Kultur

Verblüffende Schattenbilder

Aus Menschenkörpern entstehen bewegte Bilder im Schattenspiel. Die amerikanische Gruppe Pilobolus zeigt ihre weltbekannte Schau «Shadowland» im Zürcher Schiffbau.

Wie das Bild hinter den Leinwänden von akrobatischen Körpern gestellt wird, fasziniert zuweilen mehr, als was darauf zu erkennen ist.

PD

Eine Lampe, ein Stück leere Wand und zwei Hände: Mehr braucht es nicht, um Schwäne fliegen und Hunde bellen zu lassen – im Schattenspiel. Was alles entstehen kann, wenn man mehr als die Hände zu Hilfe nimmt, wenn lichtstarke Projektoren, bewegliche Leinwände, neun Tänzer, Musik und ein bekannter Drehbuchschreiber zum Einsatz kommen, zeigt die amerikanische Gruppe Pilobolus in «Shadowland» derzeit im Zürcher Schiffbau.

Pilobolus wurde vor bald 40 Jahren gegründet – von den Mitgliedern eines Improvisationsworkshops, die zusammen weitertüfteln wollten. Ihre Stücke haben denn auch wenig mit den klassischen Vorstellungen von Tanz zu tun. Es sind vielmehr Versuche, mit akrobatischen Körpern bewegte Bilder entstehen zu lassen.

Von Monstern verschlungen

Mal sind es Insekten, mal Instrumente, und an der Oscar-Verleihung 2007 waren es, erstmals als lebende Schattenrisse, Firmenlogos und Filmausschnitte, die Gestalt annahmen. Spätestens seither ist Pilobolus weltberühmt. Nicht zuletzt aufgrund dieses Erfolgs hat die Gruppe ein abendfüllendes Schattentheater zusammengestellt.

«Shadowland» ist eine unterhaltsame Reise ins Land der Schatten, dabei aber düsterer als das «Hündchen» auf dem Plakat glauben macht. Es ist die bilderstarke Umsetzung eines Albtraums. Geträumt von einem Mädchen, das erwachsen werden will und stattdessen in eine Welt verschlagen wird, in der man leicht den Kopf verlieren kann oder gar den eines Tieres aufgesetzt bekommt. In der man ausgelacht, von Freunden verlassen, von Sadisten zur Schau gestellt und von quallenartigen Monstern verschlungen wird.

Einblicke hinter die Leinwand

Dabei entstehen viele verblüffende, einige bezaubernde, aber zuweilen auch banale Szenen, in denen man sich eher überlegt, wie die Menschen hinter der Leinwand wohl ineinanderverkeilt sind, um die Schattenbilder darzustellen, als dass man sich von ihnen ver- und ins Reich der Fantasie entführen liesse. Entsprechend neugierig schaut man hin, wenn die Leinwände – in seltenen Momenten – beiseitegeschoben werden und die Künstler Einblicke in die Entstehung der Figuren geben. Darunter leidet dann allerdings die angestrebte Poesie.

«Shadowland» ist ein Märchen für Erwachsene, abgründig, manchmal fast gruselig und vor allem von der Hauptfigur, dem träumenden Mädchen (dargestellt von Molly Gawler), sehr eindrücklich umgesetzt. Geschrieben hat das Stück Steven Banks, der sich als Autor der Zeichentrickfilmserie «SpongeBob SquarePants» einen Namen gemacht hat.

«Shadowland» ist noch bis 5. Dezember im Zürcher Schiffbau zu sehen. www.shadowland-show.ch

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.11.2009, 04:00 Uhr

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