«Links und nett ist langweilig, also mal das Böse einladen»

Das umstrittene Podium mit AfD-Denker Marc Jongen ist abgesagt. Podiumsgegner äussern sich gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Sorgte für heftige Polemik am Theaterhaus Gessenerallee: Marc Jongen.

Sorgte für heftige Polemik am Theaterhaus Gessenerallee: Marc Jongen.

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Im Vorfeld des Podiums «Die neue Alternative» mit AfD-Vertreter Marc Jongen im Theaterhaus Gessnerallee forderten Kritiker in einem offenen Brief, «der AfD keine Bühne zu bieten». Nun wurde das Podium wegen der darauffolgenden aufgeheizten Debatte, in der es zu Drohungen und Erpressungen kam, abgesagt. Wir baten zwei Unterzeichner des Briefs um ihre Stellungnahme.

Raphael Urweider, Schriftsteller:
«Das Podium war falsch geplant, es fehlten profilierte Gegenstimmen. Es schien mir nicht als Diskurs, sondern als sensationsgeiles Politspektakel angelegt: Links und nett ist langweilig, also mal das Böse einladen. Jongen nun wieder auszuladen, finde ich nicht undemokratisch: Er hat ja Plattformen genug. Dass man hier Angst vor zornigen Linken hatte: Tja. Die Angst ist sonst das politische Mittel der Rechten. Sie leben von der Angstmache – vor Fremden, der LGBT-Gemeinde. Ein Theater kann nicht einfach ein Monster einladen und glauben, es brauche keinen Käfig. Und die Rechten sollen nicht über mangelnde Meinungsfreiheit klagen, wo sie es doch sind, die diese ständig einschränken wollen. Für mich wirkte auch das angedachte Vorpodium nur wie ein psychohygienisches Lippenbekenntnis. Und hätte es wirklich Randale gegeben, hätten die Rechten bloss noch mehr das Märtyrer-Narrativ bemüht. Gut, dass alles abgesagt ist.»

Laura Huonker, Theaterregisseurin, Kantonsrätin AL:
«Es ist gut, dass die deutschen Verfasser des Offenen Briefes so wachsam waren und über die Grenze hinausschauten: Das Theater hatte das Podium zu unbedacht geplant. Unser Brief hatte Erfolg, stiess eine Diskussion an, und im Dialog entwickelte man die Idee der Vorveranstaltung: Das fand ich schlüssig. Der Boykottaufruf war ein neuer – aus demokratischer Sicht legitimer – Akt in dieser Geschichte. Trotzdem hätte, so finde ich persönlich, die Bühne das Debattenangebot eines Vorpodiums aufrecht erhalten sollen. Sie entschied anders.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.03.2017, 15:44 Uhr

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