – chaotisch, laut, voller wilder Kämpfe und Akrobatik. Da sind drei orientierungslose Männer, die vor allem mit sich selbst ringen und auch mal nackt über die Bühne rennen.
Ein Samichlaus-Märchen ganz ohne Glanz und Glitter, ein Sozialdrama aus der Gosse. Kurz: die Zertrümmerung jeglichen Weihnachtskitschs — aber doch mit rührendem Ausgang.
Keine Provokation gewollt
Darf man so etwas für Kinder machen? Selbst bei Stücken für Erwachsene werden immer mal wieder das «Unterhosentheater» sowie die «Stückezertrümmerer» beklagt und Zeiten herbeigesehnt, in denen die Texte noch «werktreu» auf die Bühne gebracht wurden. Jetzt ist dieses «Unterhosentheater» also bei den Kindern angelangt. Der Test bei den eigenen Kindern (fünf und sechs Jahre) zeigt: Sie sind total fasziniert. Nicht, dass sie die Geschichte ganz verstanden hätten, da muss man als Eltern etwas nachhelfen (schliesslich ist das Stück auch erst ab 7), doch sie schwärmen von Details, den wilden Kämpfen, den merkwürdigen Kostümen, dem frechen Esel. Dass hier die Figuren nicht hyperkorrekt, die Kostüme wie aus dem Brockenhaus sind? Die Kinder findens grossartig.
Wollten da trotzdem einige Theatermacher die Grenzen elterlicher Toleranz ausloten? «Überhaupt nicht», sagt Regisseur Michael Finger, «Provokation war nie ein Thema. Wir wollten einfach ein Stück machen, wie wir es mit unseren eigenen Kindern gerne besuchen würden.» Sowohl Finger wie auch einer der drei Darsteller haben selbst Kinder. Er habe von der Direktion völlig freie Hand erhalten, sagt Finger. «Erst zwei Tage vor der Premiere haben die Direktoren das Stück zum erste Mal geschaut.»
Das Theater möchte «Nikolaus on Tour!» nach den ersten Reaktionen nun als Jugend- und Erwachsenenstück anpreisen und nicht mehr in erster Linie als Theater für Kinder. Ein unnötiger Rückzieher. Dieser Nikolaus ist ein Volltreffer, gerade für jene Kinder, die ihre helle Freude an Füdli, Gaggi und Co. haben – und alle anderen, die sie noch nicht verloren haben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.12.2010, 13:09 Uhr
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2 Kommentare
Finde dasr schlimm. Müssen auch Kinder die Provokation ertragen? Das Lleben fragt nach mehr Phanasie, u Verantwortung, denke spezielle an Kinder. Die Transparenz hat unserer Gesellaschaft nichts gebracht.. Hoffe, dass die Eltern ihre Verantwortung übernehmen..In Genf, das Grand Theatre, welches auch mit der Provokation lebt hat sich die Besucherzahl n 95% auf 75% reduziert.. Antworten
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